Fussball: Vertagt hat das Präsidium des Südwestdeutschen Fußballverbands seine Entscheidung, ob und wie die Saison von der Verbandsliga bis zur untersten Klasse fortgesetzt wird. Nur so viel ist klar: Wenn mit dem normalen Training Anfang April und der Rundenfortsetzung Anfang Mai begonnen werden kann, wird das zweite Corona-Spieljahr auch in einem verkürzten Modus beendet werden. Die RHEINPFALZ sammelte Stimmen und Stimmungen in der Region Pirmasens.
„Ich persönlich würde sehr gerne die Runde zu Ende spielen“, sagt der Trainer der Spielvereinigung Waldfischbach/Burgalben, Frank Steigelmann. Und der Ex-Regionalliga-Torhüter schiebt seine subjektive Begründung gleich hinterher: „Wir stehen zurzeit ganz vorne in der A-Klassen-Tabelle, und ich hätte mir zum Abschied einen Aufstieg gewünscht.“ Der 41-Jährige wechselt nach der Saison zum SV Schopp. „Ob es allerdings Sinn macht, die Saison fortzusetzen, ist ein anderes Thema“, merkt Steigelmann an. Die Infektionszahlen stiegen doch bereits wieder an, alles sei problematisch. Bislang hat seine Mannschaft von der seit Montag bestehenden Möglichkeit eines kontaktlosen Trainings mit maximal zehn Personen pro Spielfeld noch keinen Gebrauch gemacht. Nächste Woche soll es dann so weit sein.
„Unsere Sponsoren haben uns nicht im Stich gelassen“
Zum finanziellen Schaden, den die Corona-Krise bei den Fußballern in Waldfischbach-Burgalben angerichtet hat und noch anrichten wird, stellte Spielleiter Gerhard Strütt fest: „Wir überstehen das, auch wenn uns wichtige Einnahmen fehlen. Gott sei Dank haben uns unsere Sponsoren nicht im Stich gelassen.“
„Ich denke, es klappt nicht mit der Rundenfortsetzung. Die Werte sind einfach zu hoch“, schätzt Timm Brödel, Vorsitzender des FC Rodalben, der seine bisherigen vier Saisonspiele in der B-Klasse Ost alle gewann und dabei 21:1 Tore erzielte. Allerdings würde sich der 52-Jährige „über jedes einzelne Spiel, das noch gemacht wird, sehr freuen“. Man könne geteilter Meinung sein, ob nun die Runde vorzeitig beendet oder unbedingt fortgesetzt werden sollte. Brödel hofft indes, dass es bald weiter geht und alle, die vor Corona dabei waren, auch wieder zurückkommen. Finanziell werde der FC Rodalben Corona „überleben“, auch wenn das Virus ein großes Loch in die Vereinskasse reiße.
SC Weselberg trainiert seit Montag wieder
„Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen“ sollte nach Meinung von Volker Reinig (46), Spielleiter von Bezirksliga-Tabellenführer und Verbandspokal-Viertelfinalist SC Weselberg, die Saison fortsetzt werden. Primär müsse „eine gescheite Vorbereitung“ vor dem Fortsetzen der Runde gewährleistet sein. Vor allem sollte angestrebt werden, im August endlich mal wieder „eine ordentliche Saison“ beginnen zu können, betont Reinig. Bereits am Montag habe der SCW mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept erstmals seit über vier Monaten – kontaktlos - trainiert. Die finanziellen Nachteile durch Corona hielten sich in Weselberg „noch im Rahmen“, weil „keine Sponsoren abgesprungen sind“.
Uwe Schwaab (52), Vorsitzender der SG Pirmasens, glaubt nach eigenen Worten nicht, dass die Runde fortgesetzt wird: „Die Zahlen steigen doch wieder, und verlässliche Prognosen kann man nicht stellen.“ Natürlich würde die SG die Runde gerne fortsetzen, denn nach langen Jahren im Tabellenkeller der C-Klasse hat sich der einstige Verbandsligist nun vorne festgesetzt. „Eine Aufstiegsrunde zu spielen – das wäre top für uns gewesen“, betont Schwaab. Doch einer solchen Aufstiegsrunde hat SWFV-Verbandspräsident Drewitz aber endgültig eine Absage erteilt.
Besonders hart trifft das Virus die SG in finanzieller Sicht. Der Traditionsverein hat drei Dart-Mannschaften, ein Billardteam und gleich zwei Fußballmannschaften am Start; da floriert normalerweise der Betrieb im Sportheim an der Winzlerstraße. „Rund 5000 Euro Umsatz im Monat fehlen durch Corona“, erklärt Schwaab. Das sei „wirtschaftlich ein Riesenproblem“. Zuschüsse würden nur sehr spärlich oder gar nicht fließen. Schwaab: „Ich weiß nicht, ob wir überhaupt noch einmal aufschließen.“
Sportheim-Renovierung besser verschoben
Fußball sei wichtig, sagt Albert Burkhart-Muck, Vorsitzender der Sportfreunde Bundenthal, „aber es gibt andere Dinge, die wichtiger sind“. Je früher wieder Fußball im Wettkampf gespielt werden könne, desto besser sei dies, doch dürfe zum Schutz der Gesundheit „kein unnötiges Risiko“ eingegangen werden. Der 67-Jährige bezeichnet es als „Glaskugelfrage“, ob die Saison fortgeführt oder abgebrochen werden wird. Dass sich alle wünschen, dass es weitergeht, verstehe sich fast von selbst. Laufende Kosten und fehlende Einnahmen belasten auch die Vereinskasse des Landesligisten. Es sei nicht leicht, über die Runden zu kommen, „aber wir werden das überstehen“, sagt Burkhart-Muck und fügt hinzu: „Hätten wir gewusst, dass Corona kommt, hätten wir die Renovierung unseres Sportheims verschoben.“ Kontaktlos trainiert haben die Bundenthaler „bisher noch nicht“.
Abstieg mit erhobenem Haupt
„Das war doch gar kein Beschluss. Der SWFV hat doch nur die Richtung angezeigt, in die es gehen könnte. Das hängt doch noch von sieben Eventualitäten ab“, befindet Christoffer Lorett, der Spielleiter des FC Fehrbach, der zwei Herrenteams im Spielbetrieb hat. In der Landesliga und in der A-Klasse liegen die „Tiroler Jungs“ sieglos am Tabellenende. Daraus abzuleiten, dass Fehrbach froh wäre, wenn die Runde annulliert würde, sei aber völlig daneben, versichert Lorett. „Ein Abstieg wäre für uns kein Beinbruch. Das würden wir erhobenen Hauptes hinnehmen. Bei uns schätzen das alle so ein“, merkt der 31-Jährige dazu an. Eine Prognose zu stellen, wie es mit der Runde weitergeht, traue er sich nicht zu. Die finanzielle Situation sei wie wohl bei allen Vereinen „sehr belastend“. Jedoch vertraue Fehrbach auf sein größtes Potenzial: „die Ehrenamtler“. Diese stützten den Verein auch und insbesondere in der schwierigen Corona-Zeit. Lorett: „Sie sind unsere Haupteinnahme.“