Ludwigshafen
Filmfestival: Veranstalter bezahlt Baubegleitung
Ist die Parkinsel der richtige Standort für das dort seit 2005 ausgetragene Festivals des deutschen Films? Diese Frage beantwortete die deutliche Mehrheit des Hauptausschusses am Montagabend mit einem klaren Ja. Das Kinoereignis in dem 28 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet werteten alle Fraktionen als Aushängeschild und kulturellen Leuchtturm für die Stadt. Sogar von einer Veranstaltung „auf Weltniveau“ war vereinzelt die Rede.
Dass es dennoch immer wieder Gesprächsbedarf gibt, zeigt, dass das Ja des Gremiums keines ohne Wenn und Aber ist. Daher wurde nach längerer Debatte ein SPD-Prüfantrag an die Verwaltung gebilligt: mit zwölf Ja-Stimmen, bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme. Abgelehnt wurde ein Änderungsantrag der Linkspartei, die einen schrittweisen Rückbau des Festivals auf das Niveau des Premierenjahrs forderte, als rund 10.000 Besucher kamen. 120.000 waren es im Rekordjahr 2019 – noch vor der Pandemie, halb so viele im Vorjahr.
„Auflagen einhalten“
Die bis 2019 stetig gestiegene Resonanz unterstreiche die Erfolgsgeschichte des Festivals, sagte SPD-Sprecher David Guthier. Nach der Berlinale ist das Ludwigshafener Festival inzwischen das zweitgrößte unter rund 400 Festivals bundesweit. Allerdings sei nun die Grenze des Wachstums erreicht, um einen Ausgleich der Interessen von Kultur auf der einen und der Natur sowie der Anwohner auf der anderen Seite zu gewährleisten. Es gehe darum, die langfristige Zukunft der Veranstaltung in Ludwigshafen zu sichern. Die 18. Ausgabe findet vom 24. August bis 11. September statt. Mit Blick darauf betonte Guthier: „Die Auflagen müssen eingehalten werden. Das war in den Vorjahren nicht immer der Fall.“
In dem SPD-Antrag wird unter anderem eine Obergrenze für die bespielbare Fläche (aktuell 9000 Quadratmeter) gefordert, ein festgelegter Zeitraum für Auf- und Abbau, eine Festivaldauer von maximal drei Wochen, geregelte Anfahrtswege für Lkw, eine Überwachung der Vorgaben durch die Stadt sowie ein kontinuierlich zu verbesserndes Anreise-, Verkehrs- und Parkkonzept. „Es kann nicht sein, dass ein halber Fuhrpark des Veranstalters vor der Schneckennudelbrücke steht“, sagte Guthier.
Debatte bei Ortstermin
Wie andere Politiker war er am 26. März bei einem Ortstermin auf der Parkinsel dabei, zu dem eine Bürgerinitiative (BI) eingeladen hatte. Rund 60 Teilnehmer verfolgten eine durchaus emotionale Debatte. Im Vorfeld hatte der von der Anwohner-BI um eine Expertise gebetene Forstwissenschaftler Volker Ziesling im RHEINPFALZ-Interview gesagt, dass ein Großereignis wie das Filmfestival mit dem Naturschutz nicht vereinbar sei, ohne nachhaltige Schäden zu verursachen. Er schlug als Alternativstandort den Ebertpark vor, was sowohl die Stadt als auch die Festival GmbH ablehnen.
Im Mai soll es ein weiteres „fachliches Gespräch“ in kleinerer Runde mit der BI geben, informierte Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos). Wie andere Politiker lobte er die Kompromissbereitschaft von Festivaldirektor Michael Kötz, der Mitte März ein Ende des Wachstums, verkürzte Auf- und Abbauzeiten sowie einen Rückbau der Kinozelte (von vier auf drei) angekündigt, aber auch betont hatte: Der Standort Parkinsel sei „unverzichtbar“ für den Festivalerfolg. Laut Thewalt will Kötz Ende April einen präzisen Aufbauplan vorlegen. Dieser müsse „zwingend eingehalten“ werden, verdeutlichte Thewalt.
Das Festival werde seit seinem Start eng von der Stadt begleitet, sagte Gabriele Bindert als Leiterin des Grünflächenamts. Die Austragung des Festivals vor Ort sei auch unter Gesichtspunkten des Naturschutzes vertretbar. „Das war noch nie eine ökologisch wertvolle Fläche“, sagte sie zur Festivalwiese, in deren Pflege die Stadt im Nachgang einiges investiere.
OB: Sind auf einem guten Weg
„Wir sind auf einem guten Weg“, meinte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) zu den Gesprächen mit BI und Festival GmbH. Ordnungsdezernent Andreas Schwarz (SPD) sagte, das Parkleitsystem der Vorjahre habe sich bewährt und werde – falls notwendig – weiter optimiert. Die Parkhäuser der Walzmühle (Yorckstraße) und der BASF (Pfalzgrafenstraße) würden gut genutzt.
Kommentar: Reden statt totschweigen
Auch wenn es grotesk klingen mag: Die jährliche Debatte ums Festival sichert letztlich dessen Zukunft.
Ja, das Filmfestival ist ein Riesengewinn für Ludwigshafen, der Standort Parkinsel zweifellos ein Erfolgsgarant. Und nein, die jährlichen Debatten um den Standort sind weder überflüssig noch sinnlos. Sie müssen geführt werden und tragen letztlich dazu bei, dass die Zukunft der bundesweit beachteten Veranstaltung vor Ort gesichert wird. Jede von der Stadt moderierte Diskussion zwischen den Vertretern unterschiedlicher Interessen beweist letztlich, dass alle Anliegen ernst genommen und – so gut das eben geht – berücksichtigt werden. Nur so schafft man Akzeptanz: unter den Anwohnern, den Naturschützern und den Machern dieses herausragenden Kulturevents.