FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Tore, Träume, Temperamente: Rätsel-Rot, Rassismus-Abbruch und Eigentor-Sprüche

Helmut Igel
Helmut Igel

RHEINPFALZ-Mitarbeiter Helmut Igel fiel bei den Fußballspielen am vergangenen Wochenende auf, ...

... dass einer mit 48 sein erstes Eigentor macht.

Da musste er erst 48 Jahre alt werden, mehr als 1000 Pflichtspiele absolvieren, ehe er sein erstes Eigentor erzielte: Richard Lambright. Der Zimmermann aus Thaleischweiler-Fröschen, der bei Park-Bellheimer in Pirmasens arbeitet, agierte am Samstag in der C-Klasse-Partie der SG FC Höhfröschen/SG Thaleischweiler beim Hilster SV II im defensiven Mittelfeld, als es nach zehn Minuten eine Ecke für Hilst gab. „Der Ball rauschte an fünf Mann vorbei, prallte gegen mein Knie und in unser Tor. Ich hatte keine Chance wegzukommen“, schilderte der nimmermüde Lambright sein Erstlingswerk. „Die Häme war groß“, erzählte Lambright, der sich solche Sprüche wie „Wenn man eine Chance hat, muss man ihn auch reinmachen“ anhören musste.

Dementsprechend groß war seine Erleichterung, als seinem Team acht Minuten später ein Elfmeter zugesprochen wurde. Der Routinier schnappte sich den Ball und egalisierte vom Punkt aus mit seinem zweiten Treffer in der Partie sein Eigentor.

Gleichwohl ließ der lange Jahre als torgefährlicher Stürmer von den gegnerischen Verteidigern gefürchtete Lambright durchblicken, dass sein Karriereende naht: „Es geht mehr schlecht als recht. Der Verschleiß macht sich jetzt doch bemerkbar.“

... dass Feldspieler auch mal im Tor stehen.

„Es hat ein paar Lacher gegeben, als ich bei zwei, drei Freistößen mit dem Fuß geklärt habe, aber sonst war es ganz ordentlich.“ So beschrieb Christopher Reich seinen Einsatz als Torwart des SV Hochstellerhof. Dieser gewann denn auch sein A-Klasse-Match am Samstag auf heimischem Rasen gegen Palatia Contwig mit 4:1. Beim Gegentreffer, einem Kopfball von Tim Hüther, sei er „machtlos“ gewesen. Das Besondere an der Geschichte: Reich ist gar kein Torwart, sondern gelernter Mittelfeldspieler.

Doch alle drei Keeper im Kader der Blau-Weißen waren verhindert. Daniel Neuheisel ist verletzt, Benjamin Ernst und Torwarttrainer Christian Megel (zugleich „Back-up-Torwart“) waren beruflich unterwegs. „Und da ich aufgrund von Verletzungen im Training öfter mal im Tor gestanden habe, bot sich diese Lösung an“, erläuterte Reich, der noch eine Woche zuvor beim 1:1 gegen Tabellenführer Waldfischbach/Burgalben den Treffer für sein Team markiert hatte.

... dass eine Rote Karte Reich Rätsel aufgibt.

Fragezeichen: Die blieben am Samstag nach dem 1:1 der SG Eppenbrunn im Landesligaspiel beim FC Schmittweiler-Callbach stehen. Grund war eine Rote Karte für den Eppenbrunner Dennis Leininger nach nur drei Minuten, so SGE-Sportvorstand Markus Reich. „Dennis war mit einem gegnerischen Spieler zusammengeprallt. Dann hat der Schiedsrichter einfach Rot gezogen. Ohne Begründung. Erst sehr viel später hat er dann gesagt, Dennis habe den Ellenbogen eingesetzt“, berichtete der aufgewühlte Reich. Der Unparteiische habe sehr weit weg vom Tatort gestanden, kritisierte Reich dessen Entscheidung, einen Platzverweis auszusprechen. O-Ton von Leininger: „Sag mir mal, was der gepfiffen hat!“ Selbst die gegnerischen Akteure seien überrascht gewesen. „Das war alles andere als eine Rote Karte. Nur unverständlich und unerklärlich“, klagte Reich.

Die Eppenbrunner indes bewiesen nach 0:1-Rückstand in Unterzahl Moral und kamen in der vorletzten Minute durch Spielertrainer Mounir Rabahi zum 1:1-Ausgleich. Reich: „In drei Fällen hätten wir einen Elfmeter zugute gehabt.“ Derzeit laufe fast alles gegen die SGE, die akut abstiegsgefährdet ist.

... dass Winzler keinen Rassismus dulden.

Weil ein Fußballer des TuS Winzeln wohl übel rassistisch beschimpft wurde, endete die B-Klasse-Partie der Pirmasenser am Sonntag gegen die SG Heltersberg/Geiselberg bereits nach 80 Minuten. Winzelns Mittelfeldspieler Eugen Besrodni war dem Vernehmen nach von Zuschauern, die eindeutig dem Lager der Gäste zuzuordnen waren, unter anderem als „Scheißrusse“ bezeichnet worden.

Das wollten denn seine Teamkollegen nicht einfach hinnehmen, denn schließlich sei der seit drei Jahren in Winzeln kickende, aus Russland stammende Familienvater „ein hochanständiger Kerl“, so der TuS-Vorsitzende und frisch ausgebildete Polizist Andreas Fischer. Er ergänzt: „Auf den lassen wir nichts kommen.“ Die Winzler wollten ein Zeichen setzen und beschlossen, die Begegnung, in der die Gäste mit 3:0 führten, nicht zu Ende zu führen. Laut Fischer, der während der Partie als Torwart eingewechselt wurde, haben die Spieler der SG Heltersberg/Geiselberg Verständnis für die Winzler Abbruchaktion gezeigt.

„Mit Sicherheit war da was, aber ich habe nichts mitbekommen“, nahm Gäste-Spielleiter Klaus Vatter Stellung. Sollte es sich bewahrheiten, dass ein Spieler des TuS verunglimpft worden sei, „bedauern wir das sehr und werden uns auch entschuldigen“. Vatter weiter: „Wir heißen so etwas nicht gut und ziehen intern Konsequenzen.“ Gleichwohl hätte Winzeln „aus sportlicher Sicht die zehn Minuten zu Ende spielen sollen“. Schiedsrichter Rudy Schwarz habe die Situation, die zum Abbruch führte, genau beobachtet und alles notiert. Er werde einen Bericht erstellen.

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