Idar-Oberstein
Felsenkirche in Idar-Oberstein wieder zugänglich
Zu Beginn der Arbeiten war lediglich geplant, die Felswand um die Kirche von losem Gestein zu befreien und mit einem Schutznetz zu bedecken, erinnert der Sprecher der Stadt Idar-Oberstein, Michael Brill. Dabei sollte auch der alte Schutzzaun durch eine moderne Schutzeinrichtung ersetzt werden. Doch dann stellte sich heraus, dass der Felsen weitaus maroder war, als im geologischen Gutachten festgestellt.
Bereits im November 2018 begannen erste Sicherungsarbeiten am Fels. Doch mussten sie rasch erheblich ausgeweitet werden. Unter anderem waren zusätzliche Fangzäune und Schutznetze notwendig. Denn es waren schon Felsstücke auf Häuser am Marktplatz unterhalb der Kirche gefallen. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin der Fußweg unterhalb der Felsenkirche gesperrt; die Kirche, die nur über diesen Fußweg erreichbar ist, wurde gesperrt.
Kirche zahlt 20 Prozent
Bauherr über die Felssicherung ist die Stadt. Die Kosten der Gesamtmaßnahe liegen laut Brill bei rund fünf Millionen Euro. Sie verteilen sich zu jeweils 40 Prozent auf das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Idar-Oberstein sowie zu weiteren 20 Prozent auf die Kirchengemeinde.
In mehreren Bauabschnitten war der Fels mit bis zu zwölf Meter langen Stahlankern gesichert worden. Dazu wurden Bohrlöcher im Fels hergestellt und darin die Anker mit einem speziellen, zementgebundenen Ankermörtel verpresst. Anschließend wurde ein Fangnetz aus Stahlgeflecht im Fels verankert, um den Abgang von kleineren Gesteinsausbrüchen zu verhindern. Außerdem musste auch die Spritzbetonschale oberhalb der Felsenkirche mit einem Netzvorhang gesichert werden. Zur Verankerung der Netzvorhänge mussten Felsnägel von mehreren Metern Länge gesetzt werden.
Fallrohre in gleicher Farbe
Der Fels ist jetzt sicher. Inzwischen seien auch die Verputzarbeiten an der Kirchenfassade weitgehend abgeschlossen, die Malerarbeiten hätten begonnen, schildert Brill weiter. Diese sollen Anfang Oktober abgeschlossen sein. Auch die Dachdecker waren tätig, hier fehle nur noch die Befestigung der Fallrohre, die dann auch in der gleichen Farbe wie die Kirche gestrichen werden sollen.
Wie Brill berichtet, werden derzeit auch noch einige beschädigte Lamellen im Kirchturm ausgetauscht. Bis Ende Oktober soll der Rückbau des Gerüstes erfolgt und die Arbeiten somit abgeschlossen sein.
Zugang durch den Stollen
Die Felsenkirche wurde in den Jahren 1482 bis 1484 von Wyrich IV. von Daun-Oberstein erbaut. In das Gotteshaus gelangt man nur durch einen Stollen. Wie aus dem Band 11 der „Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz“ zu lesen ist, verursachte die außergewöhnliche Lage der Kirche gleichzeitig eine schwerwiegende Gefährdung durch Steinschlag: 1742 wurde das gotische Gewölbe zerstört und durch eine Tonnendecke ersetzt. Eine Veränderung des Turmdaches von 1858 gehe ebenfalls auf Beschädigung durch Felsbrocken zurück. Um die zunehmende Zahl der Besucher gefahrlos in die Kirche zu leiten, wurde 1981 ein Tunnel gebohrt, nachdem bereits 1978/79 der Felsen oberhalb der Kirche gesichert werden musste.