Vorderpfalz
Keine Entspannung in Sicht in den Kliniken
Noch sind die Mediziner und das Pflegepersonal im Ludwigshafener Klinikum mit den Auswirkungen der Delta-Variante des Coronavirus beschäftigt, die bis Jahresanfang die Pandemie dominiert hat und zu schweren Krankheitsverläufen bei den Infizierten führen kann. Die Mehrheit der aktuell 45 Covid-Patienten im Klinikum ist immer noch an der Delta-Variante erkrankt. Sechs Menschen müssen auf der Intensivstation betreut werden, zwei Covid-Patienten werden von einer ECMO-Maschine am Leben gehalten. Der Apparat reichert das Blut des Patienten mit Sauerstoff an und übernimmt Atemfunktionsleistungen außerhalb des Körpers. Das Klinikum verfügt über fünf dieser künstlichen Lungen.
Im zweitgrößten Krankenhaus des Landes (1000 Betten, mehr als 3000 Mitarbeiter) gab es auf den Intensivstationen bei den schwerstkranken Patienten bisher nur vereinzelte Omikron-Fälle. Die neue Virusvariante macht laut Landesuntersuchungsamt mittlerweile 98,5 Prozent aller Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz aus. Entspannt sich deshalb in den Kliniken die Lage? „Es ist noch zu früh, um eine Beurteilung abzugeben, aber für den Moment sieht es so aus, als würde die Omikron-Welle insgesamt mit einem weniger schweren Krankheitsverlauf einhergehen. Auf unseren Normalstationen vermerken wir aber in den letzten sieben Tagen einen kontinuierlichen Anstieg an Covid-Patienten“, berichtet eine Klinikum-Sprecherin.
200 Mitarbeiter in Quarantäne
Omikron ist ansteckender als die Delta-Variante und breitet sich sehr schnell aus. Das bekommt das Klinikum beim Krankenstand seiner Mitarbeiter zu spüren – und dies, obwohl die Impfquote der Mitarbeiter nahezu 97 Prozent beträgt. Lediglich etwas über 100 Mitarbeiter sind nach Angaben der Klinik bisher ohne Impfung. „Wir haben zirka 200 infizierte Mitarbeiter in Quarantäne, hinzu kommen noch weitere, die aufgrund der Betreuung infizierter Kinder zu Hause bleiben müssen. Die Zahlen sind besorgniserregend. Selbst als großes Haus mit einem zahlenstarken Team, wie wir es sind, werden wir gerade empfindlich getroffen. Insbesondere Eltern von Kindergarten- und Schulkinder sind zur Zeit stark gefährdet und fallen aus“, sagt die Klinikum-Sprecherin.
Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther betont daher: „Von einer Entspannung für die Krankenhäuser kann keinesfalls die Rede sein. Haben wir bis vor wenigen Tagen noch um eine hohe Zahl schwerstkranker Covid-Patienten gekämpft, scheint zwar aktuell unter der Omikron-Welle die Infektion milder zu verlaufen, dafür nimmt die Anzahl quarantänisierter Mitarbeiter aufgrund innerfamiliärer Infektion stark zu. Das ist eine andere, neue Herausforderung und führt abermals dazu, dass wir als Krankenhäuser stark belastet sind.“
Auf Intensivstation fehlt Personal
Auch in Frankenthal sorgt Omikron für Ausfälle. Bei den häufigen Routinetestungen des Personals gebe es immer wieder positive Ergebnisse, so dass symptomfreie Pflegekräfte und Ärzte in Quarantäne gehen müssten, teilt die Stadtklinik mit. Das betreffe derzeit ein Dutzend der 700 Mitarbeiter. Noch sei der Scheitelpunkt der Omikron-Welle nicht erreicht, warnt auch Matthias Münch, Ärztlicher Direktor des 320-Betten-Hauses. „Während die sogenannte Delta-Welle dafür sorgte, dass die Intensivstationen durch Beatmungspatienten stark belastet wurden, droht Omikron das Krankenhauspersonal durch Quarantäne- und Krankheitsausfälle zu überlasten.“
Auf der Intensivstation der Stadtklinik liegt derzeit ein Covid-Patient, der invasiv beatmet wird. Zehn der zwölf Intensivbetten könnten derzeit aufgrund der Personalsituation maximal genutzt werden. Weitere elf Infizierte werden auf der Covid-Station versorgt, die damit etwa zur Hälfte belegt ist. Mit welcher Virusvariante sich die Patienten angesteckt haben, darüber habe man keine gesicherten Erkenntnisse. „Es liegen uns keine vom Labor offiziell bestätigten Omikron-Fälle vor“, heißt es auf Nachfrage. Da mittlerweile jedoch über 90 Prozent der in Deutschland auftretenden Fälle auf die Omikron-Variante zurückzuführen seien, gehe man davon aus, dass das auch für die jüngsten Krankenhausaufnahmen gelte. Die Verläufe seien in diesen Fällen vergleichsweise mild, sie müssten nicht intensivmedizinisch behandelt werden.
Auch in der Verwaltung sorge die Pandemie für Mehrarbeit. Monika Röther, Kaufmännische Direktorin der Stadtklinik, verweist auf die sich häufig ändernden rechtlichen Rahmenbedingungen. Das sei mit sehr hohem bürokratischen Aufwand verbunden. „Hier spüren wir als Klinik die administrative Belastung in allen Bereichen, da die Dokumentationen und Datenlieferungen für Patienten- und Mitarbeiter sehr aufwendig sind.“
Ungeimpfte Patienten
Am Speyerer Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus verzichtet man laut Sprecherin Barbara Fresenius wegen der angespannten Lage in den Labors aktuell auf die Sequenzierung bei positiven PCR-Tests. Wie hoch der Anteil der Omikron-Variante bei den Covid-Patienten im „Diak“ ist, ist daher nicht klar. „Wir gehen aber davon aus, dass Omikron mittlerweile dominiert“, so Fresenius. In der größten Geburtsklinik des Landes werden 18 Patienten wegen Covid behandelt – allerdings keiner auf der Intensivstation. 14 von ihnen sind nach Auskunft der Sprecherin ungeimpft, die anderen vier verfügen über einen vollständigen Impfschutz. Rund ein Drittel der Covid-Patienten sei tatsächlich wegen des Coronavirus in die Klinik gekommen. Bei den anderen sei die Infektion erst später festgestellt worden. Die Ausfallquote beim Krankenhauspersonal liegt mit elf Prozent aktuell höher als zuletzt, teilt Fresenius mit.
Dass die Omikron-Variante weniger schwere Krankheitsverläufe verursacht bestätigt am Freitag auch Cornelia Leszinski, Ärztliche Direktorin und Chefärztin an der zweiten großen Speyerer Klinik, dem St.-Vincentius-Krankenhaus. „Nicht nur in unserem Haus geht die Zahl der Intensivpatienten mit einer Covid-19-Erkrankung trotz der immens hohen Infektionszahlen zurück.“ Allerdings erwarte die Medizinerin mit zeitlicher Verzögerung eine Zunahme der Patientenanzahl auf der Normalstation. Dort werden aktuell sieben Patienten wegen einer Corona-Infektion behandelt. Ein Patient sei mit der Delta-Variante infiziert und „schon seit längerem in kritischem Zustand“. Er müsse auf der Intensivstation beatmet werden. Bei den Mitarbeitern sorge Omikron derweil immer häufiger für Ausfälle, die sich meist auf Ansteckungen im familiären Umfeld zurückführen ließen. „Das betrifft vor allem Familien mit Kindern. Auch hier befürchten wir eine weitere Zunahme“, teilt Leszinski mit.