Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Grenzwertige Studien und verschwommene Öffnungszeiten

Eine (fast) zubetonierte Stadt im Geiersturzflug.
Eine (fast) zubetonierte Stadt im Geiersturzflug.

Studie und „Metropol“: Mutig

Man muss ja nicht immer alles negativ sehen. Grund dafür ist die jüngste Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Demnach ist Ludwigshafen mit 67 Prozent die meistversiegelte Stadt bundesweit. Stimmt vielleicht, mag man mit Blick auf das rund zehn Quadratkilometer verbaute BASF-Werksgelände denken. Aber Ludwigshafen steuert der Flächenversiegelung auch entgegen. So macht das „Metropol-Loch“ am Berliner Platz in dieser Hinsicht ein bisschen Mut, denn positiv ausgedrückt sind an dieser Stelle mitten im Zentrum seit Jahren rund 900 Quadratmeter zuvor jahrzehntelang zubetonierte Grundfläche nun entsiegelter Mutterboden. Und das ist doch irgendwie eine gute Nachricht, oder?

Studie und Methodik: Grenzwertig

Der Aufschrei von Naturschützern nach der Veröffentlichung der GDV-Studie ist groß und grundsätzlich berechtigt. Weil der Klimawandel uns alle – hoffentlich auch die Stadtverwaltung – dazu zwingt, umzudenken. Es muss massiv gegengesteuert werden, sonst hält die Hitze in der Innenstadt im Sommer keiner mehr aus. Oder Extremwetterlagen richten unfassbare Schäden an. Mehr Bäume, weniger Beton, weniger Gebäude, mehr Grün – so könnte man das Ganze ökologisch wertvoll zusammenfassen.

Keinen Aufschrei gab es hingegen hinsichtlich der Methodik der Studie. Denn solche Ergebnisse taugen halt auch nur dann was, wenn sie saubere Grenzen ziehen. Dass Ludwigshafen tatsächlich die am stärksten versiegelte Stadt der Republik ist – daran kann man nämlich berechtigte Zweifel haben, wenn man genau hinschaut. Ein Anruf der RHEINPFALZ beim GDV offenbarte schon mal den ersten Lapsus. Denn zunächst war auch Rheinland-Pfalz als das am stärksten versiegelte Bundesland geführt: mit einer Versiegelungsrate von über 66 Prozent. Stimmte aber nicht, sind nur 47 Prozent, was nach dem Hinweis schnell korrigiert wurde.

Und was Ludwigshafen angeht: Da muss einen folgende Anmerkung des GDV stutzig machen: „Anders als in der Studie von 2018 berücksichtigte die Untersuchung nur die Siedlungsgebiete statt der gesamten Stadtgebiete.“ Aha. Ein Blick auf die sogenannte Versiegelungskarte zeigt dann auch schonungslos die Schwäche der Studie auf: Wer die Betonwüste BASF als Siedlungsgebiet definiert, nicht aber das Maudacher Bruch oder andere Grünflächen außerhalb einbezieht, der muss in Ludwigshafen zwangsläufig auf einen hohen Wert kommen. Weniger Schottergärten und mehr Dachbegrünungen sind dennoch sinnvoll.

Freibadsaison: Verschwommen

Ende des Monats beginnt die Saison im Freibad am Willersinnweiher. Ab Samstag, 27. Mai, ist die beliebte Freizeitstätte wieder geöffnet. Leider deutlich später als andere Bäder in der Region. In Frankenthal und in Speyer zum Beispiel können Schwimmer schon ab 18. Mai ihre Bahnen unter freiem Himmel ziehen. Dabei hatte die Ludwigshafener Stadtverwaltung auf eine Anfrage der RHEINPFALZ behauptet, dass eine Verkürzung der Saison auf drei statt vier Monate gar nicht geplant sei. Das ist geflunkert, – oder das Bad bleibt 2023 länger geöffnet als bisher. Im Jahr 2022 war schon am 7. September Feierabend. Wenn die Saison in diesem Sommer also tatsächlich wie versprochen vier Monate dauern soll, dann dürfte frühestens am 27. September abgeschwommen werden. Wir behalten das im Auge!

x