25 Jahre Stiftung Lebensblicke RHEINPFALZ Plus Artikel Motto rettet leben: Vermeiden statt leiden

Das Stiftungslogo
Das Stiftungslogo

Sie ist die älteste Stiftung Deutschlands, die sich in Sachen Darmkrebsvorsorge seriös und umfassend engagiert: die Stiftung Lebensblicke mit Sitz in Ludwigshafen. 1998 gegründet, feiert sie in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag und blickt dabei auf eine erfolgreiche Zeit zurück.

Erfolgreich ist die Zeit deshalb, weil es der Stiftung Lebensblicke gelungen ist, das Thema Darm und Darmkrebs mit ausführlichen Informationen und Aufklärung aus der Schmuddelecke zu holen. „Bis weit in die 1990er-Jahre war dies ein Tabuthema. Man sprach nicht darüber“, berichtet Professor Jürgen F. Riemann. Der 79-Jährige ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lebensblicke.

Fand man Blut im Stuhl vor, diagnostizierten die Mediziner häufig Hämorrhoiden, Darmspiegelungen wurden nur selten angeordnet. So rutschten doch etliche Fälle von Darmkrebs durch, die im Falle einer Früherkennung vermutlich heilbar gewesen wären. „Es war ein gewisser Druck da, etwas zu tun“, sagt Riemann, seit 1997 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für deutsche Gastroenterologen.

Dringender Handlungsbedarf

Seinerzeit fand die Jahrestagung in Ludwigshafen statt – und dort konstatierte man einen dringenden Handlungsbedarf. Ein Jahr später folgte die Geburtsstunde der Stiftung Lebensblicke. Mit dem Motto „Vermeiden statt leiden“ und dem einprägsamen, in Grüntönen gehaltenen Logo, einem Auge, in dessen Augapfel sich ein Dickdarm befindet, machte sich die Stiftung schnell einen Namen. „Hinschauen hilft“ – das sollte das von Burda entwickelte Logo aussagen. Dank einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit gelang es der Stiftung, den Darm und die Krebserkrankung in die Mitte der Gesellschaft zu holen.

Zielgruppen der Stiftung sind in erster Linie die Bevölkerung, aber auch politische Entscheider, Ärzte, Unternehmen, Fachverbände, Gesundheitseinrichtungen und die Industrie. Die Stiftung Lebensblicke, sie wird nicht nur akzeptiert. Nein, sie wird als ernstzunehmender Akteur gehört – bis auf Bundesebene.

Begehbares Darmmodell.
Begehbares Darmmodell.

25 Prozent sind vorbelastet

Früherkennung und Vorsorge können Leben retten, das ist die wichtige Botschaft der Stiftung. Die Zahlen lassen aufhorchen: Jährlich erkranken nach wie vor etwa 59.000 Menschen neu an Darmkrebs. Was aber noch viel schlimmer ist, dass mehr als 24.000 daran sterben. 25 Prozent derer, die an Darmkrebs erkranken, sind familiär vorbelastet. Nach Prostata- und Lungenkrebs ist für Männer der Darmkrebs die dritthäufigste und nach Brustkrebs für Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland.

„Wenn die Menschen alle Angebote annehmen würden, wäre der Darmkrebs wahrscheinlich eine zu vernachlässigende Größe“, unterstreicht Riemann. An einer Darmspiegelung nehmen gerade einmal zwei bis vier Prozent der Anspruchsberechtigten pro Jahr teil, den Stuhltest nutzen nur etwa 15 bis 20 Prozent. Zu wenig – nicht nur aus Sicht des Professors.

Dass es seit 2002 eine erweiterte Vorsorge- und Früherkennungsregelung für gesetzlich Krankenversicherte gibt, ist mit ein Verdienst der Stiftung. Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Ab dem Alter von 50 Jahren können Männer und Frauen jährlich ihren Stuhl untersuchen lassen, ab 55 Jahren alle zwei Jahre.

Gute Heilungschancen

Sogenannte immunologische Stuhltests weisen auch kleinste Blutmengen im Stuhl nach, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. Für Männer ab 50 und Frauen ab 55 wird im Früherkennungsprogramm eine Darmspiegelung angeboten. Sie ist zuverlässiger als der Stuhltest.

Fakt ist: Wenn Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, sind die Heilungsaussichten gut. Und: Bei einer Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen wie Polypen entfernt werden, bevor sie sich zu einem Tumor entwickeln. Ein Lichtblick: Dank des umfangreichen Vorsorgeangebots konnte die Zahl an Neuerkrankungen und die Sterblichkeit um bis zu 20 Prozent reduziert werden. In Zahlen bedeutet dies, dass in Deutschland in den ersten zehn Jahren seit Einführung der Früherkennungskoloskopie zirka 180.000 Darmkrebsfälle verhindert und mehr als 40.000 Karzinome in einem frühen Stadium entdeckt werden konnten. Das haben Hermann Brenner und sein Team vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg belegt. „Diese Zahlen setzen sich bis heute positiv fort“, so Riemann.

Jede Erkrankung eine zu viel

Und dennoch ist jede neue Krebserkrankung eine zu viel. Daher kämpfen Riemann und seine Mitstreiter der Stiftung Lebensblicke weiter. „Die Prävention muss eine zentrale Rolle spielen“, untermauert der Ludwigshafener und führt weiter aus: „95 Prozent aller Ausgaben der Krankenkassen sind Reparaturleistungen.“ Durch sein Engagement auf Bundesebene hat Professor Riemann einiges erreicht. Unter anderem fungierte er als Sprecher der Arbeitsgruppe Weiterentwicklung der Darmkrebsfrüherkennung im Nationalen Krebsplan der Bundesregierung. In diese Zeit fiel auch der Vorschlag für das Krebsfrüherkennungs- und Registergesetz, das auf die Stiftung zurückzuführen ist. Auch weitere Fortschritte sind mithilfe der Stiftung Lebensblicke auf den Weg gebracht worden. 2017 erfolgte die Umstellung auf einen neuen Stuhltest. Die sogenannten immunologischen Stuhltests lösten den bisherigen Guajak-basierten, biochemischen Test im gesetzlichen Früherkennungsprogramm ab. Sie gelten als weniger störanfällig.

Vorstandsvorsitzender Jürgen F. Riemann.
Vorstandsvorsitzender Jürgen F. Riemann.

Weiterer Meilenstein

Ein weiterer Meilenstein: Seit 2019 erhalten alle ab 50 Jahre eine Einladung zur Darmkrebsfrüherkennung. Mit der Präventionskampagne „Vermeiden statt leiden“ zusammen mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) tourte die Stiftung Lebensblicke durch ganz Rheinland-Pfalz und klärte auf. Sogar in türkischer Sprache.

Auch für die Zukunft sieht Riemann noch einiges an Arbeit für seine Stiftung. Dabei spielt auch das Thema Digitalisierung eine große Rolle. Das Modellprojekt der Barmer könnte nach Ansicht des Lebensblicke-Vorstandsvorsitzenden für die Zukunft wegweisend sein, um auf einfache Art und Weise Menschen zu erreichen, die bisher einen großen Bogen um die Vorsorgeuntersuchungen gemacht haben. Über die App haben Versicherte der Barmer die Möglichkeit, bereits ab 40 Jahre einen immunologischen Stuhltest anzufordern und sich so zunächst den Weg zum Arzt zu sparen.

Auch die Einladung zu den Vorsorgeuntersuchungen erfolgt via App. Die sogenannten von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ins Gespräch gebrachten Gesundheitskioske sieht der Professor als Chance, um niedrigschwellig in sozial benachteiligten Regionen Menschen zu erreichen und ihnen die Darmkrebsvorsorge ans Herz zu legen.

Im Netz

www.stiftung-lebensblicke.de

Die Serie

In dieser Serie beleuchten wir die Arbeit der Stiftung Lebensblicke in den vergangenen 25 Jahren.

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