Firmenporträt
„Mohrenkopf und Süßwarenverkauf“: Neuer Laden am Oggersheimer Schillerplatz
Schaumküsse in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen, Zuckerstangen, Popcorn oder gebrannte Mandeln: Darauf müssen die Menschen das ganze Jahr über nicht mehr verzichten. Das kleine Zuckerparadies von Barbara Endlich hat seinen Einzug am Schillerplatz in Oggersheim gehalten. „Wir führen alles, was es sonst auf der Kerwe gibt“, beschreibt die Chefin ihr Sortiment bei „Mohrenkopf und Süßwarenverkauf“ der Schaustellerfamilie Endlich-Jockers.
Die Ladenklingel geht in einem fort. Es riecht verführerisch nach Zucker. Seit ihrem Umzug vom Schießgraben an den zentralen Platz in Oggersheim hat die Anzahl der Laufkunden deutlich zugenommen. Am meisten werden wie erwartet Schaumküsse gewünscht. Elf verschiedene Sorten hält Inhaberin Endlich für ihre Kunden bereit. Stets frisch und appetitlich in Kartons hinter der Theke aufgereiht. Etwa 300 bis 400 pro Tag gehen bei ihr über den Tisch, an guten Tagen auch deutlich mehr. In der Osterzeit kamen Osterhasen aus einer Schokoladen-Manufaktur im Odenwald hinzu. „Da haben wir die gleiche Menge wie sonst geordert, sie sind jedoch bereits ausverkauft“, bedauert sie.
Zu Weihnachten mit Glühwein und Zimt
Am Geschmack der Konsumenten hat sich im Lauf der Jahre nichts geändert. Obwohl es die Schaumküsse mit Eierlikör-, Riesling-, Rum- oder After-Eight-Füllung gebe, gehen als Verkaufsschlager noch immer die klassische Variante sowie Kokos und Mokka am besten, weiß die Fachfrau. „Um die Weihnachtszeit führen wir zusätzlich die Geschmacksrichtungen Lebkuchen, Glühwein und Zimt“, ergänzt die 68-Jährige lächelnd.
Die Familie ist seit vier Generationen im Schaustellergewerbe tätig. Mit Großvater Emil Jockers fing alles an. Vor etwa 125 Jahren zog er mit einem Handkarren über die Kerwe, gefüllt mit Süßwaren. Später erwarben die Eltern Eduard und Frieda Jockers einen Zuckerwagen und eine Kinderschiffschaukel, mit denen sie durchs Land zogen. Mit Barbara und Roland Endlich könnte die letzte Generation angebrochen sein, die im Sommer noch mit dem Mandelwagen auf der Kirmes unterwegs ist, denn die beiden Söhne haben sich inzwischen beruflich anderweitig orientiert.
Umzug in die Dorfmitte
Wurde es im Winter kalt und ungemütlich, dann bedeutete das auch eine Ruhephase im Schaustellergewerbe. Die Kunden fehlten Barbara Endlich. Lange wünschte sie sich einen kleinen Laden, der die Liebhaber des klassischen Kerwesortiments auch in der kalten Jahreszeit versorgt. Mit dem kleinen Geschäft am Schießgraben in Oggersheim verwirklichte sie ihre Träume. In den vergangenen 19 Jahren hat die Familie zahlreiche Stammkunden gewonnen. Als die Immobilie dort verkauft wurde, kam das neue Ladengeschäft am Schillerplatz wie gerufen. Es ist auch im Sommer, wenn das Paar noch vereinzelt auf der Kerwe in der Umgebung unterwegs ist, geöffnet.
Die Endlichs gehen es jetzt ruhiger an. „Es ist nicht mehr so wie früher“, bedauert Roland Endlich. „Im Winter haben wir mit der gesamten Familie die Zuckerware gekocht, der Ofen dafür steht nur noch als Dekoration im Laden.“ An die alten Zeiten erinnern in dem Nebenräumchen die Schilder der Großeltern oder Fotos von Zucker-, Mandelwagen und Crêperien, als sie noch mit den Eltern und später den Kindern unterwegs waren. Auf nostalgischen Schildern ist die Rede von „reicher Auswahl in Schokolade und Dessertstangen, Schaumwaffeln“. Ein weiteres weist auf Mandelstangen für zehn oder 20 Pfennig hin.
In der Eberthalle mit an Bord
Geändert hat sich am Angebot nichts, nur die Preise sind dem heutigen Markt angepasst. Auch der „Schlumpfwagen“ für die Zuckerwatte dürfte inzwischen ausgedient haben, zu sehen ist auch er noch im Laden. Barbara Endlich schmunzelt, wenn sie an die feuchten Tage in jungen Jahren denkt. Die Zuckerstangen haben sich damals immer zusammengeklebt. „Heute werden sie in luftdichte Verpackung gesteckt, damit sie frisch bleiben“, erklärt Roland Endlich. Popcorn und gebrannte Mandeln macht der 72-Jährige noch immer mehrmals in der Woche frisch. Mit diesen Leckereien ist das Paar auch als Ergänzung der Gastronomie bei Events in der Eberthalle vertreten.
In ihrer ruhigen und freundlichen Art bedient Barbara Endlich die Kunden, steckt fertig abgepackte „Saure Gurken“ oder „Nappo“ in die Tüte zu den Schaumküssen. Auf die Frage, ob sich jemand störe an dem Begriff „Mohrenkopf“, sagt sie, „alle Kunden verlangten einen Mohrenkopf. Einen ,Schaumkuss‘ bestellt hier keiner.“ An diesem Wochentag kommen keine Nachfragen zu den Lebkuchenherzen. Aber für Hochzeiten, Taufe oder Geburtstag können die großen Exemplare mit entsprechender Vorlaufzeit und mit Wunsch-Beschriftung geordert werden. Das gibt Süßwaren Endlich-Jockers dann entsprechend in Auftrag.
Die Kinderschiffschaukel, einst vom Vater übernommen, Crêperien, Mandel- und Zuckerwagen, dazu ein Basketballwagen waren Teil der Geschäfte, mit denen sich die Endlichs einen Namen gemacht haben. Die meisten sind inzwischen verkauft. Aber vielleicht reift doch noch eine Generation mit Interesse am Leben der Schausteller heran. Eine der Enkelinnen besucht die Großeltern immer dienstags und bediene die Kunden schon jetzt mit großer Hingabe, wie Oma und Opa einhellig berichten.
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In dieser Serie stellen wir wöchentlich immer samstags interessante Firmen aus der Region vor.