Mannheim
Neues Gewerbegebiet: Einzelhandel mit zwei Schwergewichten
Mit dem Stadtteil Franklin entsteht auf ehemaligem amerikanischen Militärgelände ein innovatives Wohngebiet. Die Neubebauung kommt zügig voran, mit aktuell 5000 Menschen lebt dort bereits die Hälfte der erwarteten Bevölkerung. Das Viertel soll auch an die Stadtbahnlinie angeschlossen werden. Die Erschließung der letzten großen Teilfläche „Columbus“, die an die B 38 grenzt, hat begonnen. Auf 25 Hektar sollen hier Flächen für Gewerbetreibende entstehen. Angekündigt sind ein Bauhaus-Baumarkt-Center und ein Segmüller-Möbelhaus.
Aufgrund der Lage an der mit 60.000 Fahrzeugen pro Tag stark befahrenen Bundesstraße gilt das Gelände als kaum geeignet für den Wohnungsbau. Dafür ist es aber umso attraktiver für Gewerbeansiedlungen, etwa großflächigen Einzelhandel. Zumal das Columbus-Areal, das zur B 38 hin bisher völlig abgeriegelt war, nach einem Umbau der heute noch autobahnähnlichen Schnellstraße zu einer „Stadtstraße“ mit Tempo 50 eine direkte Zufahrt in das Gewerbegebiet erhalten wird.
Besonderes Büroquartier
Angrenzend an den Einzelhandel soll mit dem „Hitachi Campus“ ein außergewöhnlich gestaltetes Büroquartier entstehen. Es ist als künftiger Hauptsitz des Unternehmens Hitachi ABB Power Grids Deutschland vorgesehen. Im östlichen Bereich von Columbus an der künftigen Zufahrt in die Fürther Straße sei der Rückbau inzwischen abgeschlossen. Rund 20 große Kasernengebäude seien in dem Areal abgerissen worden, dazu die ehemalige amerikanische High School, berichtet Geschäftsführer Achim Judt von der städtischen Entwicklungsgesellschaft MWSP, die mit der gesamten Konversion beauftragt ist.
Hier präsentiert sich ein Brachgelände mit Bergen von Erde und Schottermaterial, das an anderer Stelle wieder verbaut werden soll. Nachdem der Bebauungsplan für Columbus vom Gemeinderat beschlossen worden sei, könne die Erschließung planmäßig mit dem ersten Bauabschnitt weitergehen, meint Judt. Diese sieht die etwas komplexe Anbindung an die B 38 und den Bau von Straßen und Verkehrsanlagen für die Gewerbeeinheiten vor. Bis zum Frühjahr 2024 soll dies abgeschlossen sein.
Erinnerung an US-Ära
Ein zweiter Bauabschnitt im westlichen Bereich könne erst realisiert werden, wenn die derzeit noch vom Bund genutzten Bestandsgebäude verschwunden seien, sagt Judt. Gemeint sind damit die großen Wohnblocks, in denen einmal amerikanische Soldaten untergebracht waren. „Sieben der Bestandsgebäude gehören noch dem Bund, hier wohnen aktuell Studenten der Bundeswehrakademie. Wir bekommen das Gelände erst, wenn das neue Studentenwohnheim in Neuostheim fertiggestellt ist. Drei weitere Bestandsgebäude gehören bereits der Stadt. Hier sind Asylbewerber untergebracht“, erläutert der MWSP-Chef.
Zur Erinnerung an die amerikanische Ära sollen am östlichen Ende von Columbus zwei Gebäude erhalten bleiben. Eine ehemalige Tankstelle wird zur Schnellladestation für E-Autos umgebaut. In die Flachbauten der ehemaligen „PX“, einem amerikanischen Einkaufszentrum, soll vorübergehend ein Lager des Nationaltheaters einziehen. Ob hier eine kulturelle Nutzung möglich sei, werde derzeit geprüft, sagt Judt.
Ein neuer Stadteingang
Vergleichbar mit dem grünen Gewerbegebiet Taylor auf der anderen Seite der B 38 bei Vogelstang soll auch das neue Gewerbegebiet Columbus einen hohen Grünanteil bekommen. Vorgesehen sind sechs Hektar öffentliche Freiflächen und Parks mit 600 Bäumen. Mit dem „Columbus Pfad“ soll eine attraktive Wegeverbindung für den Fuß- und Radverkehr durch das ganze Quartier führen. Eine neue Fußgänger- und Radbrücke ist als Verbindung über die B 38 nach Taylor geplant, eine zweite Fuß- und Radbrücke soll mit dem Franklin-Steg weiter östlich zum Stadtteil Vogelstang entstehen.
Der Bau der Brücke soll 2023 starten, zusammen mit den ersten Freianlagen. Für die Brücke bei Taylor sind die Planungen angelaufen. Allerdings sorge im Anschluss an beide Brücken die notwendige Überwindung der parallel verlaufenden Stadtbahngleise der Linie 5 für Schwierigkeiten, so Judt. Wie Bürgermeister Ralf Eisenhauer (SPD) ankündigt, wird mit der Entwicklung des Columbus-Quartiers und dem Umbau der B 38 zu einem städtischen Boulevard ein neuer Stadteingang entstehen.