Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei legt Statistik vor: Gewalt gegen Beamte nimmt deutlich zu

 28 Polizisten wurden im vergeangenen Jahr durch Angriffe verletzt.
28 Polizisten wurden im vergeangenen Jahr durch Angriffe verletzt.

Die Polizei ist mit der Entwicklung der Kriminalität in der Region eigentlich zufrieden. Allerdings räumt sie ein, dass die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie einen Einfluss auf die Zahlen haben. Aber es gibt deutlich mehr Drogendelikte als im Vorjahr und die Gewalt gegen Polizisten ist ebenfalls angestiegen.

Die Polizeidirektion Pirmasens, die für den Kreis Südwestpfalz sowie die beiden Städte Pirmasens und Zweibrücken zuständig ist, hat im vergangenen Jahr 8595 Straftaten und damit 1,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum (8739) registriert.

Diese Entwicklung schlägt sich auch bei der Häufigkeitszahl nieder, die die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner zeigt. Sie reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr leicht um 72 auf 5127 Fälle. Besonderes Augenmerk verdient dabei der Landkreis. Mit einer Häufigkeitsziffer von 2858 ist die Südwestpfalz wieder einmal eine der sichersten Kommunen in ganz Deutschland, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Kriminalhauptkommissar Werner Häfner sagt: „Mit einer Aufklärungsquote von 71,8 Prozent nimmt unsere Direktion einen absoluten Spitzenplatz in Rheinland-Pfalz ein.“

2020 hat die Polizei fünf Fälle in ihrer Statistik vermerkt, bei denen es um das Leben von Menschen ging. Alle Fälle wurden aufgeklärt. Darunter waren ein Fall eines versuchten Mordes, jeweils ein Fall eines versuchten und vollendeten Totschlags sowie zwei fahrlässige Tötungen.

Die Zahl der Sexualdelikte erreichte mit 188 das gleiche hohe Niveau wie im Vorjahr. Die vielfach erwartete deutliche Zunahme der häuslichen Gewalt aufgrund der Pandemielage habe sich in der Südwestpfalz hingegen nicht umfänglich bestätigt. Die Zahl der Fälle von Gewalt in der Partnerschaft stieg lediglich um 15 Fälle auf 335 an. Überwiegend wurden Frauen von ihren Partnern körperlich misshandelt.

Nach einem hohen Anstieg im vergangenen Jahr seien die Körperverletzungsdelikte in der Öffentlichkeit rückläufig. Die Fallzahlen gingen von 146 auf 128 zurück. Kriminalhauptkommissar Häfner vermutet: „Geschlossene Gaststätten, Kontaktbegrenzungen, Einschränkung der Mobilität und das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit als Maßnahmen der Pandemiebekämpfung haben sicher ihren Teil zur Verringerung der Fallzahlen beigetragen.“

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um elf auf 130 Fälle zurück. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren, informiert die Polizei. In der Hälfte der Fälle sei es beim Versuch geblieben. Die verstärkte Medienpräsenz und die Präventionsarbeit haben offenbar zu besseren Absicherungsmaßnahmen der Hauseigentümer geführt, vermutet Polizeisprecher Häfner. Weil viele Bürger infolge der Pandemie mehr Zeit daheim verbracht haben, dürfte das zusätzlich Tatgelegenheiten reduziert haben.

Bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten haben die Pirmasenser Beamten einen Rückgang von 1452 auf 1232 Fälle festgestellt. Trotz der sinkenden Fallzahlen gab es mehr Internebetrügereien: Die Fälle stiegen von 509 auf 662 im Vorjahresvergleich. Hier setze sich der ansteigende Trend von „Internetbetrügereien“ auf entsprechenden Verkaufsplattformen fort.

Der Anstieg bei den Drogendelikten ist mit 20,2 Prozent signifikant. Mit 993 Rauschgiftdelikten wurden 167 Delikte mehr als im Vorjahr registriert. Im Rauschgift-Bereich spricht die Polizei von der sogenannten Hol-Kriminalität. Die gestiegenen Zahlen erklärt die Polizei daher einerseits mit verstärkten Ermittlungen und zugleich mit zusätzlichen Fallzahlen, die sich aus der Verkehrsüberwachung ergäben. Vermehrt würden Fahrzeugführer erkannt, die unter Drogeneinfluss stehen. Oft hätten die sogar Drogen bei sich. 2019 waren noch drei Rauschgifttote zu beklagen. Im vergangenen Jahr starb glücklicherweise niemand den Drogentod.

Nachdem 2019 noch 80 Gewaltdelikte gegen die Polizei begangen wurden, kam es 2020 zu 103 Übergriffen gegen Polizeibeamte. Die Steigerung beträgt innerhalb eines Jahres 29 Prozent. Kriminalhauptkommissar Häfner spricht von „einem sehr bedenklichen Trend“. 28 Polizisten seien durch Angriffe verletzt worden, sechs mehr als im Vorjahr. In 78 Fällen (Vorjahr 59) wurden Polizisten beleidigt oder bedroht.

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