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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Ludwigshafen: Lokalsport

Der Geist von Oppau

Sportler im Blick: Die Turner des TBO sind Meister der Landesliga. Die Mannschaft setzt sich aus jungen Leuten zusammen, die fast ausschließlich aus Edigheim und Oppau kommen. Der Titel sollte Ansporn sein, um in die Dritte Bundesliga aufzusteigen. Das ist zunächst misslungen.

Von Marek Nepomucký

Das erfolgreiche Team: Ben Fröhlich, Leon Storck, Marco Nitzdaritsch, Niklas Conrad, Noel Wetzler, Jan Sitter, Bastian Conrad, Christian Eberle, Lucas Gronbach und Trainer Bernd Stoffel-Löcher (von links).

Das erfolgreiche Team: Ben Fröhlich, Leon Storck, Marco Nitzdaritsch, Niklas Conrad, Noel Wetzler, Jan Sitter, Bastian Conrad, Christian Eberle, Lucas Gronbach und Trainer Bernd Stoffel-Löcher (von links). ( Foto: KUNZ)

«Ludwigshafen.» Die Meisterschaft wurde gebührend gefeiert. Nachdem die Turner-Riege des TB Oppau im November den Titel in der Landesliga gewonnen hatte, ging es in den Keller des Turnzentrums Oppau. Dort trafen sich die Athleten, Eltern. Freunde und die Rhythmischen Sportgymnastinnen des TBO, um auf die Glanzleistung anzustoßen.

Der Titel ist ein ganz besonderer. Denn die Oppauer sind Premierenmeister. Der Pfälzer Turnerbund hatte voriges Jahr wieder eine Landesliga gegründet. Hintergrund war, den Meister bei der Aufstiegsrunde zur Dritten Bundesliga starten zu lassen. Am Ende war es nicht der TBO, der Anfang Dezember in Monheim turnte, sondern eine Pfalzriege. Diese scheiterte. Die Niederlage war dennoch ein Gewinn. Denn die jungen Turner sammelten Erfahrung.

Bastian Conrad und Jan Sitter vertraten den TBO in der Aufstiegsrunde. Das Duo war auch Teil der Oppauer Meisterriege. Jene Meistermannschaft ist außergewöhnlich. Sie ist nämlich eine gewachsene Riege. „Seit über zehn Jahren turnen die Jungs im Schnitt zusammen“, sagt Trainer Bernd Stoffel-Löcher. Sie begannen als Knirpse, rückten gemeinsam auf und entwickelten somit einen speziellen Mannschaftsgeist. Der Geist von Oppau.

Oppau ist ein Begriff in Deutschland. Philipp Fürst, Volker Rohrwick, Erich Heß oder Reinhard Ritter waren Olympiateilnehmer. Sie trugen den Namen des Ludwigshafener Stadtteils in die Welt hinaus. Die Erfolge der Oppauer liegen aber schon viele Jahre zurück. Sie werden auch nicht wieder kommen. Aber was blieb, ist die Turn-Tradition. Sozusagen die Enkel von Ritter, Fürst, Heß und Rohrwick schicken sich nun an, den Glanz der Vergangenheit wieder etwas erstrahlen zu lassen.

Die junge Oppauer Riege kommt fast ausschließlich aus Oppau und Edigheim. Nur Ben Fröhlich stammt aus Maxdorf und Jan Sitter aus Mutterstadt. Die Jungs sind ein verschworener Haufen. Sechs der zehn Turner gehen auf das Humboldt-Gymnasium in Ludwigshafen. Dieser Zusammenhalt ist einzigartig. „Niemand hebt sich hervor“, sagt Christian Eberle, mit 17 Jahren einer der Ältesten im Team und Kapitän. Diese Gleichberechtigung sei wichtig, findet Eberle. Jeder im Team sei von Bedeutung. In einem Wettkampf müsse die Mannschaft funktionieren. Diese enge Bande kann durchaus auch mal strapaziert werden. Schließlich trainiert die Riege seit zwei bis drei Jahren fünf- bis sechsmal in der Woche. Da besteht die Gefahr, dass man sich auf den Keks geht. Doch Eberle verneint dies im Gespräch glaubhaft. Der Zusammenhalt sei toll, denn die Mannschaft ist über die Jahre gewachsen. Die Mannschaft rückte durch die Erfolge und Misserfolge zusammen. Wobei es nicht viele Misserfolge gab. Bei Meisterschaften räumte der TB Oppau in den vergangenen Jahren ab und in der Nachwuchsbundesliga ist Oppau ebenfalls wieder am Start. „Wettkämpfe sind für uns wichtig. So sammeln wir Erfahrung“, sagt Eberle.

Dafür sorgt Cheftrainer Bernd Stoffel-Löcher. Er begleitet die jungen Turner seit Jahren und kümmert sich mit Abteilungsleiter Hans-Peter Conrad, Hallen-Koordinator Rudolf Süß sowie Reinhard und Sven Ritter um den Nachwuchs. Sie alle investieren seit Jahren viel Zeit in das Projekt. Eigentlich sollte der TB Oppau 2017 eine Mannschaft in der Dritten Liga melden – und zwar mit Turnern, die im 1974 gegründeten Pfälzer Turnzentrum großgeworden sind und die dort trainieren, sagte Stoffel-Löcher vor Jahren. Er selbst war Bundesligaturner. Das ehrgeizige Ziel ist bislang nicht erreicht worden, aber es ist auch nicht gescheitert. Es ist nur verschoben. „Es macht richtig Laune, die Jungs um sich zu haben und mit ihnen zu trainieren. Die Stimmung ist klasse, die Eltern ziehen mit, es läuft super. Jeder will nach vorne“, sagt Stoffel-Löcher.

Er glaubt fest daran, dass es in absehbarer Zeit ein Drittliga-Team aus der Pfalz und mit Oppauer Turnern geben wird. Denn: Oppauer Turner wird es in Zukunft verstärkt geben. An die 30 Sportler kommen tagein, tagaus zum Training ins Pfälzer Turnzentrum in der Oppauer Jahnstraße. Die Trainer Tanja Hauf, Reinhard und Sven Ritter legen die Grundlagen bei den Jüngsten. „Es gibt häufig Anfragen von Turnern aus anderen Vereinen, die hören und sehen, dass es bei uns vorwärts geht“, sagt Stoffel-Löcher. Er und seine Trainer legen ihr Augenmerk auf die Ausbildung. Die jugendlichen Turner befinden sich im Wachstum oder in der Pubertät. „Der Körper verändert sich, die Jungs werden größer, kräftiger. Da klappt dann mal eine gewisse Übung nicht oder es gibt Kraft– oder Beweglichkeitsprobleme“, sagt Stoffel-Löcher. Er geht dann auf die jungen Menschen zu und redet mit ihnen.

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