Interview
Neustadts Wasserball-Coach Preuß über warmes Wasser und das Auswärtsvirus
Herr, Preuß, nach dem klaren Erfolg vor zwei Wochen gegen München sollte das Halbfinale fest gebucht sein. Wie beurteilen Sie die Chancen?
Wir dürfen nicht hochnäsig werden. Hendrik Hummel wird am Wochenende voraussichtlich nach seinem Fingerbruch wieder spielen. Als Ersatz steht Kristof Meszaros bereit. Wir rechnen schon mit einem Sieg, aber das könnte sich durch fehlende Spieler wegen Krankheit und manche Schiedsrichterentscheidungen auch schnell ändern.
In der laufenden Zweitliga-Runde stehen noch fünf Auswärtsspiele im Kalender. Ziel des SCN ist Platz eins. Sehen Sie einen ernsthaften Konkurrenten in der Zweiten Liga Süd?
Nein, eher nicht. Vielleicht haben wir mal Probleme, wenn wir auswärts bei wärmeren Wassertemperaturen spielen müssen – nein, das war ein Scherz. Es gibt aber kleine Stellschrauben, die ein Spiel verändern: die weite Anreise, die Stimmung im gegnerischen Hallenbad, die Pfiffe der Schiris. Das alles kann ein Spiel in die andere Richtung drehen. Das ist wie ein Virus, das auf die Mitspieler überspringt, die dann unterirdisch spielen. Ich hoffe, dass wir gegen dieses Auswärtsvirus immun sind.
Ihr Team besteht aus einer Mischung von Routiniers wie Kapitän Matthias Held und Exnationalspieler Timo van der Bosch, Tim Hornuf, eigenen Nachwuchskräften sowie Zugängen aus Spanien und Ägypten. Wie haben sich die jungen Spieler dabei entwickelt?
Sie haben sich gut entwickelt, hören auf die Tipps der erfahrenen Spieler. Im Training herrscht eher ein ruhiger, normaler Ton. Im Spiel kann es mal auch rau und ruppig sein, das muss man wegstecken. Denn dann ist keine Zeit für nette, ruhige Worte. Die weitere Entwicklung braucht auch Zeit, bis alte Gewohnheiten aufgebrochen und neue sich eingeschliffen haben.
Ein klar formuliertes Saisonziel des SCN ist der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse. Die Wasserball-Bundesliga ist zweigeteilt in A- und B-Gruppe. In der B-Gruppe spielen jeweils die schwächeren Teams. Ein Übergang zur A-Gruppe ist mit Relegationsspielen möglich. Wäre der Kader des SCN bereits tauglich für die B-Gruppe?
Wir könnten mithalten, zumindest in der zweiten Hälfte der B-Gruppe. Konditionell sind wir gut aufgestellt. Was uns noch fehlt, sind viele Elemente im taktischen Bereich. Dazu müssten wir auf Turniere gehen und viele Trainingsspiele absolvieren, um die Spielvarianten zu schulen. Je höher man spielt, desto schneller muss man reagieren. Kleinste Unachtsamkeiten werden schnell bestraft. Die ständig veränderten Situationen müssen schnell erkannt und umgesetzt werden. Und zwar von allen im Team und nicht nur von einem Spieler. Das ist die große Kunst. Also müssen wir üben, üben, üben.
Interview: Heike Klein
Termin: Pokalviertelfinale
Im Viertelfinale um den süddeutschen Wasserball-Pokal gastiert die Mannschaft der SG Stadtwerke München am Samstag um 18 Uhr im Moby Dick. Der SCN hat den Zweitliga-Konkurrenten München in dieser Saison bereits in zwei Begegnungen der Zweiten Liga besiegt. Das Hinspiel in München gewann Neustadt mit 11:10. Im Stadionbad folgte Mitte März ein 18:3-Erfolg.