SPORTLER IM BLICK
Wie der Marathonläufer Lennart Nies auch ohne Trainer Topleistungen bringt
Lennart Nies hat meist ein Lächeln auf den Lippen. Selbst größte Anstrengungen lässt er sich zumindest äußerlich nicht anmerken. Ohne Laufen geht es bei ihm nicht. Für ihn ist Laufen eine große Freude. Wenn er die Schuhe anzieht, in der freien Natur unterwegs ist, dann blüht er auf. Dabei ist der 35-Jährige eigentlich alles andere als ein Leistungssportler. Im Gegenteil. Er ist fest im Beruf als Unternehmensberater verankert, deshalb meist im deutschsprachigen Raum unterwegs, dazu noch bis zu seinem Wohnortwechsel von Mutterstadt nach Ludwigshafen kommunalpolitisch engagiert. Die SPD ist seine politische Heimat, für die Partei saß er im Gemeinderat in Mutterstadt, wo er eine Zeit lang auch deren Fraktionssprecher war. Zuletzt wurde es aber still um ihn. „Ich mache mir Gedanken, ab wann ich mich in Ludwigshafen in der SPD wieder politisch engagieren möchte“, erzählt Nies.
Bei ihm hat sich einiges geändert. Statt in den Sitzungen zu diskutieren, ist Nies jetzt abends in Laufschuhen unterwegs. Selten in Ludwigshafen, in seinem Lieblingsrevier auf der Parkinsel, sondern vielmehr an den Orten, wo er für seine eigene Firma, Patient1st Consult, unterwegs ist. Mit einem Partner und guten Freund aus dem Tennisclub Mutterstadt hatte sich Nies im Bereich medizinischer Innovationen, mit starkem Fokus auf künstliche Intelligenz, im vergangenen Jahr selbstständig gemacht. Sie sind fast täglich in den großen Kliniken in Deutschland, Österreich oder der Schweiz unterwegs. Sein Schwerpunkt ist die IT der Herz- und Gefäßmedizin. Deshalb heißt seine Devise nach der Arbeit, raus aus der Klinik, ins Hotel und die Laufschuhe anziehen. Einen Trainer hat er nicht, er stellt seine Einheiten selbst zusammen. „Das große Marathon-Buch“ gilt als wichtigster Begleiter seiner Vorbereitung. „Ich ziehe aus der Literatur das Beste heraus und versuche es so gut es geht umzusetzen“, sagt Nies.
Erstmals unter 2:30 Stunden
Seit 2018 nimmt er regelmäßig an Läufen teil, zunächst im Trikot des TC Mutterstadt, dessen dritter Vorsitzender er ist und seit Anfang 2019 im roten Dress des TV Maikammer. Das war eher Zufall. Denn Nies absolvierte auch Bergläufe, landete bei der pfälzischen Serie stets in den Top Ten, was die Verantwortlichen des TVM auf den Plan riefen, ihn für die Mannschaft zu gewinnen. Inzwischen ist er mit einigen Läufer des Vereins eng befreundet und nimmt am dortigen Läuferstammtisch teil. „Zum gemeinsamen Training schaffe ich es nicht, auch wenn ich gerne im Pfälzerwald laufe“, betont Nies. Pflicht ist für ihn stets ein langer Lauf am Sonntagvormittag, sofern er nicht gerade auf Wettkämpfen oder bei Tennismatches ist. Die Tempoläufe finden ausschließlich auf der Parkinsel in Ludwigshafen statt. Dazu kommen auch regelmäßig Stabilitätsübungen im Hotelzimmer oder in der eigenen Wohnung.
Nies wird immer schneller. Auch seine Ernährung hat er etwas umgestellt. „Ich bin kein Veganer oder Vegetarier, aber meinen Fleischkonsum habe ich deutlich reduziert. Ich spüre, dass dies auch meine Regeneration fördert“, erzählt Nies. Er ist heute noch überglücklich, dass er beim München-Marathon, wo er bei den Deutschen Meisterschaften Gesamt-Elfter wurde, in der Altersklasse M 35 die Vize-Meisterschaft errang. Mit 2:29:24 Stunden verbesserte er seine bisherige Bestmarke deutlich und blieb erstmals unter 2:30 Stunden. „Das war schon überraschend“, verdeutlicht Nies. Nur 54 Sekunden fehlten ihm zum Sieg, „Ich hatte nur Leute um mich, die sich ausschließlich in einer Trainingsgruppe und mit einem festen Trainer vorbereiten. Da habe ich gemerkt, dass ich in gewisser Weise noch ein Grünschnabel bin“, sagt er augenzwinkernd.
Verbesserungen angestrebt
Nies will bei aller Gelassenheit und Freude für das Laufen „noch eine Schippe drauflegen“. Aber keinesfalls verbissen und mit falschem Ehrgeiz. „Das Laufen hält mich geistig frisch, ich möchte mich noch an der einen oder anderen Stelle verbessern, aber keinesfalls überstrapazieren“, erklärt Nies. Seine Bestzeiten sprechen für sich: Über zehn Kilometer steht seine persönliche Bestmarke bei 32:57 Minuten, beim Halbmarathon bei 1:10:14 Stunden und über die Marathon-Distanz blieb die Uhr bei 2:29:24 Stunden stehen. Wie es weitergehen wird, lässt er offen. Lediglich für den Weinstraßen-Marathon am 10. April 2022 hat er sich angemeldet. „Ich denke, ich werde auch einige kürzere Läufe in der Region bestreiten“, so Nies. Welche sportlichen Höhepunkte im kommenden Jahr folgen werden, ist noch ungewiss. Vielleicht der 10. Mauerweglauf, einer der bedeutendsten Läufe, der auf den Spuren der einstigen Mauer, die Ost und West trennte, verläuft? Das würde auch ganz gut zu seiner zweiten Leidenschaft neben dem Laufen passen: Die Politik.