Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum eine Pfarrerin fastet

Ute Stoll-Rummel
Ute Stoll-Rummel

Die närrischen Tage sind rum, jetzt ist Fastenzeit angesagt: Doch was heißt das eigentlich genau? Geht es nur um Verzicht und Selbstdisziplin? Pfarrerin Ute Stoll-Rummel gibt Einblicke in ihr Fasten-Leben.

40 Tage dauert die christliche Fastenzeit. Sie beginnt an Aschermittwoch und endet am Karsamstag – die Sonntage zählen dabei nicht mit. Viele verbinden die Fastenzeit mit Verzicht, weil sie eben in diesen sieben Wochen entweder keinen Alkohol trinken oder sich Süßigkeiten verkneifen. Und sehnlich darauf warten, dass sie es am Ostersonntag beim Festtagsessen so richtig krachen lassen können. Bedeutet fasten also nur verzichten und sich im Griff zu haben – zumindest für eine gewisse Zeit? Nein, sagt dazu Ute Stoll-Rummel. Nach vielen Jahren in der Westpfalz ist sie seit Sommer 2022 die Pfarrerin für die protestantischen Christen in Geinsheim sowie in Gommersheim und Freisbach.

Allerdings haben sich Stoll-Rummel und ihr Mann, der Neustadter Dekan Andreas Rummel, ganz klassisch selbst wieder „sieben Woche ohne“ vorgenommen. Das heißt: „In dieser Zeit leben wir ohne Alkohol und ohne Kuchen.“ Das klingt ja fast wieder nach Fasten-Klischee. Das weiß auch Stoll-Rummel. Bei Einladungen gebe es auch immer wieder kleine Diskussionen und Erklärungen. Auch in ihrer Gemeinde höre sie immer wieder, dass jemand nicht fasten könne, weil die Oma Geburtstag habe und man dann backe. „Dabei kann sich jeder das vornehmen, das zu seinem Leben und Alltag passt“, betont Stoll-Rummel.

Keine Handy-Spiele

Für sie und ihren Mann gehöre der Verzicht auf Alkohol und Kuchen während der Fastenzeit „schon seit Jahren“ dazu, aber nicht einfach aus Prinzip: „Wir haben gemerkt, dass uns das gut tut.“ Außerdem erweitert Stoll-Rummel ihr Fastenspektrum jedes Jahr noch etwas. „Damit das Motto nicht einfach lautet: sieben Woche ohne, sondern auch: sieben Wochen mit.“ Im Vorjahr hat Stoll-Rummel etwa in der Fastenzeit auf „Handyspiele zum Runterkommen“ verzichtet. Stattdessen begann sie wieder, Neuhebräisch zu lernen. „Jeden Tag gab es statt der Handyspiele eine Spracheinheit“, so die Pfarrerin. Sie habe Spaß daran gefunden und lerne die Sprache nun schon ein ganzes Jahr. „Und darum soll es gehen: Fasten soll keine Qual sein, sondern es soll den Weg öffnen zu einem neuen, schönen Ritual – das dann sogar über Ostern hinaus anhält.“ Sie habe das geschafft, spiele zwar jetzt ab und zu wieder am Handy, aber den täglichen Sprachkurs empfinde sie als Bereicherung, sagt Stoll-Rummel.

Eine Woche als Reinigung

Für dieses Jahr hat sie sich einen Zettel neben den Autoschlüssel geklebt – mit der Aufschrift: „Fahrrad?“ Der Zettel soll Ansporn sein, das Auto ab und zu mal stehen zu lassen. „Man soll sich seines Verhaltens bewusst sein und erkennen, dass manches auch anders laufen kann“, so Stoll-Rummel. Daher nehme sie aktuell auch öfter mal ein Buch zur Hand – in Geschichten oder Texte einzutauchen sei viel besser, als etwa Zeit am Computer zu vertrödeln.

In ihrer früheren Gemeinde habe sie daher – mit Unterstützung von Ärzten und Physiotherapeuten – Heilfasten angeboten: „Eine Woche ohne Essen als Reinigung.“ In ihrer neuen Pfarrei im Gäu hat Stoll-Rummel für ihre erste Fastenzeit eine Frühschicht eingeführt. Mit dem Thema „Leuchten“. Dass sich dazu gleich sieben Teilnehmer eingefunden haben, hat die Pfarrerin sehr gefreut. In den Runden gehe es um das Licht, das man im Leben brauche, und das gerade zum ersten Jahrestag des Ukrainekriegs, „der ja so viel Dunkelheit gebracht hat“, so nötig sei. Für sie sei Fastenzeit eine „intensive Zeit im Hinleben“ auf die großen christlichen Feste. „Und das gilt für Ostern übrigens ebenso wie für Weihnachten und die Adventszeit.“

Info

Ökumenisches Friedensgebet zum ersten Jahrestag des Kriegsausbruchs in der Ukraine, Freitag, 18 Uhr, katholische Kirche Böbingen. Die Kollekte ist für Hilfsprojekte in der Ukraine.

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