Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Wie soll die Königstraße werden?

Die Stadt Koblenz hat die Casinostraße neu gestaltet. Für die Landauer Stadtspitze ist das vorbildlich.
Die Stadt Koblenz hat die Casinostraße neu gestaltet. Für die Landauer Stadtspitze ist das vorbildlich.

Für den Ausbau der Einbahnstraße liegen drei sehr unterschiedliche Varianten vor. Die Stadt will allen Beteiligten viel Zeit einräumen, um die beste Lösung zu finden. Fest steht: Die Straße muss schöner werden, um dem Internethandel Paroli zu bieten.

Im Andersen-Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ fällt ein Kaiser auf Betrüger herein, die ihm neue Gewänder versprechen, aber nur Luft abliefern. In Landau ist es nur ein König, dem die Stadt ein neues Aussehen verpassen will: Die Königstraße soll neu gestaltet werden. Aber deren drei Gewänder, sprich: Ausbauvarianten, können sich durchaus sehen lassen. Am Mittwoch sind sie vormittags dem Werbekreis der Aktiven Unternehmer (Aku) und am Abend dem Mobilitätsausschuss vorgestellt worden. Eine Entscheidung, welche Variante umgesetzt wird, fällt aber erst im Frühjahr, spätestens im April.

Kein Zurück zum alten Zustand

Mobilitätsdezernent Lukas Hartmann (Grüne) weiß um die Brisanz des Themas. Immerhin hatte die Öffnung der Geschäftsstraße für Radfahrer im Gegenverkehr für reichlich Unmut gesorgt, weil sie Parkplätze gekostet hat. Daher will er allen Betroffenen und Beteiligten reichlich Zeit einräumen, sich für eine Lösung zu entscheiden. Nur in einem Punkt lässt er nicht mit sich reden: Ein Zurück zum alten Zustand wird es nicht geben, das verhindert allein schon der Stadtratsbeschluss zum neuen Mobilitätskonzept. Hartmann ist sich aber auch sicher, dass Landau als Ganzes, der Einzelhandel und die Gastronomie nur dann bestehen werden, wenn „wir eine schöne Straße bekommen“. Der Kampf gegen den Internethandel sei nicht mit vielen Parkplätzen und breiten Fahrbahnen zu gewinnen, sondern nur mit Aufenthaltsqualität. Für diese sorgen Bänke, viele Bäume, Außenbestuhlung, Spielgeräte und Präsentationsmöglichkeiten für den Handel sowie eine gute Infrastruktur für Radfahrer.

Provisorium zementieren?

Das Ingenieurbüro Schulbaum aus Landau hat drei ziemlich weit auseinanderliegende Ausbauvarianten erarbeitet. „Es gab keine Denkverbote“, sagt Hartmann. Variante eins ist in etwa das, was jetzt bereits in der Königstraße provisorisch eingerichtet worden ist: Nach Angaben von Ralf Bernhard, Abteilungsleiter Mobilität, sind versetzt angeordnete, 2,30 Meter breite Parkstreifen (mit nur noch etwa 25 statt bisher 43 bis 45 Stellplätzen), eine 4,60 Meter breite Fahrbahn, beidseits zwei Meter breite Gehwege und leicht erhöhte, gepflasterte Kreuzungen die Kernelemente. Außenbestuhlung und Auslagen auf der Straße sind dann auch nur wechselseitig möglich.

Variante zwei ist der weitestgehende Vorschlag: Er sieht eine in Naturstein gepflasterte Fußgängerzone zwischen Martin-Luther-Straße und Theaterstraße vor. Autos könnten das erste Teilstück noch befahren, müssten dann aber durch die Martin-Luther-Straße auf andere Straßen ausweichen. Das würde den kompletten Wegfall von Parkplätzen in der Königstraße bedeuten, sagt Hartmann, aber die breitesten Nutzungsmöglichkeiten bieten. Und der unerwünschte Durchgangsverkehr wäre am sichersten ausgeschlossen, während Radfahrer zugelassen würden.

Shared Space auch möglich

Laut Hartmann kann man anstelle einer Fußgängerzone bei völlig identischem Ausbau auch einen Shared Space (gemeinsamer Raum) einrichten, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Dann könnte man Autos zulassen.

Mit Variante drei würde Landau Neuland betreten: In der Region gibt es das noch nicht, wohl aber in Koblenz (siehe unser Bild aus der Casinostraße). Die Rede ist vom „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“, in dem Höchsttempo 20 gilt. Für die Königstraße würde das beidseits gepflasterte (aber nicht erhöhte) Gehwege von mindestens 1,90 Meter Breite bedeuten. Links neben dem in Fahrtrichtung rechten Bürgersteig (die Königstraße ist und bleibt für Kraftfahrzeuge Einbahnstraße) schließt sich ein asphaltierter Fahrstreifen von 3,20 Meter Breite an, was für Müllfahrzeuge ausreicht. Auf dieser Spur sind dann auch die Radler in Richtung Norden (Uni) unterwegs. Der langsamste Nutzer dieser Spur gibt das Tempo für alle anderen vor, Überholen ist nicht möglich.

Links neben dem Fahrstreifen gibt es einen 2,50 Meter breiten Multifunktionsstreifen, der zum Parken, für Bänke und Bäume, Spielgeräte, Außenbestuhlung von Gaststätten oder für die Auslage von Geschäften genutzt werden kann. Links daneben schließt sich eine zwei Meter breite Spur für Radler an, die in Gegenrichtung unterwegs sind. Laut Hartmann ist es nicht zulässig, diese Radspur an den linken Fahrbahnrand zu legen; sie müsse baulich davon abgetrennt sein. Links von der Radspur folgt der zweite Gehweg. An sämtlichen Kreuzungen würde dieses Muster durchbrochen durch leicht erhöhte Pflasterflächen.

Keine großen Kostenunterschiede

Bei den Kosten gibt es laut Bernhard zwischen allen drei Varianten nur geringe Unterschiede: Sie liegen bei rund 1,5 Millionen Euro. Finanziert werden soll der Ausbau durch Wiederkehrende Beiträge und mit Städtebaufördermitteln. Baubeginn kann im Frühjahr 2022 sein, gebaut werde in Abschnitten, um die Belastung möglichst gering zu halten. In jedem Fall will die Stadt ein Rohr einbauen, dass bei Starkregen Niederschläge in die Queich abführen kann, um die Überschwemmungsgefahr zu mindern.

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Der Königsweg

Alle drei Varianten für den Ausbau der Königsstraße sind brauchbar, aber ein für Landau neues Konzept dürfte am Ende die Nase vorn haben.

Gut, dass sich in der Königstraße etwas tut. So wie sich die Straße heute präsentiert, ist sie nicht mehr zeitgemäß. Verkehrsdezernent Lukas Hartmann dürfte richtig liegen mit seiner Forderung, dass der Neubau vor allem eines werden muss: schön. Denn es gibt berechtigte Hoffnungen, dass Corona auch irgendwann in absehbarer Zeit mal rum ist. Das heißt aber nicht, dass dann auch automatisch die Kunden wiederkommen. Nicht wenige dürften sich an Internetbestellungen von der heimischen Couch aus gewöhnt haben.

Nur am Rande bemerkt: Eine Gebühr für Rücksendungen ist überfällig, um diese Art des Shoppens zumindest ein wenig unattraktiver zu machen und die ökologische Belastung zu mindern.

Der Status quo funktioniert, aber gut ist er nicht, weil sich noch immer Autofahrer von Radlern gestört fühlen. Die gegenseitige Rücksichtnahme ist gewachsen, aber die einen schimpfen noch immer über die anderen.

Eine weitere Fußgängerzone in der Königstraße wäre die weitestgehende Umbauvariante. Aber eine Lösung ganz ohne Autos ist nach den bisherigen Reaktionen von Gewerbetreibenden und Kunden von auswärts kaum vermittelbar. Das gilt auch für die Idee, Radler dort zuzulassen, nicht aber in Markt- und Gerberstraße.

Die überzeugendste Lösung ist daher Ausbauvariante drei mit einer schmalen Fahrbahn und einem Streifen für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, außerdem viel Grün und vielen Bänken. Autos wären nicht komplett ausgesperrt, was für manche Anlieger vielleicht beruhigend ist. Allen Kraftfahrern wäre klar, dass sie nicht mehr die erste Geige spielen.

So sieht die Königstraße mit Bäumchen in Kübeln derzeit aus.
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Provisorische Holzpodeste können von Geschäften und Gastronomen genutzt werden.
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Künftig sollen alle Kreuzungen gepflastert werden, nicht nur gelb gestrichen.
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