Meinung aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Freiwilligentag in der Metropolregion: Susanne Ziegler verrät, warum sich anpacken lohnt

Anpacken, mithelfen: So sah es bei einem Freiwilligentag der vergangenen Jahre aus.
Anpacken, mithelfen: So sah es bei einem Freiwilligentag der vergangenen Jahre aus.

Während des Interviews in Susanne Zieglers Büro klingelt mehrmals das Telefon. Die 56-Jährige ist gefragt. Schließlich koordiniert die Ehrenamtsbeauftragte der Stadtverwaltung quasi im Alleingang die Ludwigshafener Projekte beim Freiwilligentag der Metropolregion Rhein-Neckar. Der ist am 19. September, weitere Helfer sind willkommen.

Was bedeutet die Corona-Pandemie für den Freiwilligentag?
Darüber habe ich mir zuerst auch Gedanken gemacht und bin dann zu dem Schluss gekommen: Corona ist für den Freiwilligentag eigentlich kein großes Problem. Dann gibt es eben keine Indoor-, sondern nur Outdoor-Projekte. Man kann ja mit genug Abstand arbeiten. Außerdem gibt die Metropolregion Masken für die Teilnehmer aus. Und es gibt dieses Jahr, quasi als Bonbon, Musik.

Wie soll das aussehen beziehungsweise klingen?
Straßenmusiker spielen auf mehreren Flächen am Rhein, wo zuvor BASF-Mitarbeiter in der Nähe bei ihrem Projekt Plastikmüll eingesammelt haben. Außerdem haben wir „Rent an Artist“ in Kooperation mit dem Kulturbüro mit Künstlern wie Olaf Schönborn, Gringo Mayer und Laurent Leroi. Sie treten bei Einrichtungen auf, die durch Corona Nachteile hatten. In den Altenheimen durften die Leute ja keinen Besuch kriegen. Und die Musiker selbst konnten auch eine Zeit lang nicht auftreten. Im städtischen Altenheim in Friesenheim gibt es Kaffeehausmusik und gleichzeitig gärtnern Angehörige der Bewohner. In der Prinzregentenstraße gibt es Ausschnitte aus dem Musical „Fame“ vom Pfalzbau.

Es wird also ein besonderer Freiwilligentag – wobei ja schon besonders ist, dass er in diesen Zeiten überhaupt stattfindet.
Ja. Weil ich vorher bei der Corona-Koordination der Stadtverwaltung mitgearbeitet habe, konnte ich auch erst im Juli angefangen, die Projekte, die ich aus den Vorjahren kenne, anzurufen. Und wir haben, Stand heute, schon 48 Projekte zusammen. Die Leute waren die ganze Zeit in ihrer Bude, die wollen jetzt endlich mal wieder raus und draußen etwas machen. Zum Beispiel in der Kindertagesstätte ein Gerätehaus aufbauen. Dafür habe ich heute gerade jemanden vermittelt.

Viele machen über ihren Verein oder Arbeitgeber beim Freiwilligentag mit, richtig?
Ja. Erstaunlich ist aber, dass sich in diesem Jahr plötzlich auch einzelne Bürger über die Internetseite anmelden. Das war in den vergangenen Jahren höchstens eine Hand voll. Wobei: Es gibt natürlich auch Fans, die jedes Mal dabei sind, zum Beispiel zwei Schwestern, die sind um die 70. Sie machen immer mit.

Wie viele Helfer werden insgesamt in Ludwigshafen gebraucht?
900 Helfer.

Was ist das größte Projekt?
Die BASF mit 150 Teilnehmern. Sie sind am Rhein in Sachen Plastikmüll unterwegs und einzelne Teams aus dem Unternehmen auch bei anderen Projekten, etwa auf dem Schulhof der Gräfenauschule im Hemshof.

Wo werden noch die meisten Helfer gesucht?
Beim Kinderparadies schwächelt es noch. Da sollen die Picknickbänke angeschliffen und lasiert werden. Was auf keinen Fall schadet, wäre, wenn es noch mehr Musikangebote gäbe, die vor Alten-Einrichtungen spielen. Bei den Projekten dazu gekommen ist in diesem Jahr zum Beispiel auch die Radrennbahn in Friesenheim, wo 25 Teilnehmer gemeinsam den Zaun erneuern sollen.

Es gibt auch wieder ein paar sehr ungewöhnliche Projekte. Im Maudacher Bruch soll Ludwigshafens erste Biotoilette gebaut werden.
Der Orbea-Arbeitskreis für Ornithologie hat dort ein Vortragshaus. Die Leute kommen zu den Veranstaltungen von weit her. Deshalb ist es notwendig, dass es dort, mitten in der Natur, eine Toilette gibt. Das wird eine coole Sache.

Und es gibt auch für alle Teilnehmer wieder die blauen Helfer-Shirts?
Natürlich! Aus den übriggebliebenen der Vorjahre wurden Masken genäht.

Wie lange sind Sie schon bei der Organisation des Freiwilligentags dabei?
Von Anfang an, also seit 2008. Ich war bei der Stadt unter anderem für Teamevents mit Firmen zuständig, als überraschend der Freiwilligentag dazu kam. Ich hatte damals schon eine vierwöchige Vietnam-Reise gebucht, als die Nachricht eintraf. Also saß ich dann in Vietnam vor dem Rechner und habe das organisiert. Es ist inzwischen ein Seelenprojekt von mir.

Sie haben den Freiwilligentag schon häufiger als Ihr „Baby“ bezeichnet. Was begeistert Sie so daran?
Die Begeisterung, die man bei den Leuten auslösen kann und die Freude. Auch die Ideen, die entstehen. Und dass die Leute nicht „Was habe ich davon?“ denken. Genial ist auch, wenn sie anschließend hängen bleiben. Sie helfen zum Beispiel an diesem Tag im Tierheim und merken dabei, dass man dort regelmäßig Hunde ausführen kann.

Hat das ehrenamtliche Engagement in den vergangenen Jahren Ihrer Meinung nach eher zu- oder abgenommen?
Mein persönliches Ziel ist es, dass sich die Leute über die Stadtgesellschaft hinweg beteiligen. Aber es ist ein spezielles Alter, das sich fürs Ehrenamt interessiert. Zum Beispiel die Menschen, bei denen die Kinder aus dem Haus sind. Junge kriegt man teilweise, aber nur schwer. Die sind unter der Woche woanders engagiert. Es gibt also Personengruppen, die man noch akquirieren muss.

Zur Sache: Der Freiwilligentag

Am Samstag, 19. September, packen freiwillige Helfer wieder in der gesamten Metropolregion an. „Wir schaffen was“ ist auch beim siebten Freiwilligentag das Motto. Sich für ein Projekt anmelden und mitmachen kann jeder. Aktionen gibt es neben Ludwigshafen unter anderem auch im Rhein-Pfalz-Kreis, in Mannheim und Heidelberg, wobei Ludwigshafen laut der Ehrenamtsbeauftragten Susanne Ziegler die meisten Projekte stellt. Außenanlagen von Schulen, Kindergärten und Altenheimen werden verschönert, die Umwelt wird von Müll befreit. Kaputtes und Altes wird erneuert, es wird geputzt und gepflanzt. Alle Projekte stehen im Netz unter www.wir-schaffen-was.de. Dort kann man sich auch noch dafür anmelden.

Susanne Ziegler
Susanne Ziegler
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