Hassloch
Handball: Pfalzliga-Frauen der TSG Haßloch wollen aufsteigen
Das Training der Haßlocher Handballerinnen beginnt mit Badminton. TSG-Trainer Peter Motz verteilt Schläger und Federbälle und lässt seine Schützlinge paarweise spielen. Dabei wird viel geplaudert. „Die müssen sich am Anfang austauschen“, betont der Coach schmunzelnd. „Wenn ich mich da einschalte, gibt’s böse Blicke.“
Das ist aber nicht der einzige Grund. Motz legt Wert auf Abwechslung. „Die Mädels spielen auch gerne Fußball. Und mindestens einmal im Jahr machen wir eine Yogastunde.“ Er habe auch schon jemand anderes das Training übernehmen lassen. Einmal sei es zum Beispiel Robin Eisel gewesen, Spieler des Drittligisten HLZ Hochdorf-Friesenheim, der eine Übungseinheit geleitet habe. Motz: „Abwechslung halt.“ Rückraumspielerin Marlena Schilling, sie ist vor einem Jahr von der HSG St. Leon-Reilingen nach Haßloch gekommen, betont, dass „wir vielfältig trainieren“. Zweimal pro Woche in der Halle, einmal im Studio plus ein Spiel, „das ist professionell“.
Lange Spielpause
Die Handballerinnen der TSG Haßloch hingen in einer scheinbar endlos langen Warteschleife: Die Runde 2019/2020 hat der Pfalzligist auf Platz zwei beendet – mit Lust auf mehr. Der in der Saison 2020/2021 angepeilten Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Oberliga kam die Corona-Pandemie in der Quere. Nach einer vier Monate langen Vorbereitung wurde vor einem Jahr in der Woche vor dem Rundenbeginn der Saisonstart zunächst aus-, später die Runde ganz abgesetzt. Inzwischen bereitet sich die Mannschaft von Trainer Peter Motz seit 12. Juli auf die am 24. Oktober beginnende Pfalzliga-Runde vor. Im Team gibt es einige personelle Veränderungen. Sein Ziel hat es in den langen Zwangspause aber nie aus den Augen verloren.
Peter Wingerter ist inzwischen Sportlicher Leiter, nicht mehr Cotrainer. Er ist stolz darauf, dass trotz der Pandemie die Anzahl der Sponsoren von 26 vor Corona auf nun 28 gestiegen ist. „Da sind auch welche aus Kusel, Siegen und Homburg“, betont er.
Eigener Laufwettbewerb
Auch die Haßlocherinnen selbst waren nicht untätig, als coronabedingt alle Sporthallen geschlossen waren. „Die Mädels sind alle jung und fit. Da brauche ich mir keine Sorgen zu machen“, erzählt Peter Motz. „Die hatten selbst eine Laufchallenge organisiert.“ Da hätten einige richtig viele Kilometer „heruntergerissen“.
Wie fit die Gegner in der Liga sind, das weiß indes niemand. „Wir haben unsere Testspiel gegen badische Teams oder gegen Oberligisten absolviert“, sagt der Coach. „Wir sind sehr ambitioniert. Es wird sich aber nichts daran ändern, dass uns andere in die Suppe spucken wollen.“
Fluktuation im Kader
Einige Spielerinnen haben die TSG verlassen. Joanna Klein (Rückraum Mitte) ist zum TV Edigheim gewechselt. Leonie Schneider sei „leider“ studienbedingt nach Ulm gezogen. Motz: „Sie hat halblinks gespielt, hat einen super Wurf.“ Rückraum-Mitte-Spielerin Diana Laubender ist inzwischen in Hannover, ebenfalls wegen des Studiums. Auf der gleichen Position hat Lea Gärtner agiert. Sie ist nun beim Ligakonkurrenten TuS Heiligenstein. Obwohl fast der gesamten Rückraum weg ist, plagen Motz keine Sorgen: „Wir haben alles gut kompensiert.“
Marlena Schilling ist wie Torfrau Antje Wilde (vorher VTV Mundenheim) seit über einem Jahr in Haßloch. Beide haben aber noch kein Pflichtspiel für die TSG absolviert. Für die Rückraum-Mitte „haben wir jemanden gesucht und gefunden“, erzählt Motz zufrieden. Lucie Krein ist vom Oberligisten SV Zweibrücken nach Haßloch gewechselt. „Sie war in der Oberliga unter den Top fünf in der Torjägerliste“, berichtet der Haßlocher Coach. „Es ist ungewöhnlich für solch eine Spielerin, in die Pfalzliga zu wechseln.“ Seine Tochter kenne Krein, „da sind wir recht schnell aktiv geworden und haben ihr unsere Ambitionen erklärt“. Lucie Krein ist die Freundin von Robin Eisel, der beim Drittligisten HLZ Friesenheim-Hochdorf unter Vertrag ist.
Zwei Schwestern
Und dann ist noch Polizistin Lea Fleschenberg nach Neustadt versetzt worden. Die Rückraumspielerin hat erst ein paar Mal lose mittrainiert, hatte vorher verletzungsbedingt nichts gemacht. Sie kommt vom TuS Weibern.
Rechtsaußen Flora Schilling ist ihrer „großen“ Schwester Marlena gefolgt. Motz weiß: „Die beiden wollten unbedingt mal in einer Mannschaft spielen.“ Marlena Schilling erzählt: „Flora wohnt in Kandel. Ich komme aus Worms. Unser Papa freut sich, der wird zu jedem Spiel in der Halle sein.“
Möglicherweise wird es in der neuen Saison ruhiger bei einem TSG-Spiel zugehen. Peter Motz erzählt über sich selbst, dass er während eines Spiels nicht mehr so viel hineinrufe. „Das war mein Wunsch. Und das hängt auch mit der Qualität der Spielerinnen zusammen.“
Kein Harz erlaubt
Aber selbst eine erfahrene Handballerin wie Lucie Krein hat dann plötzlich mit einem Problem in der Pfalzliga zu kämpfen. „Ohne Harz zu spielen, das ist ein ganz anderes Spiel“, sagt sie. Mit dem Klebemittel an den Händen und am Ball „kannst du den Ball besser kontrollieren und viel fester spielen“. Marlena Schilling indes muss schmunzeln, kennt sie doch einen Vorteil des harzlosen Spiels. „Da kannst du dir zwischendurch mal die Haare machen“, sagt sie und zupft sich ihren Pferdeschwanz zurecht. Der Pfälzer Handball-Verband hat ein Harzverbot in seinen Ligen ausgesprochen. Bis einschließlich Pfalzliga müssen die Teams ohne Klebemittel auskommen.
In einer Zwölfer-Staffel spielen die Pfalzligisten im Modus jeder gegen jeden. Nur der Meister tritt dann in der Aufstiegsrunde gegen die Landesmeister aus dem Saarland, dem Rheinland und Rheinhessen an. „Wir sind schon als Titelfavorit zu sehen. Wir stehen unter Druck – das macht mich ein bisschen nervös“, gesteht Marlena Schilling. Lucie Krein sieht das lockerer: „Wenn ich unser Niveau im Training sehe, mache ich mir keine Gedanken.“ Und sie fügt lachend hinzu: „Ich hoffe mal, dass wir in der Saison danach harzen können.“ Die Frauen der TSG Haßloch scheinen endlich ihrer endlos langen Warteschleife zu entkommen.
Termine
Handball-Pfalzliga der Frauen: Lingenfeld/Schwegenheim - TSG Haßloch (24. Oktober, 18 Uhr); TSG Haßloch - HSG Mutterstadt/Ruchheim (31. Oktober, 15 Uhr); HSG Dudenhofen/Schifferstadt - TSG Haßloch (7. November, 16 Uhr); TSG Haßloch - FSG Neuhofen/Waldsee (14. November, 15 Uhr); HR Göllheim/Eisenberg/Asselheim/Kindenheim - TSG (21. November, 16 Uhr); TSG - SG Lambsheim/Frankenthal (28. November, 15 Uhr); HSG Landau/Land - TSG (5. Dezember, 16 Uhr); FSG Hauenstein/Rodalben - TSG (11. Dezember, 18 Uhr); TSG - TuS Heiligenstein (18. Dezember, 15 Uhr).