Turnen
Warum Bernd Stoffel vom TB Oppau ins Turnen vernarrt ist
Dass Bernd Stoffel Trainer beim TB Oppau wurde, ist einem Zufall geschuldet. „Ich habe einen kleinen Jungen getroffen, der mich fragte, ob er mit in die Halle gehen könne. Ich habe ihn an der Hand genommen und ihm die Halle gezeigt“, erzählt er. 14 Jahre ist das her. Der kleine Junge, den Bernd Stoffel an der Hand nahm, war Joshua Kärcher, 2017 Rheinland-Pfalzmeister im Mehrkampf und heute Mitglied im Kader des Zweit-Bundesligisten TG Saar. „Das zeigt mir, dass ich als ehrenamtlicher Trainer doch ganz gute Arbeit leiste, wenn ich den einen oder anderen Turner in die Bundesliga bringe“, sagt Stoffel.
Geboren in Bad Dürkheim und aufgewachsen in Lemberg, begann er im Alter von zehn Jahren beim TV Pirmasens mit dem Turnen. „Mein Vater hat eine Sportart für mich gesucht, weil ich so dünne Ärmchen hatte. Um Muskeln aufzubauen, war ich mal im Fitnessstudio und danach bei der Leichtathletik, aber das hat mir nicht zugesagt, dann kam ich eher zufällig zum Turnen“, blendet der 52-Jährige zurück. Die Entwicklung des Spätstarters ging schnell nach oben, als Zwölfjähriger turnte er seine erste deutsche Meisterschaft, als er 16 Jahre alt war, fuhr ihn sein Vater regelmäßig ins 60 Kilometer entfernte Saarbrücken und das 100 Kilometer entfernte Oppau zu den dortigen Landesleistungszentren ins Training. „Das hat Spaß gemacht. Ich habe dort gute Freunde gewonnen, der Zusammenhalt in der Turngemeinschaft war groß“, erzählt Stoffel.
Vizemeister an Reck und Barren
Der damalige Bundestrainer Philipp Fürst sowie die Olympiastarter Reinhard Ritter und Volker Rohrwick waren die Männer, die ihn als Athleten entwickelten und formten und für seine spätere Trainerlaufbahn inspirierten. Von 1991 bis 1996 turnte Bernd Stoffel für den TB Oppau in Bundesliga (ein Jahr) und Zweiter Bundesliga. Bei deutschen Meisterschaften schlug er sich gegen die Konkurrenz aus den großen Turnzentren in Berlin, Stuttgart und Hannover mehr als achtbar, war Vizemeister an Reck und Barren. „Das war ein super Erfolg, besser kann’s eigentlich nicht mehr laufen“, sagt Bernd Stoffel, der nach seiner Zeit beim TBO zur TSG Grünstadt wechselte, dort in der Zweiten Liga turnte, es mit der TSG in den Aufstiegswettkampf schaffte. Drei Stunden pro Tag trainierte der heutige Feuerwehrmann bei der Werksfeuerwehr der BASF damals. „Da muss man schon eine gewisse Vernarrtheit und viel Idealismus mitbringen. Aber die Gemeinschaft, die wir erlebt haben, der Freundeskreis, den wir hatten, unter anderem mit Jens Fürst und Bernd Jarzombek, war super. Das hat Spaß gemacht“, berichtet er. Im Alter von 36 Jahren absolvierte er seinen letzten Wettkampf in der Bundesliga. Nachdem er sich später beide Achillessehnen gerissen hatte, war seine aktive Laufbahn beendet.
Aus dem früheren Bundes- und Landesleistungszentrum Oppau ist das von einem Förderverein getragene Pfälzer Turnzentrum geworden, das den Kunstturnern als Trainingsstätte dient. Bernd Stoffel engagiert sich im Förderverein, der Gelder generiert, um unter anderem neue Geräte anzuschaffen, und als Übungsleiter für die Jungen, die leistungssportorientiert trainieren wollen. „Das eigentliche Trainieren erlernt man nur in der Praxis, das ist ein jahrelanger Prozess. Man kann sich einiges Wissen anlesen oder erzählt bekommen, aber man muss das gemeinsam mit den Athleten vor Ort machen, weil jeder doch sehr individuell ist. Die Kunst als Trainer ist, sich darauf einzustellen“, erklärt Bernd Stoffel. „Das Wichtigste aber ist, dass man das Training kontinuierlich fortführt und dass man den Athleten dafür ist, dass man nie aufgeben darf“, ergänzt der Vater dreier Kinder.
Platz sechs in der Nachwuchs-Bundesliga
Mit seinem Engagement und seinem Feingefühl im Umgang mit den heranwachsenden Sportlern hat er eine eingeschworene Gruppe um sich geschart, die 2019 in der Nachwuchs-Bundesliga den sechsten Platz belegte. „Das war für mich als Trainer ein Höhepunkt, dass wir uns trotz eines verletzungsbedingten Ausfalls so gut geschlagen haben. Für die Jungs war’s toll und für mich als Trainer natürlich auch, weil man gesehen hat, dass sich die ganze Arbeit und die viele Zeit, die man investiert, gelohnt haben“, schildert Bernd Stoffel. In der Coronazeit waren er und seine Jungs froh, als die Kaderturner wieder in die Halle durften. Bis auf einen Turnern seien alle aus dem Nachwuchs-Bundesligateam noch dabei, freut sich Stoffel.