Hassloch / Neustadt
Leichtathletik: Zwei Pfalztitel für Lars Urich
Lars Urich liebt die technischen Disziplinen in der Leichtathletik, momentan ist er auf Stabhochsprung und Dreisprung fixiert. Bei den Pfalzmeisterschaften am Sonntag in der Leichtathletikhalle Ludwigshafen meisterte er die flachen Sprünge und die Höhenflüge bravourös, obwohl er nur ein Paar Schuhe eingepackt hatte.
Der 15-jährige Athlet des LC Haßloch sprang mit 3,60 Meter im Stabhochsprung Vereinsrekord und holte konkurrenzlos den Titel. Erneut waren die Meisterschaften „dünn“ besetzt. Corona, eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten und ein aufwendiges Trainings- und Anreiseprozedere sorgten für ein kompliziertes Leichtathletikjahr 2021. Ob es 2022 besser wird, muss sich zeigen. Die Wettkämpfe in Ludwigshafen am vergangenen Wochenende und an den zwei kommenden Wochenenden – unter anderem mit Rheinland-Pfalz-Meisterschaften und Kinderleichtathletik-Pfalzmeisterschaften – rücken in den Fokus, obwohl die Sportart ihren Schwerpunkt im Freien hat.
Konsequente Weiterentwicklung
Für Urich jedenfalls geht es in diesem Jahr um eine konsequente Weiterentwicklung. Er fährt zum Stabhochsprung-Training nach Zweibrücken. Beim LAZ herrschen beste Bedingungen für Höhenflieger, denn dort ist Nachwuchsbundestrainer Alexander Gakstädter beheimatet. Dazu kommen Trainingseinheiten in Ludwigshafen und Haßloch. Das Programm fruchtet. Am Sonntag verbesserte Urich seine bisherige Bestleistung um gleich 60 Zentimeter. Schrittweise wurde nach dem Einstieg bei 3,10 Meter die Latte um zehn Zentimeter höher gelegt. Erst bei 3,70 Metern scheiterte er dreimal. „Ich hatte am Schluss keine Kraft mehr, denn ich bin ja früh eingestiegen“, erklärt Urich.
Urich liebt den komplizierten Bewegungsablauf beim Sprung – egal ob Stabhochsprung oder Dreisprung. „Beides sind sehr technische Disziplinen. Körperbeherrschung und Bauchmuskeln sind gefragt. Der Schwung aus dem Anlauf muss bei beiden Sprungarten für das Endergebnis mitgenommen werden“, betont er. Im Dreisprung kam er so zu einer beeindruckenden Serie von sechs gültigen Sprüngen zwischen 11,64 und 12,07 Metern. Auch hier gab es den Titel ohne Mitkonkurrenten.
Ein Paar Schuhe vergessen
Dabei musste er vor dem Dreisprung feststellen: „Mist, ich hab meine Schuhe vergessen und nur die Schuhe für den Stabhochsprung eingepackt.“ Die Schuhe unterscheiden sich in der Breite an der Fußspitze. Die Dreisprung-Spikes sind vorne etwas breiter, bieten so eine bessere Basis zum Abrollen. Dass Urich schließlich dennoch sicher in den Wettkampf gefunden hat, machte er an seinen geringeren Erwartungen fest. „Ich habe Dreisprung in den letzten Wochen kaum trainiert, da habe ich mir sowieso nicht so viel ausgerechnet“, so Urich. Doch er blieb nur wenige Zentimeter unter seiner Freiluftbestleistung. „Der Anlauf hat gut gepasst, ich hab jeweils sogar einige Zentimeter verschenkt beim Absprung“, beobachtete er.
Tief durchgeatmet hat Trainer Lothar Spilke (TV Gimmeldingen). „Endlich wieder ein Wettkampf für die Athleten. Sie mussten in den letzten beiden Jahren so oft auf das Kräftemessen mit anderen verzichten. Immer nur Training ist auf die Dauer schwierig für die Motivation“, betont er. Dabei musste er feststellen, dass Corona bereits Spuren in der Leistungsdichte hinterlassen hat. Die kleinen Starterfelder führten dazu, dass es relativ leicht war, in die Endkämpfe und Finalläufe zu kommen. Doch zunächst lobte er das große Engagement der Verantwortlichen. Spilke: „Wir sind sehr froh, dass die Veranstaltungen stattfinden, auch wenn es für die Eltern der jüngeren Athleten schade ist, dass keine Zuschauer erlaubt sind.“
Starke TSG-Starter
Marvin Kastl, bislang von Spilke überwiegend auf Zehnkampf trainiert, wird in diesem Jahr seinen Abschied nehmen. Spilke: „Daher haben wir ausgemacht, dass wir uns in 2022 auf den Hürdensprint konzentrieren.“ Trotz eines schlechten Starts bei den Pfalzmeisterschaften und Platz zwei in 8,80 Sekunden über 60 Meter Hürden ist Spilke zuversichtlich, dass Kastl sein Potenzial bei den kommenden Starts noch besser abrufen wird. Spilke: „Er war trotz des verpennten Starts nicht weit von seiner Bestzeit von 8,69 Sekunden entfernt.“
Der Trainer freute sich über Gina Felden und Franziska Böger. Sie liefen die Norm für die Süddeutschen Meisterschaften über 60 Meter und belegten im Sprintfinale die Plätze drei (Böger) und fünf (Felden). Für die TSG holte Mike Adams zweimal Silber im Dreisprung (Männer) mit 11,19 Metern sowie im Weitsprung mit 5,51 Metern. Sophie Schmitt siegte bei den Frauen im Dreisprung mit 8,52 Metern. Bronze gab es für Till Saßmann (U18, TSG Neustadt) im Sprint, außerdem holte er Rang vier über 200 Meter. Im Weitsprung startete ein TSG-Trio mit Nico Engel (5,41 Meter, Silber), Patrick Frey (5,23 Meter, Bronze) sowie Finn Kirchberg (4,74 Meter, Vierter). Engel zeigte eine starke Serie mit sechs gültigen Sprüngen jeweils über fünf Meter. Er fehlten sieben Zentimeter auf Sieger Liam Burkart.