Neustadt
Überraschende Entdeckung bei Kampfmittelerkundung am Jahnplatz
Geschätzt 500 neue Einwohner könnte Lachen-Speyerdorf zählen, wenn das Baugebiet am Jahnplatz abgeschlossen ist. In die Erschließung investiert die Gerst Massivbau GmbH über zwölf Millionen Euro. Das Bodenmanagement läuft, der Erschließungsvertrag mit der Stadt ist in Arbeit. Vor allem gefragt ist derzeit aber die Firma Provisys aus der Nähe von Karlsruhe. Sie ist auf Kampfmittelerkundung spezialisiert.
Mögliche Altlasten waren es, die vor Jahren dafür sorgten, dass die VR Bank Südpfalz als Investor abgesprungen war. Es folgte eine europaweite Ausschreibung, einzige Bewerberin war die Firma Gerst, die vom Stadtrat den Zuschlag erhielt. Es folgten die Debatte um den Bebauungsplan einschließlich Klage des Bunds für Umwelt und Naturschutz. Ein Dreh- und Angelpunkt waren die gut 50 Jahre alten Linden, von denen elf durch Gerst gefällt wurden. Letztlich zu Recht, wie das Oberverwaltungsgericht entschied.
Gerst: Bäume werden geschützt
Drei Lindenbäume stehen noch, und zwar dort, wo später einmal ein Spielplatz gebaut werden soll. „Wir schützen die Bäume während der Bauphase“, sagt Ralf Uhl, Geschäftsführer von Gerst Massivbau. Gestartet werden konnte, als der Stadtrat dem Bodenmanagement zugestimmt hatte. Der unbelastete Aushub aus dem rund 50.000 Quadratmeter großen Areal aus Parkplatz und alten Sportanlagen wird beim Hambacher Weg zwischengelagert.
Zunächst aber ist vor allem die Firma Provisys gefragt. Sie arbeitet im Auftrag der Stadt. Für rund 80.000 Euro untersucht sie, wie stark das Gelände mit Altlasten durchsetzt ist, besser gesagt, mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg. Dafür hatte der Stadtrat Anfang Juni den Auftrag erteilt.
Viele Merkwürdigkeiten
Dieser Auftrag ist trickreich. Eine vorgeschaltete Untersuchung hatte eine „Vielzahl von Anomalien“ ergeben, sprich: Die Detektoren reagierten auf Metall in irgendeiner Form, wie es Thomas Baldermann, Leiter der städtischen Umweltabteilung, übersetzt. Was ein Nagel sein kann, aber eben auch ein Weltkriegsrelikt. Rund 1500 Anomalien im Boden waren es insgesamt. Knapp 1000 davon befinden sich an den Rändern, der Rest – laut Experten überraschend – einzeln verteilt im Inneren des Gebiets.
Vor allem die Ränder waren nach 1945 großflächig aufgefüllt worden. Dazu wurde alles verwendet, was zu haben war, gerne auch mit Metall durchsetzter Bauschutt. Daher geht die Umweltabteilung davon aus, dass diese Ränder eher unproblematisch sind, wenn es um Kampfmittel geht. Spannender ist aus ihrer Sicht der innere Bereich. Denn er wird laut Baldermann auch von der beauftragten Firma kritischer gesehen. Sie rät dazu, die 640 Einzelfundstellen aufzuschürfen und dabei einen sprenggeschützten Mobilbagger einzusetzen.
Schon entsorgt
Indes sind solche Arbeiten immer für eine Überraschung gut: Ende vergangener Woche wurde am Rand zum Kreisel hin eine kleine Granate gefunden, ohne Sprengstoff, aber mit noch aktivem Zünder. Der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz hat sie bereits begutachtet und mitgenommen.
Das könnte die Sache nun komplizierter machen: Denn wegen des Funds könnten Randbereiche von eher unproblematischen Verdachtsflächen zu Räumflächen mutieren, weil noch mehr Kampfmittel vergraben sein könnten, wie Baldermann erläutert. Die Folge: Nicht nur bei den Einzelstellen müssten zusätzlich Kampfmittelräum-Experten und ein sicherer Mobilbagger eingesetzt werden, sondern auch dort, wo großflächig mit Schutt aufgefüllt worden war. Ob das wirklich notwendig ist oder ob es sich bei der kleinen Granate um einen Einzelfall handelte, soll jetzt in einem Ortstermin mit dem Kampfmittelräumdienst geklärt werden.
Start mit WBG-Häusern
Gerst-Geschäftsführer Ralf Uhl ist mit der Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sehr zufrieden. Er geht davon aus, nächste Woche mit dem Bau der Häuser für die städtische Wohnungsbaugesellschaft starten zu können. Das dafür vorgesehene Grundstück sei kampfmittelfrei, der eingereichte Bauantrag kurz vor der Genehmigung.
Zudem wird die Massivbau Mehrfamilien- und Kettenhäuser errichten, hinzu kommen Grundstücke für Einfamilienhäuser. „Wir können uns auch vorstellen, für die Stadt die nahe des Kreisels geplante Kindertagesstätte zu bauen“, sagt Uhl. Mit dem Abschluss der Erschließungsarbeiten rechnet er im Sommer 2021. Das Trafo-Häuschen sei geplant, ebenso das Blockheizkraftwerk. Dazu liefen die Gespräche mit den Stadtwerken.
Kommentar: Mulmiges Gefühl
Immer wieder halten Kampfmittel aus dem Weltkrieg die Bürger in Atem. Das Jahnplatz-Areal ist dafür ein gutes Beispiel.
An den Rändern des Baugebiets Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf verliefen früher Wege und waren die Sportanlagen beheimatet. Experten waren davon ausgegangen, dass dort zwar nach dem Krieg aufgefüllt worden war, aber mit eher kampfmittelfreiem Material. Jetzt wurden sie eines Besseren belehrt: Unweit der früheren Sprunggrube verbarg sich eine kleine Granate im Boden. Sie war zwar quasi leer, hatte aber noch einen aktiven Zünder. Der Fund hinterlässt ein leicht mulmiges Gefühl. Steckt noch mehr im Boden, und hatten die Sportler und Nachbarn über Jahrzehnte einfach Glück, dass nichts passiert ist? Egal, wie man zu dem Bauprojekt stehen mag: Gut, dass die fünf Hektar große Fläche nun saniert wird.