Pirmasens
Umfrage: Schauen Sie die Fußball-WM oder nicht?
Vom 20. November bis zum 18. Dezember findet im Golfstaat Katar die Fußball-WM der Männer statt. Die Kritik an dem millionenschweren Spektakel wird immer lauter, es geht um dubiose Umstände bei der Vergabe, tote Arbeiter beim Stadionbau und die weitreichende Missachtung der Menschenrechte im Gastgeberland. Für den Fußballfan Michael Schwartz ist das zu viel. Er verzichtet darauf, sich die Spiele im Fernsehen anzusehen, wie er der RHEINPFALZ berichtet. „Einerseits stören mich die ganzen Umstände, unter denen die WM stattfinden soll, andererseits passt ein großes Fußballevent für mich eher in den Sommer. Jetzt im Winter fühlt sich das alles ganz komisch an, denn Glühwein trinke ich zu den Spielen sicher nicht“, sagt Schwartz. Von der Fifa, die jüngst den dänischen Spielern verboten hat, bei Spielen Trikots mit Slogans zu Menschenrechten zu tragen, hält der Pirmasenser ebenfalls nichts. „Da geht es leider nur ums Geld und das finde ich vor diesem Hintergrund noch weniger richtig als sonst“, so Schwartz. Für fraglich hält er es, ob ein scheinbar ungezwungenes Sport-Event in Zeiten großer Krisen passt. „Der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise trüben das Event zusätzlich, findet er, „andererseits ist es momentan etwas, was einen auf andere Gedanken kommen lässt“.
Eine „spannende“ Dokumentation zum Thema WM in Katar hat kürzlich Steven Schmitt im Fernsehen geschaut. „Da wurde mir klar, wie heikel das Thema wirklich ist und wie sehr die negativen Seiten von einigen Leuten heruntergespielt werden“, sagt er. Schauen wird er die Weltmeisterschaft der Männer deshalb nicht, obwohl er sich selbst als echten Fußballfan bezeichnet. „Ich hoffe, dass die Sportler auf dem Platz dann wenigstens irgendeine Form von Statement abgeben oder ihren Followern im Internet sagen, was sie davon halten, dass vor Ort die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.“
Auch Johannes Herbeck wird die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer nicht im Fernsehen verfolgen. „Es war schon bei der Verleihung peinlich, wie das alles abgelaufen ist. Wie immer geht es nur um Geld“, gibt er sich enttäuscht. Wie er findet, ist die WM in Katar alles andere als eine gute Werbung für den internationalen Spitzensport – „das hätte man lieber sein lassen sollen“, meint er.
Auch wenn er die Umstände in Katar, wo die Scharia die Gesetze schreibt, für ihn nicht in Ordnung sind, fiebert Robert Militaru der Fußball-WM entgegen. „Bei dem Bau der Stadien sind ja einige Menschen ums Leben gekommen. Das hat mich als Nachricht sehr mitgenommen. Trotzdem werde ich zumindest die Spiele der deutschen Nationalelf im Fernsehen schauen, weil ich einfach ein fußballverrückter Mensch bin“, sagt er. Was Militaru aber ärgert, ist, dass die Spiele der Zeitverschiebung wegen hierzulande nachts im Fernsehen zu sehen sein werden. „Deshalb Urlaub genommen habe ich mir nicht, aber da muss ich dann einfach durch“, so der Fußballfan.
Dass die WM wegen der gegenwärtigen Situation nicht ganz reibungslos verlaufen wird, vermutet Fabien Henrich. „Die Fußballer werden mit Sicherheit ein Statement abgeben“, meint er, „dass sie überhaupt spielen, liegt eben am Geld, dass im Vorfeld geflossen ist“. Henrich trennt für sich die Themen Menschenrechte und Sport strikt. „Im Fußball hat meiner Meinung nach Politik nichts verloren. Es gibt sehr viele homosexuelle Fußballer, die trotz ihrer sexuellen Orientierung in Katar auflaufen. Warum sollte ich dann als Zuschauer ein Problem damit haben?“, fragt er sich.
Als „puren Kommerz“ betitelt Ingmar Höh die Fußball-WM der Männer. Aus diesem Grund wird er auf die Spiele der Nationalelf verzichten. „Was in der Welt gerade los ist, ist nicht mehr normal. Unter anderen Umständen würde ich mir die Spiele ansehen, so aber nicht. Schade eigentlich, denn ich habe bisher noch keine Fußball-WM verpasst.“