Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Unterhaltsame „Käfighaltung“ – das Autokino beim Holiday-Park feiert Premiere

Autokino – das kannte man bislang am ehesten noch aus dem Vorspann der „Familie Feuerstein“. Doch es ist überraschend bequem ...
Autokino – das kannte man bislang am ehesten noch aus dem Vorspann der »Familie Feuerstein«. Doch es ist überraschend bequem ....

Am Samstagnachmittag ist es soweit: Das „Popup-Autokino“ auf dem Parkplatz des Haßlocher Holiday Parks startet mit einer amerikanischen Actionkomödie. Wie ist dieses „Autokinogefühl“, das man bislang nur aus den Erzählungen der Älteren kannte? Ein Erfahrungsbericht mit „Testfamilie“, stilechtem Popcorn und unverhofften „Begegnungen“.

Zu dritt im Auto. Das hat es lange nicht gegeben. „Mir wird grad klar, dass es das erste Mal seit sieben oder acht Wochen ist, dass wir alle zusammen irgendwo hinfahren“, sagt der 15-jährige Sohn auf der Rückbank. Kurzer Schock, aber er hat ja so recht. Zwischen „Homeschooling“ und „Homeoffice“ soll am frühen Samstagabend das „Popup-Autokino“ in Haßloch eine Zone sein, in der das Thema Corona mal drei Stunden lang vor der Autotür bleiben muss – eigentlich ganz schön schräg, findet das ganze Spektakel doch gerade und nur deswegen, stellvertretend fürs „normale“ Kino und alle anderen abgesagten Freizeitunternehmungen, statt. Doch wo gibt es schon sonst noch ein Autokino? Wir drei kennen das bisher alle nur aus US-Filmen.

Beim Einbiegen auf den Parkplatz des Holiday Parks wird das „C-Wort“ aber noch mal ganz schön präsent. Zwei Ordner in Warnwesten und mit Mund-Nasen-Masken winken. Der Dame auf der Beifahrerseite winke ich heftig zurück, denn ich habe längst die digitale Familieneintrittskarte aufs Smartphone geladen und somit mächtig Verantwortung für den reibungslosen Ablauf. Die Ordnerin nickt mit dem Kopf, ich halte das Telefon an die Scheibe. Zweimal muss sie nachjustieren, um mit ihrem Smartphone unseren QR-Code abzuscannen. Stimmt was nicht? Doch dann geht ihr Daumen hoch: Wir dürfen passieren. Ein seltsames Gefühl, aber auch irgendwie gut.

Es gibt endlich mal wieder Action – im Film und live

Weitere Ordner mit Stoffmasken winken uns ein. Nonverbale Kommunikation ist gefragt. Die Arme wedeln in der Luft. Nein, dahin bitte nicht, eine Lücke in der vorderen Reihe ist noch frei, wink, wink. Der Mindestabstand von anderthalb Metern zu den seitlichen „Nachbarn“ muss aber eingehalten werden. Sofort folgt gespenstische Stille: Wie im Superstau – nur ohne Urlaubsreise – brüten wir hinter den Scheiben in der Nachmittagssonne, darauf wartend, dass es weitergeht. Kaum jemand widersteht der Versuchung, das Fenster doch kurz einen Spalt breit zum Durchatmen zu öffnen, obwohl schon die Ordner auf dem Gelände unterwegs sind. Auch die Kfz-Kennzeichen der anderen würden prima auf die nächste Autobahn passen: DÜW, SÜW, NW, HD, KA, GER, FT und WO.

40 bis 50 Minuten vor Filmstart soll man aber schon da sein, damit es keinen Stress gibt. Na gut, füllen wir eben noch schnell das süß-salzige Tütenpopcorn in die Tupperschüssel. In der Hitze des geschlossenen Autos riecht das so angewärmte Zeug fast wie frisch von der Kinotheke. Jetzt die Chipstüten auf. Ups. Mist! War ja klar: Morgen wird der Autostaubsauger mal wieder zum Einsatz kommen.

Auf der 80-Quadratmeter-Leinwand sind derweil die Regeln zu lesen. Keinen Müll rauswerfen, den Ordnern Folge leisten, zum Klo nur allein. Und wem von der Autoradio-Benutzung für den Filmton später die Batterie abschmiert, der muss einfach nur die Motorhaube als sichtbares Zeichen öffnen, und ein Ordner eilt zum Überbrücken zu Hilfe. Elektrische Kontakte sind ja erlaubt!

Ein vorsichtiger Blick nach nebenan: Ein Herr putzt seiner Liebsten mit einem Taschentuch die Windschutzscheibe streifenfrei. Dann hängt er ein kleines Handtuch vor seine Seitenscheibe, als Schutz vor der Sonne. Oder vor neugierigen Blicken? Na ja, egal, dann kann ich auch die Füße aufs Armaturenbrett legen. Und meinen Kopf samt dem, was sich vor zwei Monaten noch Frisur nannte, auf das kleine Reise-Kissen betten. Königlich! Noch immer 20 Minuten Warten. „Kennt ihr eigentlich die Vorschau?“ Schnell noch übers Handy den Trailer gegoogelt. „Ach, der Film ist das!“, ruft der Sohn. Eigentlich hatte er ihn mit Freunden sehen wollen. Nun eben „Käfighaltung“ mit den Eltern.

Jetzt geht's aber los: Die Radiofrequenz wird angezeigt. Spannung. Doch es funktioniert! Ohne Werbeblock nimmt Punkt 17.30 Uhr „Der Spion von nebenan“ seine Arbeit auf. Und trotz Sonne ist das LED-Bild fast so scharf wie auf dem Fernseher daheim. Statt des obligatorischen zu großen Vordermanns hat unser Sohn, der sich die Rückbank auch noch mit der großen Picknicktasche teilen muss, ein anderes Sichtproblem: „Papa, kannst du wenigstens bitte noch die tausend Anhänger da an deinem Rückspiegel wegmachen?“

Auf der Leinwand die klassische Agenten-Plutonium-Action-Szenerie aus Hollywood – und ein dicker schwarzer Balken unten links: Teilausfall der Leinwand, Hektik bei den Technikleuten. Wie echte Agenten erklimmen gleich mehrere das Leinwand-Gerüst und ziehen Kabel. Zehn Minuten, und die Kleinigkeit ist behoben. Stört alles keinen - endlich mal wieder Action, im Film und live!

Das große „C-Wort“ ist wirklich eine Zeitlang vergessen

Und muss man nicht im Kino das blöde Handy ausmachen? Nö. Nicht im Autokino. Ich beantworte frech die Whatsapp einer Freundin: Was ich mache? Bin im Kino. Ja, wirklich! Hehe. Doch wer sitzt dann noch alles unerkannt in den ganzen Blechkisten hier? Gebe spontan auf Facebook ein: „Wer ist auch im Autokino Haßloch?“ Nichts tut sich. Dann wird der Messenger genutzt. Giorgina Kazungu-Haß, SPD-Landtagsabgeordnete, meldet sich aus ihrer „Familienkutsche“ mit Mann und den drei jüngsten Söhnen in Reihe drei: „Riesenrespekt, wie so überall versucht wird weiterzumachen“ und „uneingeschränkte Sicht“ vermeldet die Familie.

Am Parkplatzrand steht eine saubere WC-Anlage mit Waschbecken und Desinfektionsmittel. Mehrere Ordner schauen auch hier, ob man wirklich zum „stillen Örtchen“ geht oder sinnlos spazieren läuft. Bei den Filmpointen hört man aus den Autos befreites Lachen. Der halbe Parkplatz ist gefüllt, laut Sascha Veth vom Betreiberteam wurden für den Abend sogar alle 200 Onlinetickets gebucht. Und das Beste: das große „C-Wort“ ist wirklich eine Zeitlang vergessen.

Noch Fragen?

Das weitere Programm (geplant für die Dauer der coronabedingten Beschränkungen) ist unter www.popup-autokino.de zu finden. Tickets sind nur dort erhältlich.

... und auch mit irgendwelchen Hünen auf dem Sitz vor einem muss man sich nicht rumplagen. Die Sicht ist gut.
... und auch mit irgendwelchen Hünen auf dem Sitz vor einem muss man sich nicht rumplagen. Die Sicht ist gut.
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