Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mangelware Parkplatz: Wenn selbst Handwerker nicht mehr kommen

Nur an markierten Parkflächen wie dieser ist es erlaubt, das Auto abzustellen.
Nur an markierten Parkflächen wie dieser ist es erlaubt, das Auto abzustellen.

Stadtplaner und Politik sind mittendrin im Kampf gegen Autos. In einem Mannheimer Prestige-Stadtteil gehen die Menschen auf die Barrikaden.

Ein Stadtteil von Morgen soll Franklin werden. Noch aber steckt das sich von der ehemaligen US-Militär-Siedlung in ein modernes Wohnviertel verwandelnde Quartier in der Gegenwart fest. Vor allem, was die Mobilität betrifft. Als autoarm, dafür mit Elektrobussen, einem autonomen Shuttle, Car-Sharing-Angeboten, Leihrädern und Straßenbahn ausgestattet, war das Viertel von Anfang geplant. Noch aber scheitert die Vision der Verkehrswende an der Wirklichkeit. Anwohner fühlen sich dabei nicht mitgenommen, bemängeln fehlende Parkplätze – und haben eine Petition gestartet.

Mit dem Slogan „Ja zur Mobilitätswende, Nein zum Mobilitätsende!“ ist die Petition betitelt. Man wünsche sich für Franklin „realitätsbezogene Verkehrslösungen“ und vor allem eine Überarbeitung des als ungenügend wahrgenommenen Parkraumkonzepts. Laut diesem steht im neuen Stadtteil nur ein Stellplatz pro Haushalt zur Verfügung. Das ist nicht nur vielen berufstätigen Paaren und Familien zu wenig, sondern stellt auch für Besucher ein Problem dar. Nicht nur für private Gäste, sondern auch für Dienstleister: Handwerker würden bereits einen großen Bogen um Teile Franklins machen. Aufgrund fehlender Parkmöglichkeiten gelangten aber auch Sozialdienste nicht zu betreuenden Menschen, Hebammen nicht zu Schwangeren und Reinigungsdienste nicht zu Kunden, so der Vorwurf.

Keine Lust auf Knöllchen
Für viele Anwohner ist die Parksituation wohl nur noch mit Humor zu ertragen.
Für viele Anwohner ist die Parksituation wohl nur noch mit Humor zu ertragen.

„Ich hatte das selbst schon konkret, dass Handwerker ablehnten, da sie nicht parken können oder einen Strafzettel von 55 Euro in Kauf nehmen müssen. Selbst Paketfahrer bekamen schon ein Ticket“, erklärt Frank Fuhrmann, einer der Petitionsinitiatoren, der seit drei Jahren in Franklin-Mitte lebt. Dass er in ein autoarmes Viertel zieht, sei klar gewesen. „Ich will es auch nicht negativ reden, es gibt eine hohe Wohnqualität mit großen, grünen Flächen. Auch die Buslinie ist etabliert und wird gut angenommen. Nur das Parken klappt hinten und vorne nicht“, betont er.

Halteverbotsschilder sucht man in den korridorartigen, nach US-Präsidenten wie George Washington oder Franklin Roosevelt benannten Straßen meist vergebens. Dafür wird das Parkverbot an den Baustellen humorvoll und getreu der Vorgeschichte des Areals mit einem amerikanischem Augenzwinkern beschrieben. „You can’t park here, Mr. President!“ steht auf Transparenten geschrieben, dazu ist das Konterfei von Marylin Monroe abgebildet. „No Parking! Return to sender!“ grüßt auch Elvis an anderer Stelle.

Verblasste Parkmarkierungen
Der neue Stadtteil soll bald an das Straßenbahn-Netz angeschlossen werden.
Der neue Stadtteil soll bald an das Straßenbahn-Netz angeschlossen werden.

Lediglich am Stadtteil-Eingang aber gibt es den konkreten Hinweis, dass nur in den markierten Flächen zu parken ist. Diese aber sind durch den Baustaub mittlerweile oft verdeckt oder verblasst – und selten frei. Allerdings auch, da viele Haushalte ihren Zweitwagen darauf abstellen. Das ist auch den Initiatoren wie Fuhrmann klar. „Aber die meisten haben ein zweites Autos nicht zum Spaß“, sagt er. Sie seien durch ihren Job oder zugewiesene Kindergartenplätze in anderen Stadtteilen auch darauf angewiesen. In den ersten Jahren befand sich zudem auch noch kein Supermarkt im immer noch wie eine Großbaustelle wirkenden, inzwischen aber schon deutlich belebteren Stadtteil.

10.000 Menschen sollen hier einmal wohnen. Noch immer ragen viele gelbe Kräne in die Luft, Baulaster aber fahren nun seltener ein und aus. Mit einer Laufstrecke, Spielplätzen, Boulderturm zum Klettern und immer grüner werdenden Gärten entspricht nun vieles der Vision, mit der die Menschen zum Teil schon vor fünf Jahren einzogen. Manche mobilen Alternativen aber lassen noch auf sich warten. Wie das autonome Shuttle, das noch im Testmodus fährt, oder die Straßenbahn-Linie, die sich im Ausbau befindet – und durch Gleisarbeiten und aufgerissene Straßen für weitere Parkknappheit sorgt.

Einweihungsparty ausgefallen

Der Groß-Parkplatz am Platz der Freundschaft, sozusagen das Entree des neuen Stadtteils, diente lange als Besucher-Parkplatz, ist seit dem Einzug das Nationaltheaters ins alte Franklin-Kino aber auf eine Höchstparkdauer von drei Stunden begrenzt. „Da kann man kaum mal entspannt Leute zu sich einladen, wenn sie von weiter weg mit dem Auto anreisen müssen. Eine Einweihungsparty haben wir auch nach drei Jahren noch nicht gefeiert“, sagt Fuhrmann.

Gegen die Mobilitätswende habe er gewiss nichts, aber sie müsse bürgernah und mit Augenmaß sein, fügt der Anwohner hinzu. Fast 1000 Unterstützer hat die Petition für die Schaffung zusätzlichen Parkraums schon gewonnen – und ist somit auch in der Stadtpolitik angelangt. Die beiden OB-Kandidaten Thorsten Riehle (SPD) und Christian Specht (CDU) machten sich kürzlich selbst ein Bild und sollen Bereitschaft signalisiert haben, sich für die Forderungen der Bewohner einzusetzen.

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