Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Zeigen, dass es uns noch gibt“

Die galerie linde hollinger zeigt Werke von Jürgen Paas, hier „Jukoebox II“ aus dem Jahr 2017.
Die galerie linde hollinger zeigt Werke von Jürgen Paas, hier »Jukoebox II« aus dem Jahr 2017.

Ein breites Spektrum an Kunst, von klassischer Malerei über Keramik bis zu kinetischen Objekten kann man an diesem Wochenende im Mannheimer Kunstverein sehen: bei den 25. Mannheimer Galerientagen. Die Werke stehen für die Spannbreite dessen, was die Galerien in Mannheim und in der Rhein-Neckar-Region anbieten. Allerdings gibt es im Jubiläumsjahr nur noch neun Teilnehmer.

Mit Ernst Wilhelm Nay hängt einer der wichtigsten Maler der Nachkriegszeit ganz bescheiden in einer Ecke. „Artistenpaar“ heißt das detailreiche Werk aus dem Jahr 1946, das die Mannheimer Galerie Döbele präsentiert. Während man die prächtigen Farben auf sich wirken lässt, hört man schon im Rücken ein permanentes Geräusch, das klingt, als würden Scheibenwischer über ein Plüschfell fahren. Exakt das passiert in der Arbeit des Künstlerpaars Pfeifer & Kreutzer aus München. Eine pinkfarbene Dose und ein Plexiglas-Objekt, in dem jemand zu sitzen und zu klopfen scheint, gehört auch zu der Installation. Es ist eine von zwei Künstler-Positionen der Mannheimer Galerie Sebastian Fath Contemporary.

Zwei Künstler-Positionen pro Galerie

Jede Galerie darf zwei Künstler präsentieren – das ist eine Regel für die Teilnehmer der Galerientage. Eine andere besagt, dass der Platz jedes Jahr neu ausgelost wird, man allerdings zwischen dem Erdgeschoss und dem Obergeschoss wechselt. Zwischen den Galerien gibt es keine Trennwände, Besucher können von Jürgen Paas’ bunten Installationen, präsentiert von der galerie linde hollinger, direkt weiterschlendern zu Werner Neuwirths kleinteiliger Installation, die die Galerie arthea mitgebracht hat.

Auf den Preisschildchen an den Wänden stehen durchaus nicht nur vier- und fünfstellige Summen. Schon für wenige Hundert Euro kann man hier Kunst erwerben. Und: Man muss nicht die Tür- und Hemmschwelle zu einer Galerie überwinden. Die Vielfalt zu präsentieren und ein breites Publikum anzusprechen – das sind für Friedrich W. Kasten, Vorsitzender des Mannheimer Kunstvereins und als Inhaber einer auf Street- und Urban Art spezialisierten Galerie selbst Teilnehmer, die zwei wichtigsten Effekte der vor 25 Jahren auf Initiative des damaligen Mannheimer Kultur-Bürgermeisters Lothar Mark (SPD) gegründeten Galerientage. In diesem Jahr, sagt Kasten, komme noch etwas hinzu: „Wir möchten zeigen, dass es uns noch gibt. Wir haben Corona alle überstanden.“ Die Krise habe – wenig überraschend – gezeigt, dass sich der Handel ins Internet verlagere. Davon könnten jene Kunsthändler profitieren, die online schon vorher gut aufgestellt waren.

Ein fester Termin im Kalender

Andererseits ersetzt die virtuelle natürlich nicht die echte Begegnung mit Kunst. „Als wir die für Mai geplanten Galerientage verschieben mussten, haben wir viele Anfragen bekommen, ob sie nun ausfallen würden“, erzählt Imke Koch vom Kunstverein. „Es ist einfach ein fester Termin in unserem Veranstaltungskalender.“ Für die Eröffnung gestern Abend und für ein Gespräch heute um 16 Uhr mit Birgit M. Sturm vom Bundesverband deutscher Galerien und Kunsthändler musste man sich anmelden. Um die Kunst zu sehen und mit den Galeristen zu sprechen, darf man ganz spontan kommen.heß

Termin

Galerientage im Mannheimer Kunstverein, Augustaanlage 58, Samstag, von 12 bis 22 Uhr, und morgen von 12 bis 17 Uhr. Im Netz: www.mannheimer-kunstverein.de

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