FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Tore, Träume, Temperamente: Zu spätes Urteil und Luzi im Sportheim

Riesenjubel auf dem Waldfischbacher Galgenberg: Siegtorschütze Luca Dillinger sitzt auf den Schultern von Christian Küntzler.
Riesenjubel auf dem Waldfischbacher Galgenberg: Siegtorschütze Luca Dillinger sitzt auf den Schultern von Christian Küntzler.

RHEINPFALZ-Mitarbeiter Helmut Igel fiel bei den Fußballspielen am Wochenende auf, ...

... dass vier Teams das Gleiche tun.

Was hat die ersten Mannschaften des SV Hermersberg, der SG Bruchweiler, der SpVgg Waldfischbach/Burgalben und der SG Heltersberg/Geiselberg am Sonntag verbunden? Nun, alle vier Fußballteams gewannen am Sonntag ihre Partien in ihren jeweiligen Klassen. Auf allen vier Sportplätzen wurden über den Köpfen der Trainer literweise Bier und Sekt ausgeschüttet. Überall wurde gesungen, gelacht und umarmt. Sie ahnen es: Die vier Vereine holten sich in ihren Klassen die Meisterschaft.

Was allerdings nur Hermersberg und Waldfischbach/Burgalben gemeinsam hatten, waren die sehr spät fallenden, für die Ausschüttung riesiger Mengen an Serotonin und Dopamin sorgenden, Sieg und Titel bringenden Tore. Patrick Freyer erzielte für Hermersberg in der 94. Minute das 3:2 gegen Steinbach und Luca Dillinger sorgte mit seinem Treffer in der letzten Minute für das 4:3 seiner Waldfischbacher gegen den SV Hochstellerhof. „Da waren dann schon mal mehr als nur 22 Spieler auf dem Rasen“, erzählt Martin Gampfer, der sich eine Woche zuvor in der letzten Minute der Partie beim Hilster SV einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Er und Maximilian König sind die beiden einzigen Spieler des aktuellen Meisterkaders, die bereits 2011 beim Titelgewinn der damals noch nicht mit dem SV Burgalben verbundenen SG Waldfischbach in der B-Klasse West dabei waren. „Auch damals haben wir durch ein Tor in der Schlussminute das entscheidende Spiel mit 4:3 gewonnen“, erinnert sich Gampfer. Gegner war damals der heutige Landesligist FC Fehrbach. Und warum war es so wichtig, den Titel mit einem Sieg zu sichern? Klar: Um Meister zu werden, aber auch „weil keiner von uns Lust hatte, wie vor Jahren eine Relegation um den Aufstieg in die Bezirksliga zu spielen“, sagt Gampfer, der das Handy seines immer wieder mit Bier überschütteten Trainers Reiner Wadle sicherte.

Eine extra in den Opelwerken gefertigte Meisterschale machte die Runde in der Mannschaft und die 50 Meister-T-Shirts – Gampfer: „Beim Kauf nach dem 5:1-Sieg in Hilst sind wir volles Risiko gegangen“ – waren schnell vergriffen. „Selbst Hollywood hätte kein spannenderes Drehbuch für uns schreiben können“, merkte Coach Wadle an. In der 87. Minute hatte die Schwarzbachtal-Spielgemeinschaft noch 2:3 hinten gelegen. Dann machte Lukas Wagner das 3:3, und nach einem Lattentreffer – dem vierten in der Partie – sorgte Linksaußen Luca Dillinger für den Freudentaumel in der Doppelgemeinde.

... dass ’ne Meisterschale auch mal aus Pappe ist.

Kein bisschen ruhiger ging es bei der SG Bruchweiler zu, die den Tabellenzweiten Höheischweiler mit 4:1 bezwang und dem bereits perfekten Aufstieg den Titelgewinn in der C-Klasse Ost folgen ließ. Die Meisterschale war zwar „nur“ aus Pappe, doch der Korso durch die Gemeinde war stilecht, und „im Sportheim ging die Luzi ab“, wie Meistertrainer Jannik Nagel berichtet. Wieder war die einst in der Landes- und Verbandsliga spielende „alte Garde“ vor Ort.

Ein kleines Schmankerl und Dankeschön gab es auch noch und zwar für Finn Nagel. Dieser hatte sich im Oktober vorigen Jahres das Kreuzband gerissen und konnte seinem Team nicht mehr mit seinen zahlreichen Toren helfen. Gegen Höheischweiler wurde er in der letzten Minute eingewechselt. Eine schöne Geste, die Nagel fast noch mit einem Treffer getoppt hätte. „Die Chance war da. Aber das wäre ja auch zu schön gewesen“, befand Jannik Nagel.

... dass ein Urteil viel zu lange braucht.

„Von den Jungs ist eine Riesenlast abgefallen“, schilderte Thomas Malschofsky, der Vorsitzende des TuS Heltersberg, die Seelenlage bei den Fußballern der SG Heltersberg/Geiselberg, die mit einem 4:0 über den TuS Winzeln die letzten Zweifel am Titelgewinn in der B-Klasse, Gruppe B, zerstreut hatten. Auch wenn die Feierlichkeiten mit Musik, Bierduschen, T-Shirts und La-Ola-Welle mit den Zuschauern stilgerecht waren, so konnte sich Malschofsky nicht uneingeschränkt freuen. Es bleibt der Schatten einer angeblich rassistischen Beleidigung eines Winzler Kickers beim Hinspiel vor gut drei Wochen. Winzeln wollte daraufhin die Partie nicht zu Ende bestreiten. Der betreffende Zuschauer hat sich laut Malschofsky mittlerweile bei dem Winzler Spieler und der ganzen TuS-Mannschaft entschuldigt. Zum Rückspiel am Sonntag habe die Spielgemeinschaft noch einmal deutlich gemacht, dass für Rassismus kein Platz sei.

„Dennoch bin ich maßlos enttäuscht über unsere Sportgerichtsbarkeit. Ich habe null Verständnis dafür, dass bis heute kein Urteil in dieser Sache ergangen ist“, sagte Malschofsky. „Bei aller Freude über die Meisterschaft verstehe ich nicht, dass noch kein Urteil ergangen ist. Was wäre denn gewesen, wenn wir heute verloren und Rodalben gewonnen hätte? Dann wären wir punktgleich gewesen und das Sportgericht hätte über die Meisterschaft entschieden“, befand der TuS-Vorsitzende. Er erwarte immer noch ein Urteil der Spruchkammer, aber auch eine Erklärung der Sportgerichtsbarkeit, wieso es über das Saisonende hinaus gedauert habe. Malschofsky: „Das ist kein Fairplay.“

Helmut Igel
Helmut Igel
x