Fußball
Oberliga: Warum der FC Arminia Ludwigshafen weiter gefordert ist
Die Vokabel „durchatmen“ gefällt Arminia-Trainer Andreas Brill nicht besonders. Suggeriert sie doch, dass man etwas erreicht hat und sich zurücklehnen kann. Doch genau dies wäre fatal. „Ja, natürlich war das 2:1 gegen Mechtersheim ein ganz wichtiger Erfolg, aber das reicht nicht. Unsere Hauptkonkurrenten im Abstiegskampf, Mechtersheim und Dudenhofen, spielen am Wochenende gegen den Letzten und Vorletzten, da müssen wir fokussiert bleiben“, fordert Brill. Nicht zu Unrecht, denn das Fünf-Punkte-Polster kann sich ganz schnell auf zwei Zähler reduzieren. Die Hürde von 40 Punkten ist zwar übersprungen, aber es ist gut möglich, dass man 48 benötigt, um in der Liga zu bleiben.
Der FV Engers steht in der Tabelle direkt vor der Arminia und hat 45 Zähler auf dem Konto. „Das ist eine Mannschaft mit hoher Qualität, körperlicher Wucht und großer Geschlossenheit“, beschreibt Brill den Gegner aus Engers, einem Stadtteil von Neuwied. Der 4:0-Sieg am vorigen Wochenende in Diefflen sei eine Hausnummer und schärfe die Sinne. Die Arminia hat zuletzt aus fünf Begegnungen gegen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf starke zehn Punkte geholt. Gut ist auch, dass Torwart Kevin Urban das Training wieder aufgenommen hat und Routinier Sebastian Linder in den Kader zurückkehrt. Dagegen ist der Einsatz der verletzten oder erkrankten Rik Hiemeleers, Markus Schmitt und Laurenz Graf fraglich.
Hoher Stellenwert
Verletzt, erkrankt, fraglich – für Lukas Hartlieb sind dies Fremdwörter. Der 27 Jahre alte Innenverteidiger zählt zu den Spielern mit dem höchsten Stellenwert beim FCA. In dieser Saison hat er keine Sekunde gefehlt, stand in allen 31 Oberligapartien jeweils 90 Minuten und mehr auf dem Feld. In Engers bestreitet er sein 100. Oberligaspiel für die Arminia. Eine grandiose Bilanz. „Oh, 100 Spiele sind es schon. Das ist etwas Besonderes und eine Bestätigung für meine Leistung. Ich hoffe es kommen noch viele dazu“, sagt Hartlieb. Die Frage, ob er wegen des Jubiläums einen ausgeben muss, kann er nicht beantworten: „Ich weiß gar nicht, da muss ich mal fragen.“ Seit Hartlieb bei der Arminia spielt, hat er nur sechsmal gefehlt.
„Lukas ist ganz wichtig für die Mannschaft – gerade jetzt in dieser Phase, in der Erfahrung und ein kühler Kopf gefragt sind. Er hat eine fast 100-prozentige Trainingsbeteiligung und trainiert überragend“, lobt Brill den Mann mit der Nummer 25. Vorbildliche, ja profihafte Einstellung, großer Einsatz und sportliche Klasse stempeln Hartlieb, der seit Jahresanfang in der Lohnbuchhaltung von Hauptsponsor Bauhaus arbeitet, zu einem unverzichtbaren Ausnahmespieler. Den eigenen Fitnessraum hat er nach seinem Umzug von Friesenheim nach Oggersheim zwar nicht mehr, aber weil er neben dem Training noch viel für sich macht, ist er in hervorragender körperlicher Verfassung. Die Leistung des kopfballstarken Abwehrspielers spricht für sich.
Defensivspezialist mit Erfahrung
„Der Sieg gegen Mechtersheim war von großer Bedeutung, aber noch kein Durchbruch. Dazu stehen noch zu viele Spiele aus“, urteilt Hartlieb. Er hofft, dass die Arminia in Engers (Samstag, 15.30 Uhr) nachlegen kann und rechnet mit einem 50:50-Spiel, in dem Kampf und Leidenschaft gefragt sind. Wer sein Nebenmann sein wird, spielt für den 27-jährigen Abwehrchef keine große Rolle. „Zuletzt spielte Wal Fall neben mir. Er ist einer, den nichts aus der Ruhe bringt, und der große Erfahrung hat“, sagt Hartlieb. Fall ist nach Lukas Kebernik, Fabian Herchenhan Sebastian Lindner, Felix Jung und Daniel Fichtner schon sein sechster Nebenmann. Zweimal spielte er Außenverteidiger und einmal auf der rechten Außenbahn vor einer Dreierreihe.
Der frühere Junioren-Bundesligaspieler des 1. FC Kaiserslautern und Kapitän der Verbandsauswahl spielte nach seiner Juniorenzeit in der U23 des FCK und wechselte danach zum damaligen Oberligisten SC Hauenstein. „Als sich der SCH in die Verbandsliga zurückgezogen hat, bin ich nach Mechtersheim gegangen“, berichtet der Defensivspezialist. Vom TuS ging es 2020 zur Arminia, wo er inzwischen stellvertretender Kapitän ist. „Die vielen Gegentore schmecken mir gar nicht. Gefühlt fallen sie hauptsächlich nach Standards und individuellen Fehlern“, hat Hartlieb festgestellt. Da wäre in Engers ein „zu Null“ zum Jubiläum doch eine feine Sache.