Ludwigshafener Geschichte(n)
Denkmal für Dulz
Man schrieb den 31. Januar 1968, als sich die Welt der Fußball-Fans der Oberstufenschüler des Max-Planck-Gymnasiums auf einen Schlag radikal veränderte. Der amtierende Deutsche Champion Eintracht Braunschweig traf im Viertelfinale des Europacups der Landesmeister auf Juventus Turin. In der 37. Minute traf Hans-Georg Dulz, der Mittelstürmer der Niedersachsen, zum 2:1. Ein Klasse-Tor! Am Ende siegte die Elf von Trainer Helmuth Johannsen mit 3:2. Dank Dulz.
Unbeschriebenes Blatt
Zur damaligen Zeit gab es jede Menge Beckenbauer- oder Seeler-Fan-Clubs. Spieler von Bayern München, 1860 München, Borussia Dortmund oder Hamburger SV standen in der Hitliste der Popularität ganz oben. Und natürlich gehörten die meisten Herzen der Ludwigshafener dem 1. FC Kaiserslautern. Die Mannschaft von Braunschweig stand da eher im Abseits, die Meisterschaft kam völlig unerwartet, Hans-Georg Dulz war ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Er war nicht unbedingt als gefürchteter Torjäger in Erscheinung getreten, von 1965 bis 1968 standen gerade mal 15 Treffer ins gegnerische Netz zu Buche.
Plötzlich im Rampenlicht
Doch dann änderte sich für die Braunschweiger Sturmspitze in einem Moment alles. Schuss, Tor! Gegen Juventus – ein europäisches Top-Team. Dulz stand plötzlich im Rampenlicht. Und seine Leistung im Spiel gegen die hoch favorisierten Italiener fand in den Augen der Max-Planckler in der Öffentlichkeit und in den Medien keine angemessene Würdigung. Folgerichtig war die einhellige Meinung der Oberstufenschüler, dass ein Hans-Georg-Dulz-Fanclub gegründet werden muss.
Irgendwann im „Kicker“
Die Idee wurde in die Tat umgesetzt. „Wir haben uns damals für diesen eher ungewöhnlichen Schritt entschieden, damit auch einmal nicht die Superstars der Szene ihre Anhängerschar bekamen, sondern auch andere Kicker, deren Name nicht immer in aller Munde war“, berichtet Manfred Hofen, Dulz-Club-Mitglied jener Tage. „Am Anfang war eigentlich alles nicht allzu bierernst gemeint.“ Irgendwann landete der Ludwigshafener Dulz-Club aber sogar im Sportmagazin „Kicker“, Rubrik Fan-Clubs.
Mitspieler wie Hoeneß und Hitzfeld
„Nach der offiziellen Gründung hielten wir regelmäßige Sitzungen im Keller der Gastwirtschaft ,Zum Blauen Bock’ in der Friesenheimer Leuschnerstraße ab“, erzählt Hofen. Dabei wurden zunächst Posten verteilt und Regeln aufgestellt. „Ich fungierte damals als Chefideologe“, blickt er mit einem Schmunzeln zurück. Aufgabe: „Den Laden koordinieren und zusammenzuhalten.“
Weiterhin gab es in der Rollenverteilung Sitzungsvorsitzender, Schatzmeister oder Schriftführer. Eines der Mitglieder war auch der inzwischen verstorbene Jürgen Muche, zu dieser Zeit Torhüter beim Ludwigshafener SC und später beim 1. FC Saarbrücken, Anfang der 1970er-Jahre dann Keeper der deutschen Amateur-Nationalelf mit Mitspielern wie Uli Hoeneß oder Otmar Hitzfeld. „Wir legten fest, dass die Zahl 9, die Rückennummer des Mittelstürmers Dulz, in Zukunft heilig ist“, teilt er mit. „Danach waren alle anderen Zahlen untergeordnet.“ Und die Neun durfte auch nicht mehr ausgesprochen werden, sondern wurde durch den Namen Dulz ersetzt.
Referate und Diavorträge
„Das Ganze bekam dann irgendwie eine Eigendynamik“, erinnert sich Hofen. Bei den Treffen im ,Blauen Bock’ gab es strenge Regeln. Jedes Mitglied bekam einen „Dulz-Ausweis“, es wurden Einlass- und Ausgangskontrollen durchgeführt, berichtet der heute 69-Jährige augenzwinkernd. Bei den Sitzungen gab es Referate oder Diavorträge. „Der Vorstand hat dann Korrespondenz mit Hans-Georg Dulz aufgenommen, und er hat reagiert“, berichtet Hofen. Der Braunschweiger Mittelstürmer schickte unter anderem ein Trikot mit der Nummer 9 oder ließ dem Club kleine Geldspenden zukommen.
Im Europa-Hotel übernachtet
„Irgendeiner kam dann auf die Idee, zu Ehren von Hans-Georg Dulz ein Fußball-Turnier der Ludwigshafener Gymnasien auszutragen und ihn dazu einzuladen“, erzählt Hofen. Der Kicker hat dann wider Erwarten zugesagt. „Nun waren wir in Zugzwang hinsichtlich der Organisation“, so der Wirtschaftsexperte. Es gelang. Im Frühjahr 1968 ging das Turnier in der Turnhalle des Carl-Bosch-Gymnasiums über die Bühne. Hans Georg Dulz kam mit seiner Ehefrau und führte den Ehrenanstoß durch. „Er fuhr damals mit einem Fiat 2300 vor und übernachtete im Europa-Hotel am Ludwigsplatz“, erinnert sich Hofen.
Gesamte Zeche bezahlt
„An einer Sitzung im ,Blauen Bock’ nahm er damals sogar teil und teilte mit, dass er die gesamte Zeche bezahle. Gegen 23 Uhr hat er dann das Zusammentreffen verlassen“, so Hofen. „Als er ging sagte er zu uns: Ihr könnt noch bestellen, was ihr wollt“, erinnert sich der ehemalige Abiturient des Max-Planck-Gymnasiums. Und er ergänzt leicht grinsend: „Danach setzte ein heftiger Bestellrausch ein.“
„Ich war zwar damals nicht aktives Mitglied im Dulz-Club, habe aber das bunte Treiben recht hautnah mitbekommen“, erzählt Hans-Peter Negele (69), damals Mittelstufenschüler im MPG. „An was ich noch sehr gut erinnern kann ist, dass in der RHEINPFALZ ein Artikel über das Fußball-Turnier der Gymnasien erschienen ist, mit einem Foto von Hans-Georg Dulz“, so der Jurist, der heute in Freiburg lebt.
Nachdem die Mitglieder und Anhänger des Dulz-Clubs ihr Abitur absolviert und sich in die verschiedenen Universitäten verabschiedet hatten, kam dann das Ende des Dulz-Clubs. Zudem war Hans-Georg Dulz damals auch schon in die Schweiz zum FC Aarau abgewandert.