Porträt
Alex Beyrodt: In der Königsklasse des Rockgitarrenspiels
Der seit geraumer Zeit im nahen Frankreich (bei Forbach) lebende Saitenartist ist seit 34 Jahren als Profimusiker aktiv, hat mehr als 1000 Konzerte in 25 Ländern absolviert und neben zahlreichen Gastbeiträgen auf 33 Alben als festes Bandmitglied gespielt. Diese Karriere war im Alter von 14 Jahren noch nicht absehbar, als der Teenager – beeinflusst durch Deep-Purple-Gitarrist Richie Blackmore – erstmals zur Sechssaitigen griff. Doch bevor er das Gitarrespielen zu seinem festen Job machte, lernte er Bauzeichner, zog später nach Dortmund und arbeitete dort in der Architekturabteilung einer Brauerei.
1988 markiert den Startschuss zum Musikprofi, Beyrodt stieg bei der deutschen Hardrock-Band Sinner ein und spielte dort bis 2001. Dies war auch die erste Begegnung mit dem Musiker und Produzenten Mat Sinner. Mit ihm spielt er in diversen Bands zusammen. .
Bei Paul Shortino im Musiker-Mekka L.A.
Anfang der 1990er Jahre hat Beyrodt einige Zeit in Los Angeles beim bekannten Sänger Paul Shortino (Quiet Riot, Rough Cutt) zwecks Songwriting und Proben verbracht. „Ich wohnte dort bei Pauls Mutter, die hatte acht Kinder, sang immer in der Küche und hatte fast dieselbe Stimme wie Paul“, erinnert sich Beyrodt lachend. Da er wegen des Managements und geschäftlicher Dinge unzufrieden die Reißleine zog, erschien die Platte schließlich ohne ihn.
1999 gründete Beyrodt seine eigene Band Silent Force, die sich dem Segment Melodic Power Metal zugehörig fühlte und vor allem in Japan Erfolge feierte. Hier arbeitete er mit Top-Sänger DC Cooper (Royal Hunt) und Schlagzeug-Guru André Hilgers (Bonfire) zusammen.
Dreimal mit Silent Force im Pirmasenser Quasimodo
Mit Silent Force gab Beyrodt 2002 zwei Konzerte im Pirmasenser Quasimodo und spielte im Oktober 2007, direkt nach einer Japan-Tour, erneut dort. 2009 wurde Alex Beyrodts Band Voodoo Circle gegründet. Sie widmet sich von Beginn an dem Classic Rock und weist eine nicht zu leugnende Affinität zu Ikonen wie Whitesnake und Led Zeppelin auf. Bis dato wurden sechs hochgelobte und erfolgreiche Alben veröffentlicht. 2009 entschloss sich Beyrodt, festes Bandmitglied bei Primal Fear zu werden, und 2011 ging er erneut bei Sinner an Bord.
Seit 2011 begleitet der Elversberger die Tourneen des populären „Rock-Meets-Classic“-Projekts seines Freundes Mat Sinner. Bis zur Corona-Zwangspause stand er dort regelmäßig mit Topstars wie Alice Cooper, Ian Gillan (Deep Purple), Steve Lukather (Toto), Paul Rodgers (Bad Company), und Joey Tempest (Europe) auf der Bühne. Alex Beyrodt ist der einzige Gitarrist weltweit, der mit all diesen Ikonen live zusammenspielte.
Ian Gillan sagte: „Mach das jetzt jeden Abend!“
Zu Ian Gillan hat der Gitarrenvirtuose eine lustige Geschichte parat: „Das Gitarrensolo von ,Highway Star’ ist ein Klassiker. Da habe ich zu mir gesagt: Gleich kommt das Solo, jetzt musst du irgendwas machen, damit der Gillan durchdreht. Also habe ich das Solo hinterm Kopf gespielt, ohne das bei diesem Lied je geprobt zu haben. Beim schnelleren Teil habe ich die Gitarre dann auf den Boden geworfen und sie von oben gespielt – wie ein Klavier. Es gibt ein Foto, auf dem Gillan mit weit aufgerissenen Augen zusieht, wie ich das Solo hinterm Kopf spiele. Nach dem Konzert kam er auf mich zu. Ich dachte: Hoffentlich ist er nicht sauer, weil ich ihm ein bisschen die Show gestohlen habe. Er sagte: ,What’s your name?’ Also nannte ich meinen Namen, und er meinte: ,Also, das was du heute Abend bei Highway Star gemacht hast ...’ – und ich dachte, oh Gott, jetzt kommt’s! Doch er grinste nur und meinte: ,Mach das jetzt jeden Abend!’“
Zu seinem ersten Instrumental-Album erzählt Beyrodt dies: „Alle großen Gitarristen unserer Zeit wie Jeff Beck, Joe Satriani, Steve Vai oder Paul Gilbert haben das gemacht. Ein Instrumental-Album ist quasi die Königsklasse des Rockgitarrespielens, denn man muss es hinkriegen, den Zuhörer auch ohne Gesang zu fangen, ein Gefühl zu transportieren und Spannung zu erzeugen.“ Dies ist ihm zweifellos gelungen.
Viele Songs und ein Buch
Für die nahe Zukunft hat der Gitarrist einiges geplant: „Ich bin schon wieder am Songschreiben für mein zweites Instrumental-Album, Thomas Zimmer vom ,Rocks-Magazin’ konzipiert mein erstes Buch, eine Biografie.“ Zudem ist Beyrodt ja in einigen Bands zugange, welche nach der erzwungenen Pandemie-Pause endlich wieder auf Tour gehen wollen. Ein Ende der erfolgreichen Karriere ist also noch lange nicht absehbar.
Info
facebook.com/alexander.beyrodt
CD-Kritik: „Weekend Warrior“
Dem Gitarristen Alex Beyrodt mangelt es keineswegs an Beschäftigung, doch in der Hochphase der Pandemie war alles anders. Er fand Zeit, sich seinen Traum vom ersten Instrumentalbum zu erfüllen. Der gebürtige Saarländer hat das Werk komplett im Alleingang komponiert, aufgenommen, produziert und alle Instrumente selbst eingespielt. Lediglich Mix und Mastering überließ er dem Spezialisten Matthew Greywolf. Entgegen aller Klischees ist „Weekend Warrior“, veröffentlicht am 1. April, keine Platte für Instrumental-Fanatiker oder sogenannte Gitarren-Shredder-Fans geworden. Im Gegenteil, der Longplayer ist sehr persönlich ausgefallen, Beyrodt huldigt ein ums andere Mal seinen Idolen wie beispielsweise Michael Schenker, dem er „Fly Away“ widmete. Hier wird mit voller Absicht dessen 1983er Lied „Desert Song“ zitiert. Aus „Through the Eyes of a Rainbow“ sind Richie-Blackmore-Reminiszenzen aus dessen Rainbow-Ära herauszuhören, im Beatles-Stück „While My Guitar Gently Weeps“ bringt der Meister Talent, Feeling sowie eine famose Melodieführung grandios auf den Punkt. Auch die restlichen acht Songs sind sehr empfehlenswert.
Song-Liste:
1. Weekend Warrior
2. Fly Away
3. Through the Eyes of a Rainbow
4. Road to Salem
5. Night Time
6. Boulder Boy
7. Have a Little Faith
8. Picture in an Empty Room
9. Julie
10. Gipsy Rose
11. While My Guitar Gently Weeps (Beatles Cover)
Alex Beyrodt: „Weekend Warrior“, A1 Records (Vertrieb: Broken Silence), CD-Digipak, Download.