FUSSBALL
FK Pirmasens bleibt in Vorbereitungsspielen ungeschlagen
„Schönen Urlaub“, wünschte Salif Cissé scherzhaft, als er sich hinter den Turnhallen-Kabinen in Ruppertsweiler von Coach und Kollegen verabschiedete. Urlaub? Klingt gar nicht mal so übertrieben. Immerhin sind fünf freie Tage nach dreiwöchiger Trainingsmaloche durchaus ein Pfund. Cissé zählt zu jenen, die guten Gewissens ausspannen könnten. Andere schleppen noch Altlasten mit sich herum, müssen Defizite aufholen. Es ist unverkennbar, dass sich vor allem die Neuzugänge noch etwas schwertun – kein Wunder nach so langer Zwangs-Matchpause.
Fischer kommt ins Grübeln
FKP-Trainer Patrick Fischer ist nach der Freitagabend-Partie beim SV Rülzheim ein bisschen ins Grübeln gekommen, wie er sagte. Es scheine, als habe die Pandemie-Pause das Gefälle zwischen den Viertliga-Teams und jenen darunter noch steiler werden lassen. „Das betrifft wohl weniger die Oberliga, da haben die Spieler in der Zwischenzeit einiges getan“, sagte Fischer. Die beiden Verbandsligisten aber, bei denen der FKP aufgelaufen ist, die hätten herzlich wenig entgegensetzen können, blickte Fischer auf Rülzheim sowie die Partie bei Borussia Neunkirchen zurück. Beide Male hatte „die Klub“ locker achtfach eingelocht und war auf wenig Widerstand gestoßen.
Oberligist TSG Pfeddersheim ist da ein anderes Kaliber. Trotzdem: Der 2:1-Erfolg beim Jubiläums-Sportfest des 100 Jahre alten FC Ruppertsweiler war knapp, aber letztlich kaum gefährdet. Beim Gegentreffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Marcell Oehler – vor fünf Jahren mal beim SC Hauenstein aktiv, aber dort eher sporadisch am Ball – einen schönen Diagonalpass geschlagen. Rouven Amos kam über links in die Pirmasenser Hälfte gespurtet, preschte in die Mitte und zog aus zwölf Metern ab, ehe Kevin Frisorger den Schaden abwenden konnte. Vermeidbar war das trotzdem: Arman Ardestani hatte die linke Seite nicht dichtgemacht, stand viel näher als der aufgerückte Sascha Hammann. Bis er aber den Rückwärtsgang fand, war Amos auf und davon (42.).
Bohl bereitet beide Tore vor
Nur zwei Minuten später aber lagen die Pirmasenser wieder in Führung. Dank freundlicher Unterstützung von TSG-Keeper Norbert-Alexander Loch, aber auch dank Daniel Bohl. Der Stratege mit viel Drittliga-Erfahrung ist – immer noch oder schon wieder – in hervorragender Verfassung. Als Staubsauger wie Antreiber im defensiven Mittelfeld gewohnt wertvollste Dienste leistend, spielte Bohl diesmal auch den Vorbereiter, ebnete beiden Treffern Bahn. Loch hatte einen Abschlag ohne Not blind, hoch, aber allzu kurz abgesondert. Der Ball plumpste nahe der Mittellinie Richtung Boden, Bohl bewies Köpfchen und servierte ihn mit der Stirn Tim Hecker, der in des Gegners Hälfte völlig frei stand. Hecker schien selbst ein bisschen überrascht, so unversehens in Ballbesitz zu gelangen: „Der Ball kommt, nehm’ ich ihn halt – ich hatte ja alle Zeit der Welt, um ihn reinzumachen“, schaute Hecker später auf die kuriose Szene zurück, die er mit überlegtem Abschluss aus halblinker Position krönte (44.).
Beim Führungstreffer hatte Hecker TSG-Kapitän Mathias Tillschneider verfolgt, der gerade auf links Aufbauarbeit leisten wollte. Heckers heißen Atem spürend, legte sich Tillschneider den Ball zu weit vor. Ein Fall für Bohl, der ihn sofort abluchste, zu Yannick Grieß zurückspielte. Dessen Adressant war wieder Hecker, der zum an der rechten Linie startenden Bohl prallen ließ. Und was tat der? Schaufelte die Kugel hoch – direkt in den Lauf von Leon Ampadu, der nicht fackelte und den Ball volley aus ungünstigem Winkel versenkte. Hut ab!
Vielseitiger Hecker
Hecker war übrigens als Stoßstürmer aufgelaufen. In Neunkirchen hatte er rechts in der Abwehrkette gespielt. Was kommt als nächstes? Innenverteidiger? „Ja, gerne“, beantwortete Hecker die RHEINPFALZ-Frage grinsend. „Er geht ins Tor“, schlug Kapitän David Becker eine weitere Alternative vor. Was die Alternativen für die angestammten Positionsinhaber betrifft, haben zurzeit samt und sonders die Etablierten ihre Nase klar vorn. Den Neuen bescheinigt Coach Fischer viel Talent, vorbildliche Einstellung –„aber sie wissen, was sie noch aufholen müssen“. Am weitesten sieht Fischer Ardestani und Ampadu – der übrigens verletzt raus musste, nachdem er umgeknickt war. Eine Diagnose steht noch aus.
SO SPIELTEN SIE
FK Pirmasens - TSG Pfeddersheim 2:1 (2:1)
FK Pirmasens: Reitz - Grünnagel (61. Klein), Grieß, Frisorger, Hammann (61. Vogt) - Becker (61. Herrmann), Bohl - Eichhorn (61. Dimitrijevic), Ampadu (51. Cissé), Ardestani (61. Scharwath) - Hecker (46. Krob)
TSG Pfeddersheim: Loch - Lutz, Haber, Tillschneider – Amos, Huth, Oehler, Schmidt, Bhatti - Schünke, Yeboah
Tore: 1:0 Ampadu (19.), 1:1 Amos (42.), 2:1 Hecker (44.) - Gelbe Karte: Cissé - Beste Spieler: Bohl - Oehler - Zuschauer: 149 - Schiedsrichter: Greef (Otterbach).
SV Rülzheim - FK Pirmasens 2:8 (2:5)
FKP: Schulz - Grünnagel, Klein, Grieß (46. Frisorger), Hammann - Becker (46. Vogt), Cissé - Dimitrijevic (46. Hecker), Herrmann (46. Eichhorn), Scharwath (46. Ardestani) - Krob (46. Erhart)
Tore: 0:1 Cissé (2.), 1:1 Biedenbach (11.), 1:2 Krob (20., Elfmeter), 2:2 Biedenbach (21.), 2:3 Scharwath (32.), 2:4 Becker (36.), 2:5 Cissé (43., Elfmeter), 2:6 Klein (49.), 2:7 Ardestani (71.), 2:8 Eichhorn (83.)
Zuschauer: 150 - Schiedsrichter: Kokott (Frankenthal).