FUSSBALL
FK Pirmasens: Sieg am seidenen Fädchen
Beim Liga-Schlusslicht steht ein Vollprofi im Kasten – beim FKP „nur“ ein Feierabend-Fußballer, der zudem in der vereinsinternen Rangliste (noch?) als Torwart Nummer zwei geführt wird. Am Samstag zumindest hat der Student dem FCK-Keeper glatt die Show gestohlen. Schotts Schlussmann hielt einen Ball – sein Pirmasenser Gegenüber einfach alles. Zugegeben: Jonas-Janko Weyand hatte am Samstag wahrlich wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Am goldenen Tor von Schlitzohr Luka Dimitrijevic hat der beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag stehende und seit Saisonbeginn nun leihweise bei Schott Mainz Match-Praxis tankende 20-Jährige nichts ausrichten können.
Unfassbare Reflexe
Jan Schulz hingegen hat so einiges ausgerichtet, zweimal sogar wohl ein bisschen gehext: Mit unfassbar anmutenden Reflexbewegungen entschärfte Schulz in Minute 62 das Doppelfeuer von Etienne Portmann. Jener drosch aus vier Metern aufs kurze Eck – Schulz aber war dran. Den Billard-Ball, den der Mainzer postwendend zurückhaute, wehrte der Keeper erneut ab. Wahnsinn.
„War ’ne riesige Leistung“, gab später auch Weyand – übrigens ein Westpfälzer aus dem Kuseler Glantal – dem drei Jahre älteren Gegenüber die Bestnote. „Ich hab’ leider nur den einen halten können“, erinnerte der 20-Jährige an die 35. Minute: Da war Daniel Bohl Richtung Tor vorgeprescht und hatte vor der Strafraumkante ein Pfund abgesondert.
Starker Dimitrijevic
Gleich im Anschluss schaufelte Dimitrijevic einen Ball nach Ecke übers Mainzer Tor. Zuvor schon, nur zwei Minuten nach seinem Führungstreffer, hatte der stark spielende Rechtsaußen sein Glück aufs Neue versucht. Trotz einiger Distanzversuche blieb es bei der knappen Führung, die allerdings einem Klasseauftritt entsprungen war. Salif Cissé hatte Dimitrijevic 20 Meter in des Gegners Hälfte in den Lauf gespielt. Der Saarländer gab Gas, schüttelte Portmann ab und ließ Sebastian Schmitt aussteigen, danach auch noch Silas Schwarz wie eine Slalomstange stehen, um die Aktion mit einem rotzfrechen Außenrist-Schlenzer zu krönen.
Auch wenn die folgenden Versuche ins Leere gingen: Die Gäste hatten in Halbzeit eins klar die Spielkontrolle, agierten munter nach vorn. Umso unerklärlicher, wohin sich der Schwung nach Abpfiff der ersten Halbzeit verkrümelt hat. „Ich weiß gar nicht, wie man so schlecht aus der Pause kommen kann“, rätselte Bohl. „Wir haben überhaupt nicht mehr ins Spiel gefunden.“
„Dreckiger Sieg“
Aber egal: „Der Sieg war auf jeden Fall sehr, sehr wichtig.“ Wozu dann also mit Analysen aufhalten? „Ein dreckiger Sieg“, freute sich Moritz Zimmer, die Faust nach oben reckend. Dieselbe Wortwahl traf später Trainer Patrick Fischer: „Dreckig“, aber eben auch nicht unverdient. „Die Mannschaft hat eine überragende erste Halbzeit gespielt, hat hoch gepresst, ist sehr gut angelaufen – das hat aber auch verdammt viel Kraft gekostet. Erst recht auf diesem schlimmen Kunstrasen“, zeigte der Coach Verständnis dafür, dass ein Durchhänger folgte, einige platt waren.
Grünnagel krank
Schott-Trainer Sascha Meeth hatte zu Wiederanpfiff mit Birkan Celik eine linke Granate eingewechselt. Celik entfachte mehr Wirbel als bis dato das gesamte TSV-Team zusammen. Kevin Klein, der anstelle des erkrankten Manuel Grünnagel rechts verteidigte, geriet arg ins Schwimmen, zumal es sein Vordermann Dimitrijevic im Rückwärtsgang nun etwas schleifen ließ.
Kaum noch Entlastung
„Wir hätten das verhindern können, hätten vor allem nach dem Tor nachlegen müssen“, gab sich der Torschütze selbstkritisch. Doch überwog bei allen die Erleichterung, keiner redete den Sieg schön. „Wir haben spät gewechselt, wir waren alle platt“, fand Schulz eine Ursache dafür, dass sich die Gäste immer wieder in die Defensive zurückgedrängt sahen, kaum noch entlastende Angriffe zustande brachten.
Immerhin: Wie schon Anfang des Jahres hat der doppelte Auftritt gegen die Ligakonkurrenten aus der Landeshauptstadt vier Punkte eingebracht. Vor Jahresfrist hatte der FKP bei Schott ein 1:1 geschafft, damals allerdings deutlich besser gespielt. Es folgte ein Sieg bei Mainz 05 II. Diesmal war ein Punkt gegen die Nullfünfer dem Sieg beim TSV vorausgegangen.
Spielpause bis 24. November
Mit den vier Zählern lässt sich der Jahresendspurt nun etwas beruhigter angehen. Als erster Regionalligist hat der FKP die Hinrunde beendet, hat am letzten Spieltag frei. „Wir trainieren noch dreimal, dann gibt’s drei Tage frei – und dann bereiten wir uns auf das Pokalspiel vor“, kündigte Fischer eine wohltuende Pause für alle an. Am Mittwoch, 24. November, 19.30 Uhr, gastieren die Pirmasenser im Verbandspokal-Viertelfinale beim TSV Gau-Odernheim.