Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wird das Universum-Kinocenter abgerissen?

Das Universum von der Queich aus gesehen: links der Altbau, rechts davon das Kino aus den spätern 1950er-Jahren plus eine Ladenf
Das Universum von der Queich aus gesehen: links der Altbau, rechts davon das Kino aus den spätern 1950er-Jahren plus eine Ladenfläche.

Es ist eine Form von Long Covid: Das berühmte Landauer Kino mit der landesweit größten Leinwand kommt nach Corona nicht wieder richtig in die Gänge. Dazu kommen hoher Nachrüstungsbedarf und Einschränkungen bei Veranstaltungen. Der Gebäudeeigentümer erwägt eine komplette Neuausrichtung.

Wie geht es mit dem Universum-Kinocenter in der Innenstadt weiter? Der Eigentümer des Gebäudekomplexes zwischen Königstraße, Schützengasse, Queich und dem C&A-Gebäude an der Kronstraße will bis spätestens Jahresende entscheiden, wie er das unter Denkmalschutz stehende Gebäude an der Königstraße saniert, durch dessen Torbogen einer der Kinoeingänge erreichbar ist.

Die Ausgangslage sei nicht ganz einfach, sagt Timo Gack aus Tübingen. Er ist Geschäftsführer und Eigentümer der Kalb Vermögensverwaltung, die von seinem Großvater Theo Kalb gegründet worden sei. Der hatte einst das Landauer Kino erworben. Kalb war eigentlich Kühl- und Kältemittelfabrikant, betrieb aber auch mehrere Kinos in Aschaffenburg, Speyer, Hünfeld und eben Landau, wie die Internetseite www.allekinos.com vermeldet. Das Kinocenter besteht aus einem alten Teil im Vorderhaus und einem großen, daran anschließenden Neubau aus den 1950er-Jahren mit einer sehr stimmungsvollen, leicht plüschigen Ausstattung aus der Hochzeit der Kinos.

Reno-Auszug war ein Auslöser

Gack ist hochzufrieden mit den beiden Erdgeschossmietern in der Königstraße 50, einem Friseursalon und dem veganen Restaurant Ich bin so frey. Doch schon Ende Februar hat die Schuhhandelskette Reno (HR Group, Osnabrück) ihre Landauer Filiale geschlossen, die sich in einem Anbau in Richtung Queich befand. Er habe zwar Anfragen von potenziellen Nachmietern, doch es sei nun an der Zeit, sich über eine Neuausrichtung Gedanken zu machen.

Nur das Vorderhaus steht unter Denkmalschutz.
Nur das Vorderhaus steht unter Denkmalschutz.

Denn der klassizistische Altbau von 1770/1780 müsse „zu alter Blüte erweckt“ werden, was trotz guter Denkmalabschreibemöglichkeiten sehr viel Geld kosten werde. Leider funktioniere jedoch der Kinobetrieb nicht mehr so wie früher. Gack berichtet, dass er selbst schon vor geraumer Zeit Überlegungen für einen Kinoneubau in Landau angestellt habe, doch die Pläne hätten sich seinerzeit zerschlagen. Dann sei die Filmwelt gekommen, das Kinocenter im Gewerbegebiet am neuen Messegelände, mit reichlich Parkplätzen und Gastronomie. Filmverleihfirmen wollten keine zwei Kopien in eine Stadt geben und würden die Filmwelt bevorzugen, sagt Gack. Das habe Kunden gekostet, und Corona habe ein Übriges getan. Erst hatte es Zwangsschließungen gegeben, die die Kulturszene in schwere Bedrängnis brachte, und selbst danach sind die Gäste nur zögerlich zurückgekommen.

Zu große Flächen für Stammpublikum

„Wir haben unsere Fans“, sagt Gack, Stammkunden, die das Arthouse-Format des Universums lieben. Aber das reicht offenbar nicht, um alle drei Säle wirtschaftlich betreiben zu können. Das Universum verfügt nicht nur über den mit fast 600 Sitzplätzen größten Saal in der Südpfalz, sondern auch über die landesweit größte Leinwand von 16 mal sieben Metern. Das Universum sei auch aufgrund der hohen Fixkosten für die großen Flächen zum Zuschussgeschäft geworden, so Gack. Trotzdem schließt er einen Neustart in neuem Outfit noch nicht gänzlich aus.

Das Queichufer soll profitieren

„Wir sind keine Heuschrecken“, betont Gack, doch es müsse darum gehen, den Gesamtstandort wieder wirtschaftlich zu machen. So sehen seine Überlegungen auch vor, den Kinotrakt zwischen Altbau und C&A durch einen Neubau zu ersetzen, der eine Mischnutzung aus Wohnen und Einzelhandel mit innenstadtrelevantem Sortiment umfassen würde. Darüber sei er mit dem Bauamt der Stadt im Gespräch – sehr konstruktiv und auf Augenhöhe, wie er betont. Ziel wäre dann eine städtebaulich attraktive Gesamtlösung.

Der Zeitpunkt erscheint günstig, da auch die Königstraße bald komplett umgestaltet werden soll. In der Nachbarschaft ist bereits ein Neubau errichtet worden, und in Kürze wird auch das ehemalige Papierfix-Gebäude umgebaut. Wenn es beim Universum zur großen Lösung kommen sollte, würde die Queichpromenade davon profitieren, verspricht Gack: Dann würde es eine größere Freifläche, mehr Bäume und Bänke geben, kurz: einen Erlebnisraum. Es werde nicht mehr lange dauern bis zu einer Entscheidung.

Noch ein Fünkchen Hoffnung

„Ein Fünkchen Hoffnung habe ich noch“, sagt Kino-Pächter Lars Pfeifer, der das Haus seit 2004 betreibt. „Das ist mein Baby“, er habe gehofft, „dass ich hier alt werden kann“. Gack sei immer mit im Boot gewesen und habe in schwierigen Phasen geholfen, dass es weitergehen könne, sagt Pfeifer anerkennend über seinen Vermieter. Doch kürzlich habe die Stadt eine regelmäßig wiederkehrende Sicherheitsbegehung der Veranstaltungsstätte Universum gemacht und dabei Defizite festgestellt. Nichts Dramatisches, aber dennoch so, dass höhere Investitionen nötig wären. Ansonsten, so betont Pfeifer, seien die baulichen Defizite des wunderschönen Kinos sehr überschaubar.

Die Stadt hat nach Pfeifers Angaben den Vorschlag gemacht, das Kinocenter nicht mehr als Veranstaltungsstätte zu betrachten. Dann wären aber nur noch 170 Besucher zugelassen. Das könnte für den Kinobetrieb noch funktionieren, doch ohne größere Veranstaltungen anderer Art könne er das Haus nicht wirtschaftlich betreiben. „Dann geht mein Konzept nicht mehr auf.“

Ohne Veranstaltungen ging es nie

Das Universum hatte immer wieder mit anderen Formaten auf sich aufmerksam gemacht, beispielsweise, indem auf der Bühne des großen Saals ein Boxring aufgestellt und Wettkämpfe ausgetragen worden waren. Außerdem hatte die aus allen Nähten platzende Uni zeitweise einen Kinosaal für Vorlesungen genutzt. Auch der Poetry Slam der Uni, das Kurzfilmfestival Lameko und Vorträge prominenter Besucher, zuletzt beispielsweise Wladimir Kaminers, trugen zur besseren Auslastung bei.

Sogar Boxnächte sind schon im Universum veranstaltet worden.
Sogar Boxnächte sind schon im Universum veranstaltet worden.

Vor diesem Hintergrund wird auch ein neues Licht auf ein Thema aus dem Oberbürgermeister-Wahlkampf geworfen: Es war ganz offenbar das Universum, das der künftige Oberbürgermeister Dominik Geißler im Sinn hatte, als er von einer weiteren Veranstaltungsstätte in der Innenstadt sprach, die er gerne ermöglichen würde.

Kein Denkmalschutz für Vorzeigekino

Pfeifer ist jetzt in der Sommerpause, „aber ich komme im September wieder“. Wahrscheinlich werde er dann schon kein tägliches Kinoprogramm mehr machen können. Er habe ein Angebot aus der Gastronomie, das ihm helfen werde, sich in dieser schwierigen Phase über Wasser zu halten. Pfeifer erzählt, dass er auch schon ein anderes Kino angeschaut habe, das er übernehmen könnte, „aber es ist längst nicht so schön wie unser Universum“. Noch sei nichts entschieden.

Nur eine Randnotiz: Die Denkmalpflegebehörde war im Universum, hat sich laut Pfeifer aber gegen eine Unterschutzstellung entschieden – anders als beim Landauer Gloria, das einst ebenfalls nur Kino war und sich inzwischen als Veranstaltungsstätte etabliert hat.

Gasheizung verschärft Probleme

Und ebenfalls am Rande: Sogar Putin hat ein Wörtchen mitzusprechen, wenn es um die Zukunft des Universums geht. Der große Saal wird mit Gas beheizt. Da sei dann noch zusätzlich viel Ungewissheit im Spiel, so Pfeifer.

Bestimmte Programmreihen, die er immer unterstützt hat, will der Mann der Filme nicht sterben lassen. Er habe mit seinem Kollegen von der Filmwelt gesprochen, dass beispielsweise der französische film oder das Seniorenkino an anderer Stelle weitergehen könnten.

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