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Donnerstag, 12. Juli 2018 Drucken

Ludwigshafen

Kein Platz zum Feiern

Von Michael Schmid

Macht gegen Park- und Kerweplatzpläne auf einem Acker mobil: Gärtner Stefan Pfeiffer.

Macht gegen Park- und Kerweplatzpläne auf einem Acker mobil: Gärtner Stefan Pfeiffer. ( Foto: KUNZ)

Wohin führt der Weg der Kerwe-Borsch künftig?

Wohin führt der Weg der Kerwe-Borsch künftig? ( Archivfoto: Kunz)

In Oppau rumort es: Weil der Lidl-Supermarkt erweitern will, wird ein neuer Kerweplatz gesucht.

Stefan und Alfred Pfeiffer sind sauer. Ihre Gärtnerei liegt gegenüber von einem Maisacker. Und genau diese Landwirtschaftsfläche ist im Gespräch für einen Parkplatz, der auch als Kerweplatz genutzt werden soll. „Das wäre eine Katastrophe“, sagt Stefan Pfeiffer.

Der 53-Jährige führt vor allem Umweltaspekte gegen das Vorhaben an: Eine Ackerfläche von etwa 11.000 Quadratmetern werde mit Asphalt versiegelt, eine wichtige Frischluftschneise verschwinde und die Anwohner würden durch zusätzlichen Verkehr weiter belastet. Außerdem würde sich ein Parkplatz extrem negativ auf die Vogelwelt auswirken, für die Gehölze und Bäume rund um den Acker ein wichtiger Rückzugsort seien, ergänzt Pfeiffers 80-jähriger Vater Alfred. Er wohnt in der Gärtnerei und ist seit über 40 Jahren im Vorstand des Vogelschutzvereins engagiert.

Oppaus Ortsvorsteher Scheuermann kennt die Einwände, will das Projekt aber trotzdem vorantreiben. „Wir brauchen einen neuen Kerweplatz“, sagt der 72-Jährige. Das Dorffest fand früher rund ums Oppauer Bürgerhaus statt und ist dann nach Anwohnerprotesten wegen des Lärms vor einigen Jahren auf den Parkplatz des Lidl-Supermarkts am Bahnübergang umgezogen. Der Discounter nutzt das Gelände dort in Erbpacht und hat sich verpflichtet, dass der Lidl-Parkplatz für die Kerwe zur Verfügung gestellt werden muss, erläutert Scheuermann.

Doch Lidl will seine Oppauer Filiale in etwa zwei Jahren neu bauen und braucht dafür Platz. „Wenn Lidl keine Erweiterungsmöglichkeiten bekommt, dann wäre die Firma weg“, sagt Scheuermann, der den Supermarkt im Ort halten will. Also hat sich der Ortsvorsteher nach alternativen Kerweplätzen umgesehen. Ein Umzug zurück zum Bürgerhaus würde Platzprobleme schaffen und die Konflikte mit den Anwohnern neu aufflackern lassen. Deswegen ist Scheuermann auf die Idee gekommen, den Acker zwischen der Umgehungsstraße K 1, dem Oppauer Park und der Gärtnerei Pfeiffer als Standort ins Gespräch zu bringen.

„Die BASF sucht für Pkw-Parkplätze dringend Flächen“, sagt Scheuermann. Seine Idee: Die BASF kauft die Ackerflächen von den Privateigentümern sowie der Stadt und baut einen Parkplatz, der fünf Tage lang im Jahr als Kerweplatz genutzt werden kann. Um den Eingriff in die Natur abzumildern, könne man Rasengittersteine nutzen, Bäume und Sträucher pflanzen. Außerdem soll die Stadt das Supermarktgelände an Lidl verkaufen. Mit dem Erlös soll dann die für die Kerwe nötige Infrastruktur wie Wasser, Strom und Abwasser am neuen Standort bezahlt werden.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat der Plan aber einige Haken: Stefan Pfeiffer hat damit begonnen, Unterschriften gegen das Projekt zu sammeln. Die Verkehrsinitiative Ludwigshafen, eine Bürgerinitiative gegen zu viel Verkehr, hat dem Gärtner Unterstützung zugesichert. Und dann gibt es auch noch die BASF, die bei den Planspielen gar nicht mit von der Partie ist. „Es gibt von uns keine Pläne, dieses Grundstück für einen Parkplatz zu kaufen“, sagt eine Konzernsprecherin auf Anfrage.

„Das ist aber eigenartig. Ich hatte andere Signale“, reagiert Scheuermann auf diese Nachricht. Werkleiter Uwe Liebelt habe ihm gegenüber Interesse geäußert, sonst hätte er ja gar nicht diesen Plan entwickelt, sagt der Ortsvorsteher.

Doch für den Chemiekonzern scheint die Park- und Kerweplatz-Lösung definitiv nicht auf der Tagesordnung zu stehen. Dabei hatte die Arbeitsgemeinschaft der Vereine (Arge), die Veranstalter der Kerwe ist, bei einer Vorstandssitzung schon einstimmig für Scheuermanns Plan gestimmt. „Die Lage am Ortsrand wäre für uns kein Problem. Wir sehen die Pläne durchweg positiv“, sagt Arge Chef Hubert Eisenhauer (77). Eine Rückkehr zum Bürgerhaus wäre wegen massiver Anwohnerproteste nicht möglich.

Und jetzt? Die Kerwe-Macher könnten einen Vorschlag von Gärtner Pfeiffer aufgreifen, der selbst Vereinsmitglied ist und beim Dorffest mit ausschenkt: „Warum feiern wir nicht einfach im Oppauer Park?“ Dort habe es schon viele Fischerfeste und auch Open-Air-Konzerte gegeben, die von Tausenden Menschen besucht worden seien. „Der Platz dort wäre also ausreichend“, sagt Pfeiffer. Das sieht wiederum der Ortsvorsteher völlig anders: „Der Park bietet nicht genügend Fläche. Wir bekämen dort die Schausteller nicht unter, und nach der Kerwe gäbe es wie nach dem Filmfestival auf der Parkinsel Debatten über den Zustand der Grünflächen.“

Scheuermann will weiter nach eine Lösung suchen. „Wie wir das machen, müssen wir sehen. Wir stehen noch ganz am Anfang.“ Falls der Konzern tatsächlich nicht den Acker kaufen und zum Parkplatz umwandeln wolle, dann bliebe eben vorerst alles beim Alten. Mit der Kerweplatz-Problematik müsse sich dann sein Nachfolger beschäftigen, sagt Scheuermann, der bei der Kommunalwahl 2019 nicht mehr antritt.

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