Menschen aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Heinz Kerth ist seit seiner Kindheit Mitglied im Schwimmverein 07

Heinz Kerth hat eine alte LSV-Beitragskarte aufbewahrt. Der Vereinsbeitrag, der damals bar kassiert wurde, betrug 60 Pfennige pr
Heinz Kerth hat eine alte LSV-Beitragskarte aufbewahrt. Der Vereinsbeitrag, der damals bar kassiert wurde, betrug 60 Pfennige pro Monat.

Der Friesenheimer Heinz Kerth ist schon als Zehnjähriger Mitglied im Ludwigshafener Schwimmverein 07 gewesen. Voller Dankbarkeit denkt der Senior nach vielen Jahrzehnten an seine Anfangszeit im Verein zurück. Durch viel ehrenamtliches Engagement hat er das zurückgegeben, was er in der Gemeinschaft als Jugendlicher Gutes erfahren hat.

Heinz Kerth erinnert sich noch genau an den Moment, als er beim Schwimmen im Willersinnweiher einen lauten Pfiff vernahm. Sein erster Gedanke: „Ach je, was habe ich jetzt verbrochen?“ Die Pfeife des LSV-Bademeisters Hildebrand war der Jugend bestens bekannt. Beim Hochschauen hörte er ungläubig: „Am Dienstagabend, 6 Uhr, kommst du zum Training!“ Das sei der Anfang einer sehr schönen Zeit gewesen, erinnert sich der heute 84-Jährige und lächelt. Die älteren Schwimmer nahmen sich sogleich des Neuankömmlings an.

Dazu fällt dem rüstigen Mann mit dem vollen weißen Haar sogleich eine Anekdote ein. „Wenn im Feld gegenüber Karotten oder weiße Rüben gepflanzt waren, sind wir hinüber geschwommen, haben so viel in die Badehose gestopft, wie hineinging, und sind dann vor dem Feldschütz und dessen Hund davongerannt. Die Beute wurde mit allen geteilt, so war das immer“, erzählt er.

Selbstgestrickte Badehose

Auch an seine erste Badehose erinnert sich der Friesenheimer: Seine Mutter habe einen alten Wollpullover aufgezogen und strickte ihrem Junior daraus die Schwimmbekleidung. „Das war nach dem Krieg, es war einfach kein Geld da“, sagt er etwas nachdenklich.

74 Jahre ist das mittlerweile her, und noch immer hat der Schwimmverein eine sehr hohe Priorität im Leben von Heinz Kerth. 1973 fand er es an der Zeit, ein Stück davon, was ihm der Verein an Schönem gegeben hatte, wieder zurückzugeben. 24 Jahre lang übernahm er im Vorstand verschiedene Aufgaben. Das begann 1973 mit dem Amt als Pressewart. „Die Fahne“ hieß damals die Vereinszeitung. Viermal im Jahr las man die Berichte mit den zugehörigen Fotos. Mit der Schreibmaschine getippt, dann ging's zur Druckerei – und „alles ohne Computer“, wie er betont. Ab 1979 wurde Kerth Schriftführer, und ab 1983 ließ er sich zunächst zum stellvertretenden, 1987 dann zum ersten Vorsitzenden wählen. Sein Bestreben war es, ein Bad für alle Mitglieder, nicht nur für den Schwimmsport, zu gestalten.

Training in der Mittagspause

Bis nach Pirmasens, Alzey und später nach Bingen haben die Schwimmwettkämpfe damals die Mannschaft geführt. „Das war noch ein Zusammenhalt“, bekräftigt der Sportler, „ein älterer Kollege hat mich nach einem operativen Eingriff auf dem Gepäckträger zum Wettkampf mitgenommen, damit ich wenigstens am Beckenrand dabei sein konnte.“

Als 14-Jähriger sei er zur Ausbildung im medizinischen Bereich in die BASF gefahren. Für Wettkämpfe habe er vor der Arbeit, in der Mittagspause und am Feierabend im Weiher trainiert. „Wenn uns kalt war, haben wir uns auf der Straße auf den Asphalt gelegt, zum Aufwärmen.“ Kerth schmunzelt beim Erzählen: „Damals fuhren vielleicht zwei Autos pro Stunde die Langgartenstraße entlang“, ergänzt er.

Sportnadel und Ehrentafel

Aber nicht nur das Schwimmen hatte es dem vielseitigen Sportler angetan. Nach dem Schwimmtraining ging er direkt zum Wasserball weiter, was wie noch heute im Verein angeboten wurde. Eine weitere Leidenschaft war Faustball. Mit zwischenzeitlich 30 Lenzen und zwei kleinen Söhnen bot sich die Seniorenmannschaft an, selbstredend auch im gleichen Verein, da dieser Sport nicht so trainingsintensiv war.

Kerth erhielt zahlreiche Ehrungen für sein ehrenamtliches Engagement. Darunter die Sportnadel und später die Ehrentafel für Verdienste um den Sport. Seit 1998 ist er Ehrenmitglied in „seinem Verein“. Als die BASF aus Kostengründen eine firmeneigene Gymnastikgruppe nicht mehr finanzierte, hat Kerth sie in Eigenregie weitergeführt. Inzwischen tut er das seit 43 Jahren. Die Bronzene Eule ist eine weitere Auszeichnungen, unter anderem für sein Engagement in der Kanarienvogelzucht. Das alles neben seiner 25-jährigen Leitungsposition in der ärztlichen Abteilung der BASF.

Wehmütig die Fahne gehisst

In allen Bereichen ist es die Ausdauer, die Kerths Leben bestimmt. „Das wäre nie möglich gewesen ohne die Frau an meiner Seite“, gibt er freimütig zu. 59 Jahre sind Marliese Kerth und ihr Heinz verheiratet. Und noch immer sei er froh, in ihr diese verständnisvolle Gesprächspartnerin zu haben, ist der 84-Jährige dankbar.

Aber das liebste Hobby sei noch immer sein Ludwigshafener Schwimmverein 07. Als sein Ein und Alles bezeichnet er die Truppe. Wehmütig und fast ganz alleine hat Kerth am 1. Mai traditionell die Fahne auf dem Gelände gehisst, mit dem Hausmeister und dessen Familie das Eröffnungsgedicht verlesen. Man ahnt es: Das Virus war schuld. „Eine komische Situation, wie ich meine, drum hisse ich die Fahnen halt alleine“, stellt der Friesenheimer pragmatisch fest.

Schöne Jugendzeit: Heinz Kerth (hockend, Zweiter von links) mit seinen Vereinskollegen.
Schöne Jugendzeit: Heinz Kerth (hockend, Zweiter von links) mit seinen Vereinskollegen.
Das LSV-Gelände – damals noch mit einem Sprungturm neben dem heutigen Wasserballfeld.
Das LSV-Gelände – damals noch mit einem Sprungturm neben dem heutigen Wasserballfeld.
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