Neustadt
Nächste Hürde für Rundwanderweg durch Innenstadt genommen
Das Gelände am Speyerbach im Schöntal ist an so mancher Stelle unwegsam. Noch fühlt es sich ein bisschen an wie bei einer Expedition als Kind, von der die Eltern besser nichts wissen sollten. Einer, der vor seinem inneren Auge sieht, wie es dort einmal aussehen könnte, ist Norbert Schied. Der Vorsitzende des Innenstadtbeirats (ISB) hofft, dass das Gelände zwischen dem Fuß der Wolfsburg und der B39 so hergerichtet wird, dass es in den geplanten Rundwanderweg aufgenommen wird – neben dem hoffentlich wieder zum Leben erweckten Naturpark Schöntal und der alten Axtwurfanlage.
Rund elf Kilometer lang soll der Weg sein. Wanderer können markante Punkte in und oberhalb der Innenstadt anlaufen, etwa die Wallgasse, die Hauberanlage und die Welsch-Terrasse. Die Strecke wäre eine ideale Ergänzung zur Landesgartenschau 2026, sollte Neustadt den Zuschlag bekommen. Darin sind sich der ISB, die Stadtverwaltung und die Tourist, Kongress und Saalbau GmbH (TKS) einig. Die TKS ist dafür zuständig, einen ersten Weg umzusetzen und ihn digital zu erfassen.
Losgelöst von Besucherlenkungskonzept
Schied ist guter Dinge, dass die Hauptstrecke nächstes Jahr eröffnet werden kann. Sie soll im Lauf der Zeit um weitere Schleifen ergänzt werden. Der Naturpark Schöntal oder das Areal um den Speyerbach-Steg wären solche Schleifen. „Der Rundwanderweg ist wie ein Ikea-Bausatz, bei dem manche Komponenten erst noch geliefert werden müssen“, fasst es TKS-Geschäftsführer Martin Franck zusammen.
Zunächst war noch unklar, ob der Weg überhaupt so schnell realisiert werden kann, Stichwort Besucherlenkungskonzept. Dieses sieht vor, die Anzahl der ausgeschilderten und gepflegten Wanderwege im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zu reduzieren. Schied gibt am Freitag Entwarnung: Er wurde kürzlich darüber informiert, dass der Rundwanderweg unabhängig vom Besucherlenkungskonzept entstehen kann. Die Planer müssen also nicht warten, bis das Konzept vorliegt.
Geschichte wieder lebendig machen
Mit dem Weg könne Geschichte wieder lebendig gemacht werden, so Schied. Bei einem Rundgang am Dienstag mit Klaus Hünerfauth von der städtischen Umweltabteilung habe dieser viel Wissenswertes über die Historie der Axtwurfanlage und der Königsmühle berichtet. Auch sie sollen in den Weg integriert werden. Spezielle Informationsschilder sind übrigens nicht angedacht, so Schied: „Wir wollen uns bezüglich der Beschilderung auf das Wesentliche beschränken. Zusätzliche Infos sollen aber über eine App an der entsprechenden Stelle abgerufen werden können.“ Als Nächstes soll ein genauer Plan für den Rundwanderweg erstellt werden. Ist dieser von den Projektverantwortlichen abgesegnet, wird er den städtischen Gremien vorgelegt.
Auch die Idee einer Hängebrücke unter der Eisenbahnbrücke wurde schon geäußert, berichtet Schied. Wem das zu wackelig ist, der könne das Brückenwerk auch auf dem schmalen Fußweg direkt am Ufer unterqueren. „Das ist dann natürlich nur etwas für Abenteurer“, so Schied. Von dort soll es über das Gelände der alten Papierfabrik Hoffmann & Engelmann weitergehen, das Schied als „Rosinchen des Weges“ bezeichnet. Inhaber des Geländes ist Wolfgang Kochanek. Er steht hinter dem Projekt, wie er selbst sagt. In Absprache mit den Wasserbehörden habe er jedoch bereits die Rückmeldung bekommen, dass eine Hängebrücke wegen einer möglichen Gefahr bei Starkregen nicht machbar sei.
Schleife über alte Papierfabrik
Ein Thema bleibt auch die Renaturierung: Die Europäische Union schreibt vor, dass bis spätestens 2027 alle Gewässer in einem guten ökologischen und chemischen Zustand sein müssen. Im Blick hat die Stadt, die auf große Fördersummen der EU hoffen kann, deshalb auch den Speyerbach im Schöntal, so Franck: „Ein renaturierter Bachlauf würde den Innenstadt-Rundwanderweg ohne Zweifel touristisch aufwerten.“ Wie in diesem Zusammenhang das alte Wehr umgebaut werden kann, darüber ist Grundstücksbesitzer Kochanek nach eigenen Angaben im Gespräch mit dem Nachbarn.
Er hätte kein Problem damit, einen Teil des Geländes für den Rundwanderweg herzugeben: „Dieser Zipfel meines Grundstücks ist für mich wirtschaftlich betrachtet uninteressant. Da könnte man durchaus was Schönes realisieren: verrückte Pflanzen statt Farbeimer.“ Denn immer wieder werfen dort Menschen ganze Berge von Müll hin. „Ich wäre sofort dabei und buddele auch gerne auf eigene Kosten dort herum.“ Derweil ist Schied überzeugt: „Wenn so viele Leute hinter dem Projekt stehen, kann es nur gut werden.“