Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Hinter Linien: Klaus Zolondowski illustriert die Geschichte eines Mörders

Der Duft des Marillenmädchens zieht den verschrobenen Jean-Baptiste Grenouille an.
Der Duft des Marillenmädchens zieht den verschrobenen Jean-Baptiste Grenouille an.

Sein Markenzeichen sind dürre Striche, die von den Unebenheiten des Papiers kunden und den Pulsschlag des Künstlers aufnehmen: Der Berliner Klaus Zolondowski hat die Geschichte eines Mörders illustriert und erhält dafür im Oktober den Otto-Ditscher-Preis des Rhein-Pfalz-Kreises. Es ist die Anerkennung eines Spätberufenen, der zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen hatte.

„Vor ein paar Jahren hätte ich noch nicht daran gedacht, mich an einem Buchillustrations-Wettbewerb zu beteiligen“, erklärt der 70-Jährige. „Aber seit etwa drei Jahren beschäftige ich mich sehr intensiv mit Illustrationen und bin jetzt in der Materie drin.“ Begonnen hat Klaus Zolondowski einst als Chemielaborant. „Ich habe in einer ähnlich großen Fabrik gelernt wie die BASF“ - in den Chemischen Werken Hüls. 1972 sei er dann, um der allgemeinen Wehrpflicht zu entgehen, nach Berlin gezogen, wo er schließlich Chemie studierte. „Es wurde mir aber immer fader, immer langweiliger. Ein Chemiker sitzt den ganzen Tag nur am Schreibtisch und überlegt sich, wie er seine Laboranten beschäftigt“, schmunzelt er. „Ich habe dann mit 35 Jahren ein Kunststudium begonnen. Aber für eine große Karriere ist man da schon zu alt.“

Die tollsten Fantasien ausbremsen

Auf große Tafel- und Materialbilder, Skulpturen, Plastiken und Objektkunst lässt Zolondowski seit etwa 2000 vermehrt kleinere Bildformate und Papierarbeiten folgen. Für den Wettbewerb um den Otto-Ditscher-Preis suchte er sich aus drei zur Auswahl vorgegebenen literarischen Texten Patrick Süskinds 1985 veröffentlichten und 2006 verfilmten Best- und Longseller „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“ aus. Zunächst fertigte er fünf Illustrationen. „Das Thema lag mir“, erklärt der Künstler sich nun seinen Erfolg. „Es fiel mir viel dazu ein. Ich hatte die tollsten Fantasien, und ich musste mich sogar bremsen, eben weil die nur fünf Zeichnungen haben wollten.“ Mittlerweile hat Zolondowski die Bilderserie fortgeführt und möchte den ganzen Roman illustrieren. Für die Ausschreibung wählte er einzelne Passagen des 300-Seiten-Werkes aus, „und dann habe ich versucht, die Gefühle darzustellen, die ich bei diesen Textpassagen hatte“.

Der Mann mit dem Glaskolben

Entstanden sind der Vorlage entsprechend düstere, vorwiegend in Braun- und Grautönen gehaltene Aquarelle, die den inselbegabten „Parfum“-Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille kahlköpfig und mit tiefen, dunklen Augenhöhlen zeigen, Bilder seiner Geburt „am allerstinkendsten Ort“ des französischen Königreichs, unter dem Schlachttisch einer Fischbude, seine Begegnung mit dem verführerisch duftenden und demgemäß farbig leuchtenderen „Mirabellenmädchen“ oder an einem rötlich gefüllten Glaskolben mit Schlangenkühler bei der Destillation. Senkrechte Linien lassen die Szenerien wie in Nacht und Nebel oder als verborgenen Blick durch die Gardine erscheinen. „Das ist die Handschrift des Künstlers und mein besonderes Markenzeichen“, merkt Zolondowski dazu an, der bereits seit etwa zwei Jahrzehnten eine Vielzahl seiner Bilder mit dünnen Linien überzieht. „Sie sind nie gerade. Immer vom Pulsschlag und den Unebenheiten des Bildgrundes zittrig gezogen und dadurch emotional aufgeladen“, erläutert er.

Drastische Kinderreime

Gerade in diesen Tagen erst ist sein erstes Buch „Maikäfer flieg!“ (treppe b Galerie & Verlag, 88 Seiten) erschienen. Zum Teil drastisch bebilderte Kinderreime und Strophen aus alten deutschen Kinderliedern, die der so genannten „Schwarzen Pädagogik“ zuzurechnen sind, die auf die Bedrohung und Einschüchterung der Zöglinge setzte: „Schlaf, Kindle, schlaf! / Der Tod sitzt auf der Stange. / Er hat ein weißen Kittel an, / Er will die bösen Kinder han. / Schlaf, Kindle, schlaf!“ Auch hier rastern dunkle, dürre Linien die allermeisten Bilder und lassen alles Düstere noch düsterer erscheinen.

Mit seinen Einreichungen zu Süskinds „Parfum“, „technisch versierten und stimmungsvollen Zeichnungen“, sei es Zolondowski „gelungen, den vielschichtigen Roman in einer stilistisch geschlossenen Form zu durchdringen“, urteilte die zehnköpfige Jury des Otto-Ditscher-Preises. Seit 1978 vergibt der Rhein-Pfalz-Kreis alle vier Jahre diesen Preis für Buchillustration. Am 10. Oktober wird die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung an den Berliner Künstler Klaus Zolondowski verliehen. Ein Anerkennungspreis ergeht zudem an die niederbergische Künstlerin Uta Clemens für ihre Illustrationen des südkoreanischen Romans „Die Vegetarierin“ von Han Kang. Die Auszeichnungen erinnern an den Neuhofener Künstler Otto Ditscher (1903 – 1987), der eine intensive Beziehung zur Pfalz pflegte, in der sein Schaffen verwurzelt war.

 Die Destillation.
Die Destillation.
Klaus Zolondowski hatte mit 35 Jahren ein Kunststudium begonnen.
Klaus Zolondowski hatte mit 35 Jahren ein Kunststudium begonnen.
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