FUSSBALL
Rückblende auf Rekordsaison des ASV Fußgönheim 2002/03
Die Landesliga Ost gibt es jetzt seit 34 Jahren. Der ASV Fußgönheim war die erste Mannschaft, die in einer kompletten Saison ungeschlagen blieb. Ein Rekord, der bis heute Bestand hat. Dazu haben die Fußgönheimer nur 15 Gegentore bekommen, exakt 0,5 pro Partie. Auch diese Quote wurde weder zuvor noch danach erreicht. Natürlich haben alle Spieler ihren Anteil an den beiden Bestmarken, aber die wenigen Gegentore sind in erster Linie auf das herausragende Innenverteidigerpaar Uwe Naßhan und Michael Rehmann zurückzuführen. Die beiden Frankenthaler bildeten das Herzstück der ASV-Abwehr, die in jener Saison ein regelrechtes Bollwerk war.
„Michael und ich kennen uns schon lange. Wir sind befreundet und haben uns auf dem Spielfeld blind verstanden“, erklärt der damals schon 39-jährige Industriemechaniker Naßhan. „Wir haben uns aufeinander verlassen können, es hat einfach gepasst“, ergänzt Rehmann, der fünf Jahre jünger als der Kumpel ist und in der Meistersaison auch schon Mitte 30 war. Die Chemie zwischen den Abwehrrecken stimmte einfach. In 20 der 30 Begegnungen hielt der ASV seinen Kasten sauber, auch das ist ein Bestwert für die Landesliga Ost. Torwart Andreas Roll, die Außenverteidiger Claudio Koth und Heiko Kitzinger sowie der laufstarke Sechser Oliver Spuhler vervollständigten den Defensivblock.
„Wie eine große Familie“
„Die Mannschaft hatte in allen Bereichen ein super Miteinander, sonst wäre dieser grandiose Erfolg nicht möglich gewesen“, erklärt Rehmann, der in der Viererkette halbrechts verteidigte. Naßhan, der links neben ihm verteidigte, bestätigt ihn: „Der ASV war wie eine große Familie. Nicht nur im Team hat es gestimmt, auch das Verhältnis zu den Funktionären mit Norbert Beckmann, Klaus Weiler und Egon Schulz an der Spitze war sensationell.“ Der in dieser Zeit geprägte Spruch vom „etwas anderen Verein“ nahm Bezug auf eine fast greifbare Nähe und Harmonie, Bodenständigkeit sowie den engen Zusammenhalt aller Protagonisten. Regelmäßig trafen sich Spieler und Fans nach dem Spiel im Clubhaus. Der ASV war sympathisch und professionell zugleich.
Und wenn man mit Spielern aus der damaligen Zeit spricht, dann kommt die Rede spätestens im dritten Satz auf den Baumeister des Erfolgs: Trainer Hans Mack. „Er war mit Harald Prinz mein bester Trainer, hatte unglaublich viel Ahnung vom Fußball und war ein Vorbild“, verdeutlicht der ehrgeizige Naßhan, der auch Trainingsspiele ungern verlor. „Hans Mack spielte eine große Rolle. Er hat es verstanden, der Mannschaft das Spiel mit einer Viererkette zu vermitteln und einen riesigen Anteil an der Entwicklung des Teams“, erläutert Versicherungskaufmann Rehmann. Die beiden Verteidiger sind selbst Trainer geworden und haben sicher von Macks großem Sachverstand und seiner Menschenführung profitiert.
Naßhan spielte zuvor schon mit dem VfR Grünstadt in der Verbandsliga und setzte in Fußgönheim Maßstäbe. „Zweimal habe ich den goldenen Fußballschuh als bester Spieler der Saison vom ASV erhalten“, sagt der heute 59-Jährige. Für die Auszeichnungen hat der clevere, extrem kopfball- und zweikampfstarke Naßhan zu Hause einen Platz gefunden. Rehmann, ein glänzender Stratege mit gutem Auge und Stellungsspiel, lief vor seiner Fußgönheimer Zeit in der Regionalliga auf und schrammte 1995 mit dem Oberligisten TSG Pfeddersheim knapp an einer Sensation vorbei, als die TSG sich im DFB-Pokal dem amtierenden Meister Borussia Dortmund erst im Elfmeterschießen unglücklich beugen musste.
Kleiner Kader, kaum Verletzte
Zurück zum ASV Fußgönheim. In der heutigen Zeit undenkbar, kamen die Fußgönheimer in der Serie 2002/03 über weite Strecken mit 14 Spielern aus. Hinzu gesellten sich vier, die aber nur sporadisch zum Einsatz kamen. Vor Spuhler bildeten meist Dennis Link, Stefan Hoffmann sowie Frank Hoffelder das Mittelfeld, und das kongeniale Sturmduo Marcus Jaster und Cetin Erciyas erzielte 46 der 65 Tore. Alle elf Stammspieler bestritten mindestens 25 der 30 Spiele. „Wir hatten kaum Verletzte. Das ist natürlich hilfreich, wenn man Erfolg haben will“, betont Rehmann. Zum Kernkader zählten noch Felix Mohr, Alexander Haferstroh und Andreas Schröck, die auch regelmäßig im Team standen.
Kurioserweise nennen die beiden Abwehrspezialisten bei der Frage nach den wichtigsten Partien in der Meistersaison Begegnungen, in denen der ASV Gegentore bekam. „Beim 6:2-Sieg in Oggersheim haben wir ein Riesenspiel gemacht. Das war ein Meilenstein“, erinnert sich Naßhan. Rehmann ist das 1:1 gegen den MSV Ludwigshafen kurz vor der Winterpause im Gedächtnis geblieben: „Nach zwei Ampelkarten in der ersten Halbzeit waren wir in Unterzahl, haben aber noch den Ausgleich erzielt.“ Damals kamen viele Zuschauer zu den Partien und sorgten für ein tolle Stimmung.
Die goldenen Zeiten von einst sind längst Geschichte. Naßhan und Rehmann, die nach ihrer Laufbahn noch gemeinsam bei den Alten Herren des ASV kickten und deren Familien befreundet sind, haben aber noch guten Kontakt. Ihre Söhne Erik und Dennis spielen beide beim TSV Eppstein. Die Erfolge ihrer Väter werden sie wohl kaum erreichen, denn der Rekordsaison 2002/03 mit dem ASV Fußgönheim war eine einmalige Sache.