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Dienstag, 02. Juli 2019 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

„Highway to Hell“ und andere Liebeslieder

Die Besucher von „Jazz im Grünen“ auf dem Gelände des Musikvereins Schifferstadt erleben vier großartige Bands in zehn Stunden – Superfro als Topact

Von Raimund Frings

Zum Auftakt spielten die Lokalmatadore: die Golden Hat Dixie Ramblers aus Schifferstadt.

Zum Auftakt spielten die Lokalmatadore: die Golden Hat Dixie Ramblers aus Schifferstadt. ( Foto: Kunz)

„Jazz im Grünen“ steht für ein lauschiges, familiäres und hochprofessionelles Musikerlebnis – ganz unspektakulär zur Sommersonnenwende auf dem großzügigen Gelände des Musikvereins angesiedelt. Vier Jazzbands in zehn Stunden – ein kostenloses Musikfestival, das in der Region seinesgleichen sucht. Zum Finale wartete am Sonntag die Band Superfro mit einem klangprächtigen und rhythmisch mitreißenden Finale auf.

Die Golden Hat Dixie Ramblers markieren den Auftakt des Festivals. Auf Jazz-Standards eines Glenn Miller oder Benny Goodman improvisieren sie leichtfüßig und wettergerecht mit gekonnten Soli und perfektem Zusammenspiel. Drei von ihnen sind Geschwister: Patrik (Klarinette), Joachim (Saxophon) und Carina (Kontrabass) Baumann. Die Familie kümmert sich um den Verein und das Festival seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft.

Der Heidelberger Drummer Dirik Schilgen ist in der Region ebenfalls kein Unbekannter: In seiner Formation Jazz Grooves spielen mit Matthias Dörsam am Saxophon und Thomas Langer (Gitarre) bewährte Musiker. Doch sind hier neue Elemente zu entdecken, die so nicht überall zu hören waren. Die Bandmitglieder suchen melodische Harmonien, besonders im intelligent strukturierten Zusammenspiel von Saxophon und Gitarre. Dörsam bläst immer wieder temporeiche Linien, die mal vergnügt, mal sentimental in den Sommerhimmel tönen. Zusammen mit der verspielten E-Gitarre von Thomas Langer mäandern sie wie zwei parallel verlaufende Flüsse umeinander herum, mal exakt parallel, mal den einen oder anderen Bogen variierend und individuell gestaltend.

Den brütend heißen Spätnachmittag gestaltet das Jazz Sisters Quartet aus dem Frankfurter Raum um die Sopranistin Juliane Schaper. Kein leichter Part, das Publikum mit ihren Liedern, die stilsicher alle Genregrenzen überschreiten, bei Laune zu halten. Bei den Jazz Sisters ragt die Sopranstimme heraus, welche die Eigenkompositionen aus Jazz, Rock, Pop und Chanson auf verspielte Art zu intonieren weiß. Schaper genießt es, ihre Melodien hauchend entfalten zu lassen, während Karmen Mikovic (Piano), Nina Hacker (Kontrabass) und Uta Wagner (Drums) eine edle Klanglandschaft bilden. Sie spielen erstaunliche Adaptionen. „Wonderwall“ von Oasis oder „Lovefool“ von den Cardigans erklingen in verspielten Swing- oder Funk-Version. Die unvermeidliche AC/DC-Hymne „Highway to Hell“ darf sich zu einem rhythmisch anspruchsvollen, funky Liebesleid-Lied entwickeln.

Zum Top-Act strömt das Publikum weiter vor zur Freiluft-Bühne. Superfro um den quirligen Pianisten Simon Höneß haben sich schon länger überregional einen Namen gemacht. „Filmmusik für innere Bilder“ übertiteln sie ihr Kompositionskonzept. „Trips“ heißt ihr aktuelles Album, aus dem Höneß träumerisch anmutende Reisegeschichten erzählt.

Auslöser für die Stücke von Superfro sind die Laute von Elchen am norwegischen Fjord, von Delphinen, von Möwen am portugiesischen Atlantik-Strand, von frühmorgendlichem Hahnengeschrei auf Bali. Jeder Musiker entfaltet seine Qualitäten mit spürbarer Liebe zum eigenen Instrument: David Tröscher bedient seine Drums fast ausschließlich mit den Händen, wobei er sein Percussion-Set um Cajon, Udu, Sizzleboard, Fußshaker und mehr erweitert hat. Frowin Ickler am Kontrabass zupft mal ganz sanft die Saiten, mal schlägt er härter auf sie ein, um auch den großen Resonanzraum des Instrumentenrumpfs zu erreichen. Für Saxophon und Klarinette ist Jan Beiling verantwortlich. Beeindruckend, wie sich die verschiedenen Welten vor dem inneren Auge der Zuhörenden auftun.

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