Von Woche zu Woche RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Wenn der Amtsschimmel wiehert

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Einen Termin, bitte

Spätestens mit den Corona-Einschränkungen hat es angefangen, dass man kaum noch irgendwo hin kann, ohne sich vorher einen Termin geben zu lassen. Vor allem nicht dorthin, wo der Gegenüber keinen finanziellen Vorteil aus dem Besuch ziehen kann. Das heißt, Aldi, Lidl und Co, die Würstchenbude nebenan, McDonalds oder die Tankstelle – da überall kann ich ohne Termin meine Geschäfte erledigen. Zugegeben: Handwerker lieben schon immer Termine, auch wenn sie die oft nicht einhalten.

Krass wird es auf Ämtern, und wenn über denen dann noch Bürger-Service-Center steht, bekommt das sogar eine zynische Note. Ein Beispiel: Ein Pirmasenser Bürger, der seinen Fall der RHEINPFALZ schilderte, sprach am 25. Mai beim Bürger-Service-Center vor. Und da außer ihm kein Bürger einen Service in Anspruch nehmen wollte, dachte er, auch schnell fertig zu sein, denn es eilte. Eine Unterschriftsbeglaubigung. Ein Akt, der in zehn Sekunden erledigt ist: Stempel, Unterschrift – fertig. Doch da hatte er nicht mit dem Amtsschimmel gerechnet, der wohl gerade mal wieder auf der Weide war. Und so bekam unser Bürger einen Termin vorgeschlagen – in 13 Tagen am 7. Juni.

Wie sieht Bürger-Service andernorts aus? Ein Test. Wir rufen im Notariat von Fabian Wall in der Bahnhofstraße an. „Da brauchen wir nichts vorzubereiten. Eine Unterschriftsbeglaubigung geht relativ schnell, die können wir zwischendrin machen“, stellt mir die Dame am Telefon in Aussicht. Nächster Versuch: Das Zweibrücker Bürgerbüro. Der Name macht stutzig, fehlt hier doch der Zusatz „Service“. Um so größer die Überraschung, als ich noch für den gleichen Tag einen Termin bekomme. „Eine Unterschriftsbeglaubigung können wir dazwischenschieben.“ Dritter Versuch: Die Kreisverwaltung. Und auch hier geht es rascher mit dem Stempel – „noch in dieser Woche“.

Auf Anfrage der RHEINPFALZ bei der Stadt, warum es in Pirmasens so lange dauert, erhalten wir folgende Antwort: „Die Einführung des (digitalen) Terminmanagements hat dazu beigetragen, die Verwaltung ein weiteres Stück mehr bürgerfreundlicher zu gestalten und gleichzeitig die Effektivität der Arbeitsabläufe und des Personaleinsatz in den Ämtern und Dienststellen zu steigern.“ Und: Die Terminvergabe werde von den Bürgern begrüßt, heißt es.

Hat der Bürger denn überhaupt eine Alternative? „Im Bürger-Service-Center“, so die Mitteilung der Verwaltung, „können Pirmasenser ihre Anliegen auch ohne vorherige Anmeldung vorbringen. Allerdings werden Kunden mit einem Termin bevorzugt berücksichtigt. Wer ohne Termin vorspricht, muss mit Wartezeiten rechnen ... Aktuell gibt es einen Terminvorlauf von circa einer Woche, wobei dies auf die zahlreichen Feiertage im Mai/Juni zurückzuführen ist.“ Allerdings: Auch im Notariat, in Zweibrücken und bei der Kreisverwaltung wird an Feiertagen nicht gearbeitet.

Einen Termin in einer Woche, langes Warten vor Ort – für eine Tätigkeit von zehn Sekunden? Bei all dem scheint der Amtsschimmel zu vergessen, dass wir es sind, wir die Bürger, die ihn füttern. Dass wir ihn bezahlen, dass es unsere Steuern sind, die am Monatsende seinen Trog mit Hafer füllen.

Alternativlos

Bernd Hummel hat seine Idee, den Neufferpark aufzuwerten, hingeworfen. Er war es leid, gegen Gerüchte und gefühltes Wissen anzukämpfen, gegen Neinsager und Schwarzseher, von denen sich viele erst wieder an den Neufferpark erinnert haben, als Hummel mit seiner Idee um die Ecke kam, wie der drohende Abriss der Villa verhindert und der gesamte Park aufgewertet werden kann. Von Luxuswohnungen war da die Rede, von Geschäftemacherei, von Pro-Secco trinkender Schickimicki-Gesellschaft, die sich dann in der Villa zuprostet. Wirklich beschäftigt mit den Ideen hat sich kaum jemand – es genügte, ein Feindbild zu haben. Und eben diesen Buh-Mann will Bernd Hummel nicht geben. Also zieht er sich zurück.

Doch haben sich seine Kritiker einmal überlegt, wie es nun mit dem Park weitergeht? Am Rand der Stadt gelegen, erwacht er im Sommer nur zum Leben, wenn Wolfgang Kuchem zu Konzerten einlädt. Und ein paar Hundehalter nutzen das weitläufige Grün als Toilette für ihre Vierbeiner. Verliebte Paare, spielende Kinder, Menschen, die ihre Mittagspause hier verbringen oder mit Oma und Opa spazieren gehen – weitgehend Fehlanzeige. Selbst viele Konzertgänger wissen wahrscheinlich nicht, welch romantisch schöne Ecken dieser Park hat. Und damit diese Ecken auch gepflegt sind, hat die Stadt allein im vergangenen Jahr für deren Unterhaltung rund 68.000 Euro ausgegeben.

Private Investoren werden die geschätzte Million Euro für die Sanierung der Villa kaum aufbringen und die Stadt darf es aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht. Was aber, wenn die Villa abgerissen wird, weil sie niemand saniert? Der Neufferpark verliert auch noch den letzten Ankerplatz, den letzten identitätsstiftenden Fleck. Spätestens dann muss sich die Stadt fragen lassen, ob es nicht sinnvoller wäre, das ganze Areal einfach zu verkaufen – dem Stadtsäckel wird es gut tun und ernsthaft vermissen wird den Park auch kaum jemand.

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