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Samstag, 13. Januar 2018 Drucken

Haßloch

Zeitreise zu den frühesten Bauern

HASSLOCH: Vor zehn Jahren haben Archäologen damit begonnen, eine Siedlung der Linienbandkeramik zu erforschen, die vor etwa 7000 Jahren im Bereich der Weisengasse bestanden hat. Neben Pfeilspitzen und Scherben von Tongefäßen waren vor allem zwei Skelette spektakuläre Funde. Am 22. Januar referieren zwei Experten im K 4 über die Ausgrabungen.

Von Hildegard Janssen-Müller

Spektakulärer Fund der Archäologen 2012 in Haßloch: ein Kinderskelett aus der Jungsteinzeit.

Spektakulärer Fund der Archäologen 2012 in Haßloch: ein Kinderskelett aus der Jungsteinzeit. ( Foto: archiv )

2008 hat das Heidelberger Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie mit den Grabungen am östlichen Ortsrand begonnen. In Zusammenarbeit mit der Außenstelle Speyer der Landesarchäologie und unterstützt von der Gemeinde Haßloch wird eine ausgedehnte Siedlung der jungsteinzeitlichen Kultur der Linienbandkeramik (etwa 5400 bis 5000 v. Chr.) systematisch erforscht. Die dabei freigelegten Haus- und Siedlungsstrukturen haben Haßloch zu einem der wichtigsten Orte der frühneolithischen Siedlungsforschung im Südwesten Deutschlands gemacht.

Entdeckt wurde die steinzeitliche Siedlung aus der Zeit der Bandkeramik in den 1990er-Jahren mithilfe von Luftbildern, auf denen sich Hausgrundrisse als Bewuchsspuren im Getreide abzeichneten. 2002 hatte unter der Leitung von Andrea Zeeb-Lanz von der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Speyer, die erste Grabung stattgefunden. Dabei wurden die Standorte von drei für die Steinzeit typischen Langhäusern entdeckt, die nach Nord-Westen ausgerichtet sind. Zwar sind die Baumaterialien – Holz und Lehm – im Lauf von tausenden von Jahren zerstört worden. Auf Aufnahmen gut sichtbar sind aber beispielsweise immer noch die Löcher, in denen die Holzpfosten der Häuser standen. Dass es weitere Langhäuser gegeben hat, bestätigten spätere Grabungen. Wie groß die damalige Siedlung insgesamt war und wie viele Menschen in ihr gelebt haben, ist aber noch unklar.

Seit 2008 kommt nahezu jährlich ein studentisches Grabungsteam unter der Leitung von Carsten Casselmann nach Haßloch und nutzt die Zeit vor dem Beginn des Sommersemesters, um im Bereich der Weisengasse nahe der Kindertagesstätte „Kleine Freunde“ nach Befunden aus der linienbandkeramischen Kultur zu graben.

Die Archäologen haben unter anderem Reste von Gebrauchsgegenständen freigelegt, die damals benutzt wurden, darunter Feuersteinklingen, Pfeilspitzen und Scherben von Tongefäßen mit den eingeritzten Bändern, die der Linienbandkeramik ihren Namen gaben.

Bereits im März 2012 war ein Kinderskelett zu Tage gekommen. 2017 sorgte ein weiterer Skelettfund für großes Aufsehen. Der etwa 1,80 Meter große Tote war in sogenannter Hockstellung begraben worden. Die Experten sind sicher, dass das Skelett tatsächlich aus der Zeit der linienbandkeramischen Kultur stammt. Das Grab lag von etwa 5000 vor Christus bis zum vergangenen Jahr unverändert an dieser Stelle, an der es jetzt gefunden wurde. Er gehörte damit zu den ersten Menschen in der Geschichte Europas, die sesshaft wurden, die Ackerbau und Viehzucht betrieben und Häuser bauten.

Da nun seit zehn Jahren archäologische Grabungen in Haßloch stattfinden, hatte der neu konstituierte „Arbeitskreis Kunst“ die Idee, im Rahmen eines Vortrags die bisherige Arbeit zu beleuchten und interessierten Zuhörern einen Einblick zu ermöglichen. Der zuständige Erste Beigeordnete Tobias Meyer (CDU) begrüßte diese Idee. Am Montag, 22. Januar, 18.30 Uhr, referieren Prof. Dr. Joseph Maran und Dr. Carsten Casselmann vom Heidelberger Institut im Haßlocher Kulturviereck unter anderem über diese ersten Bauern Mitteleuropas und präsentieren die Erkenntnisse, die bei den langjährigen Ausgrabungen in der bandkeramischen Siedlung in Haßloch gewonnen wurden.

Joseph Maran ist seit 1996 Direktor des Heidelberger Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Jungsteinzeit und Bronzezeit zwischen Mitteleuropa und dem Ostmittelmeerraum. Neben Ausgrabungen in Deutschland leitet Maran die Forschungen am mykenischen Palastzentrum und UNESCO-Weltkulturerbe Tiryns (Peloponnes, Griechenland). Carsten Casselmann arbeitet seit 1998 am Heidelberger Institut. Seit 2001 ist er vor allem für die Ausbildung der Studierenden in den Bereichen Vermessungskunde und Grabungstechnik zuständig, wozu er seit 2002 Lehrgrabungen veranstaltet. Seit 2008 gehört dazu die derzeitige Institutslehrgrabung in Haßloch im Bereich der Weisengasse südlich des Kindergartens „Kleine Freunde“.

Termin

Der Vortrag findet im Kulturviereck statt und beginnt am Montag, 22. Januar, um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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