Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Bundesliga-Schiedsrichter Christian Dingert ist der Coach von Julien Belzer aus Münchweiler

2022 war der für den FK Clausen pfeifende Julien Belzer beim DFB-Sichtungsturnier für U16-Länderauswahlmannschaften in Duisburg
2022 war der für den FK Clausen pfeifende Julien Belzer beim DFB-Sichtungsturnier für U16-Länderauswahlmannschaften in Duisburg an der Pfeife und stand dabei selbst unter Beobachtung.

Julien Belzer ist in der A-Junioren-Bundesliga und in der Herren-Verbandsliga aktiv – Klassen, in die er es als Fußballspieler nicht geschafft hätte, wie der 23-jährige Bankkaufmann aus Münchweiler einräumt. Als Schiedsrichter hat er es gepackt. Arno Noll sprach mit dem Sparkasse-Mitarbeiter.

Herr Belzer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schiedsrichter zu werden?
Ich bin absolut fußballverrückt. Ich spiele Fußball, seit ich laufen kann. Mit vier Jahren begann ich in der Jugend des SV 85 Münchweiler, weil der FC Münchweiler, bei dem mein Vater Matthias jahrelang Vorsitzender war, keine Jugendmannschaft hatte. Erst als ich bei den A-Junioren war, erhielt ich das Zweitspielrecht für den FC Münchweiler. Mit 14 Jahren fing ich als Schiedsrichter an und merkte ganz schnell, dass zu der Freude und Begeisterung, die ich beim Fußball immer empfand, auch noch dazu kam, dass ich noch mehr an Emotionen aufsaugte. Die schwappten nicht nur von einem, sondern von zwei Teams auf mich über. Dazu kamen noch die Zuschauer. Das löste bei mir einen „Wow-Effekt“ aus, der mich bis zum heutigen Tage trägt und begeistert.

Wie wichtig ist es, dass ein Schiedsrichter selbst Fußball spielt oder gespielt hat?
Definitiv sehr wichtig. Je schneller das Spiel ist, desto öfter kommen Situationen auf dich zu, in denen du innerhalb von Sekunden entscheiden musst, ob es sich noch um eine fußballspezifische Situation oder um ein Foul handelt. Wer selbst gespielt hat, weiß auch, wo die Grenze zwischen gesunden und überbordenden Emotionen liegt. Dann bringt man auch Verständnis auf für den Spieler, der dann schon einmal hochfährt, wenn ihm eine Situation abgepfiffen wird. Man ist mit einem Schuss mehr Fingerspitzengefühl unterwegs.

Sind Sie noch zweigleisig unterwegs – als Fußballer und als Schiedsrichter?
Nein. Ich musste mich vor zwei Jahren entscheiden und habe mich für die Karriere an der Pfeife entschieden. Dem Kicken standen die Verletzungsgefahr, die Terminüberschneidungen und der Wunsch des DFB gegenüber, sich ab einer gewissen Liga zu entscheiden. Und – ganz ehrlich – als Fußballer hätte ich es nie in diese Ligen geschafft, in denen ich heute Spiele leite.

Welche Umstellungen kamen da auf Sie zu, als Sie sich klar für die Zukunft als Schiedsrichter entschieden?
Ich will es – wie das bei den Fußballern auch so üblich ist – so hoch wie möglich schaffen und habe mich voll auf das Pfeifen fokussiert. Ich habe Gewicht reduziert, trainiere fast täglich. Dazu gehören Laufeinheiten oder Besuche im Fitness-Studio. Schnelligkeit, Spritzigkeit und Ausdauer müssen hochgehalten werden. Je fitter ich bin, desto klarer kann ich Entscheidungen treffen. Ich werde auf dem Platz regelmäßig beobachtet, bin im Individualförderprogramm des Südwestdeutschen Fußballverbands. Dabei gibt es Noten, die in ein Punktesystem einfließen. Der Coaching-Gedanke steht im Vordergrund. Mein Coach ist der Bundesliga-Schiedsrichter Christian Dingert. Das Feedback von ihm ist mir unheimlich wichtig.

Sie waren zuletzt in der U19-Bundesliga bei SC Freiburg gegen Astoria Walldorf, 1. FC Heidenheim gegen FC Augsburg und Bayer Leverkusen gegen Viktoria Köln Schiedsrichter-Assistent. Erzählen Sie mal, wie das so abläuft.
Absolut professionell. In der Saisonvorbereitung werden wir vom DFB eingekleidet. Wir sind zwei Stunden vor Anpfiff am Platz, machen unsere Begehung, sprechen uns ab. 30 Minuten vor dem Anpfiff laufen wir uns warm. Dann geht es zum Trikotwechsel noch einmal in die Kabine. Sollte es zum Spielort eine Anreise von mehr als 250 Kilometern geben, oder ein Spiel beginnt morgens um 11 Uhr oder nachmittags nach 16 Uhr, ist eine Übernachtung mit eingeplant. Der Kameradschaft, wie ich sie beim FK Clausen in der Fußballmannschaft erlebt habe, trauere ich schon etwas nach. Aber im Gespann oder unter den Schiris gibt es das auch. Dabei helfen auch die Fördervereine, wie es etwa der bei uns im Kreis sich zur Aufgabe gemacht hat.

Ihr Schiri-Highlight bisher?
Eindeutig das sechstägige Sichtungsturnier für die U16-Nationalmannschaft in Duisburg. Während die Spieler der Länderauswahlen von Heiko Westermann, Sven Bender oder Nationaltrainer Michael Prus beobachtet wurden, erledigten das bei uns Schiedsrichtern die DFB-Lehrwarte Lutz Wagner, Uwe Kemmling und Bernd Domurat. Ich war in sechs Spielen eingesetzt, leitete entweder selbst oder war im Team involviert. Im Anschluss gab es immer sofort ein Feedback. Als das Turnier beendet war, kam der Bundestrainer auf uns Schiedsrichter zu, um sich persönlich für die guten Spielleitungen zu bedanken. Wie uns Bernd Domurat versicherte, sei das keineswegs selbstverständlich. Die Teilnahme an diesem Turnier war für mich eine Überraschung.

Sie haben sich so rundum positiv über das bisher Erlebte im Fußball geäußert. Gibt es nicht irgendetwas, das Ihnen nicht so gefällt?
Doch. Mich macht es etwas traurig, wenn ich sehe, wie unterschiedlich sich die Herren und die Frauen beim Kicken präsentieren. Die Theatralik der Herren und das Gemecker bei jeder Entscheidung gibt es bei den Frauen so nicht. Auch wenn ich den Fußball liebe, schaue ich da etwas neidisch zu den Handballern, die einen ganz anderen Umgang pflegen, die Entscheidungen der Unparteiischen respektieren, ohne zu lamentieren. Auf die Frage, warum es diesen Unterschied gibt, habe ich noch keine Antwort gefunden.

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