Vorderpfalz
Public Viewing fällt flach
Ludwigshafen: Nur in Kneipen
„Fußball-WM bedeutet für uns Sommer, Sonne und Aperol“, heißt es vom Felix Bowlingcenter. Dort, wo seit 2006 ein beliebter Treffpunkt vor der Großbildleinwand war, ist keine Großveranstaltung vorgesehen. Ein politisches Statement sei der Hinweis auf das fehlende Sommergefühl nicht. „Wir bauen ganz sicher keine Glühweinstände auf“, erklärt die Dame am Telefon. Allerdings war bei der Bowlinganlage auch bei der Weltmeisterschaft in Russland vor vier Jahren kein ausgemachter Treffpunkt für die Fußballfans. Die hatten in der Beachbar am Willersinnweiher eine Anlaufstelle, die in der Vorweihnachtszeit in diesem Jahr selbstverständlich ebenfalls keine Option ist. Ende September endete hier die Saison, das Gelände liegt im Winterschlaf.
Bleiben überdachte Orte der Geselligkeit. Das Irelands Own zum Beispiel, ein Pub in der Bahnhofsstraße, das mit mehreren Bildschirmen ausgestattet ist. Geschäftsführer Andreas Bretz verweist aber auf seine Öffnungszeit ab 18 Uhr. „Gespielt wird aber schon um 11, 14, 16 und 17 Uhr.“ Die Öffnungszeiten werde er allenfalls bei einem Deutschlandspiel anpassen. Das würde das erste Gruppenspiel am 23. November betreffen, wenn die Mannschaft von Hansi Flick um 14 Uhr gegen Japan antreten muss. Die Spiele ab dem Achtelfinale sind hingegen für 16 und 20 Uhr angesetzt. Bretz hält sich noch bedeckt: „Wir werden auch zu unseren Öffnungszeiten sicher nicht alle Spiele übertragen. Das Interesse dafür war in den letzten Jahren einfach zu gering“, verweist er auf die Erfahrung aus der WM vor vier Jahren und der Europameisterschaft im Vorjahr.
So läuft’s im „Maffe“
Wie schon im Vorjahr übt sich Thomas „Fidschi“ Schulte-Hobein, Geschäftsführer der Kultgaststätte Maffenbeier im Hemshof in Pragmatismus. „Wenn ich die Deutschland-Spiele nicht übertragen würde, dann könnte ich an diesen Abenden auch gleich zulassen“, so seine einfache Erklärung wie schon im Vorjahr. Im Biergarten werden daher wieder Bildschirme stehen. Die werden zunächst aber wirklich nur während der deutschen Spiele am 23. und 27. November sowie am 1. Dezember, „und vielleicht ab dem Halbfinale“ flimmern, denn für Schulte-Hobein spielt die Politik bei dieser Weltmeisterschaft eine wichtige Rolle. „Ich bin wirklich im Zwiespalt, ob wir übertragen, denn eigentlich darf man diese WM nicht unterstützen. Auf der anderen Seite ist der Laden leer, wenn wir nichts machen.“ Er denkt daher darüber nach, vor den Spielen die Dokumentation „WM der Schande“ laufen zu lassen. „Um wenigstens das Bewusstsein für die Probleme mit Katar zu wecken“, erklärte er.
Mannheim: Eisstadion dicht
Für die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft ist auch in Mannheim kein Public Viewing geplant. Hauptgrund sind aber nicht die verheerenden Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverstöße in Katar, die Energiekrise, Corona-Inzidenzen oder die kalte Jahreszeit. Vielmehr macht der Abriss des Eisstadions eine Übertragung auf einer Großleinwand in der Quadratestadt zunichte. „So weit, mir Gedanken darüber zu machen, die Weltmeisterschaft zu boykottieren, war ich noch gar nicht vorgedrungen“, sagt Markus Rick. Der Wormser Schausteller organisiert seit der WM 2006 das Public Viewing im Eisstadion am Friedrichspark, das eigentlich schon im Sommer abgerissen werden sollte, sich aber auch aufgrund des Artenschutzes von dort lebenden Eidechsen und Fledermäusen verzögert. Für den Veranstalter war somit schon lange klar, dass das 5000 Zuschauer fassende, überdachte Gelände nicht mehr infrage kommt. Ein alternativer Anbieter für ein Public Viewing habe sich nicht an die Stadt gewandt, heißt es aus dem Mannheimer Rathaus.
Speyer: Keine Übertragungen
Analog zur Haltung einiger französischer Städte und deren Begründung hinsichtlich der massiven Menschenrechtsverstöße in Katar, welche seitens der Stadt Speyer durchaus nachvollziehbar ist, wird es in der Domstadt keine öffentlichen Public-Viewing-Veranstaltungen geben. Dies wurde auf Initiative von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hin im Stadtvorstand so beschlossen. Bislang liegen der Stadtverwaltung auch noch keine privaten Anträge vor.
Frankenthal: Finanzielles Risiko zu hoch
Schon im Frühjahr hat sich Jürgen Maring von der ursprünglichen Idee eines großen Public Viewings auf dem Festplatz in Frankenthal verabschiedet. Das finanzielle Risiko für eine Übertragung im Freien sei schlicht zu groß, sagt der Inhaber der Agentur Eventfritze. Mit dem Frankenthaler Sportverein DJK Schwarz-Weiß sei er im Gespräch über eine Indoor-Übertragung der WM-Spiele für ein Publikum von „wenigen 100 Zuschauern“. Der erfahrene Veranstalter nennt neben dem schlechteren Wetter und dem schwächeren Getränkeumsatz im Winter und der Corona-Situation noch einen weiteren Unsicherheitsfaktor für Public Viewing: „Die deutsche Nationalmannschaft ist mittlerweile kein Erfolgsgarant mehr.“ Sollte die Elf, wie 2018, nach nur drei Spielen aus dem Turnier fliegen, schaue man als Veranstalter in die Röhre. Wenn Absagen auf die Situation der Menschenrechte in Katar geschoben würden, ist das für den Frankenthaler „geheuchelt und gelogen“. Maring setzt statt der Winter-Weltmeisterschaft auf die Frauen-Fußball-WM im Sommer 2023 und die Europameisterschaft der Herren 2024, die unter der Regie von Eventfritze wieder auf dem Festplatz übertragen werden sollen.
„Zeigen gerne Fußball“
Trotz des Austragungsorts und des ungewohnten Termins im Winter ist es für Bujar Gaxherri keine Frage, dass die Fußball-WM im Café Ideal in Frankenthal übertragen wird. Während die deutschen Partien auf allen Monitoren im mehrstöckigen Gastraum am Hauptbahnhof laufen sollen, werden die übrigen Spiele zumindest im Nebenraum gezeigt. „Wir zeigen gerne Fußball, ich bin selbst Fan“, sagt der Gastronom, der der Nationalelf – auch mit Blick aufs Geschäft – die Daumen drückt. Denn Gaxherri weiß: Je besser die Deutschen kicken, umso voller ist der Laden.