Sparen mit der Rheinpfalz
Warum manche Obstbäume ein gelbes Band haben
„Die Aktion ,Gelbes Band’ ist dieses Jahr aufgrund des Wetters nicht so gut gelaufen“, bedauert Anna-Maria Marstaller, Mitarbeiterin beim Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Das Biosphärenreservat, die Leader AG Pfälzerwald plus und das Haus der Nachhaltigkeit in Trippstadt haben die bundesweite Aktion „Gelbes Band“ 2021 in der Pfalz gestartet.
Gemeinden können dem Biosphärenreservat mitteilen, welche Bäume abgeerntet werden dürfen, die werden in eine Karte auf der Homepage des Biosphärenreservats eingetragen. Es sind meist Bäume, die auf Streuobstwiesen oder an Wegrändern stehen. In diesem Jahr hätten weniger Gemeinden mitgemacht als im vergangenen Jahr, berichtet Marstaller. Der Grund dafür sei wohl, „dass es nichts zu ernten gab“.
Nur geringe Mengen
Denn die lange Trockenheit und die Hitze hätten den Ertrag von Obstbäumen gleich mehrfach beeinträchtigt, erläutert Marstaller. Wegen der Trockenheit sei das Obst nicht gut gewachsen und teils noch unreif von den Bäumen gefallen. Zudem hätten Tiere auf der Suche nach Flüssigkeit, Früchte angepickt oder angebissen. Die so beschädigten Früchte würden dann häufig verfaulen.
Marstaller betont, dass es ein paar Regeln für die Obsternte gibt: So solle man darauf achten, dass man nichts beschädigt. Geerntet werden dürfen zudem nur haushaltsübliche Mengen.
Rund um Deidesheim
Klaus Hünerfauth, stellvertretender Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Umwelt der Stadtverwaltung Neustadt, bewertet die Obsternte differenzierter: Bei frühen Obstsorten wie Kirschen sei „der Behang eher durchschnittlich“ gewesen. Bei Birnen und Äpfeln sei der Ertrag eher gering gewesen. Doch gebe es auch Obstarten, die „ganz gut getragen haben“, als Beispiel nennt Hünerfauth Quitten. Umfang und Qualität der Ernte hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab, etwa Lage, Witterung zur Blütezeit, Schädlingsbefall und Wasserversorgung.
Werner Emich kümmert sich als Mitglied der Umweltgruppe Unke gemeinsam mit Claus Lammering in der Verbandsgemeinde Deidesheim ehrenamtlich um die Markierung von Bäumen mit gelben Bändern. „In diesem Jahr haben wir nur an Nussbäume Bänder gebunden“, erzählt Emich. Im vergangenen Jahr seien auch Apfelbäume und ein Birnenbaum dabei gewesen. „Doch die hatten in diesem Jahr zu wenig Ertrag“, sagt Emich. Allerdings sei auch die Nussernte wegen der Trockenheit nicht allzu gut.
Neustadt auch 2023 dabei
Ihm zufolge wird nur um Bäume, die auf der Gemarkung der Stadt Deidesheim stehen, ein gelbes Band geschlungen. „Aus den anderen Gemeinden gab es Bedenken, dass die Bäume oder die Umgebung bei der Ernte beschädigt werden“, so Emich. Er berichtet, dass ihm im vergangenen Jahr eine Mitarbeiterin der Verbandsgemeindeverwaltung Deidesheim gezeigt hat, welche Bäume ein gelbes Band bekommen sollen. „Wir haben dann 2021 und wieder in diesem Jahr die Bänder angebracht. Ich fahre gelegentlich vorbei und schaue, ob alles in Ordnung ist“, sagt Emich. Beschädigungen oder andere Probleme habe es bisher nicht gegeben.
Nach Angaben von Emich haben in der Verbandsgemeinde Deidesheim in diesem Jahr etwa 40 Bäume ein gelbes Band bekommen. Sie stehen am Weinbach, in der Nähe des Kirchenbergwegs, in der Gemarkung in der Lettengrube und an der Straße Richtung Forst.
Wie viele Bäume in Neustadt abgeerntet werden dürfen, kann Klaus Hünerfauth nicht sagen. Er betont, dass die Teilnahme an der Aktion keine Pflichtaufgabe der Stadt sei, sondern eine freiwillige Maßnahme. Nach seinen Angaben binden die Naturschutzwarte der Stadtverwaltung die gelben Bänder um die Bäume. Es seien Bäume mit allen gängigen Obstarten berücksichtigt worden – Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Walnüsse. Die Bäume stehen bunt verteilt in allen Ortsteilen. Die Stadt Neustadt werde sich 2023 wieder an der Aktion beteiligen, kündigt Hünerfauth an. „Wir haben noch viele Meter gelbes Band auf Rollen.“
Zur Sache: Ein Leser-Tipp
Leser Heinz Paul von der Haardt ist Jahrgang 1939 und es von den Nachkriegsjahren gewohnt, „Wasser und Heizung zu sparen“. Er erinnert sich noch, dass mit dem Badewasser, das nicht einfach ausgeschüttet wurde, später noch der Hof geschrubbt worden ist. Ähnlich könne man auch heute vorgehen, schlägt er vor: „Das Wasser aus der Wärmflasche kann man morgens noch benutzen, um sich zu waschen.“ Und in Sachen Heizen empfiehlt Paul, sich auf wenige Räume zu beschränken, früher hätten sich auch alle immer in einem Zimmer (etwa in der Küche) aufgehalten. Haben Sie auch Tipps, wo im Haushalt gespart werden kann – oder kennen Sie pfiffige Menschen? Dann melden Sie sich per E-Mail an redneu@rheinpfalz.de, Stichwort Sparfuchs.rhp