Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Wie sich ukrainische Geflüchtete bei Alltagsfragen gegenseitig unterstützen

Es gibt im Internet eine reine Frauengruppe für Ukrainerinnen, die in der Südpfalz leben. Es gab bereits ein erstes Kennenlerntr
Es gibt im Internet eine reine Frauengruppe für Ukrainerinnen, die in der Südpfalz leben. Es gab bereits ein erstes Kennenlerntreffen.

Welche Dokumente braucht das Jobcenter? Auf welche Schule soll mein Kind? Wo finde ich einen guten Kardiologen? Diese und viele andere Fragen haben ukrainische Geflüchtete. Wie sie sich hier vernetzen, um sich zu helfen.

Vor dem Krieg bin ich viel um die Welt gereist, sowohl beruflich als Journalistin als auch in meiner Freizeit. Ich bekam dabei mit, wie die Menschen in anderen Ländern leben, wie wir uns unterscheiden und wie wir uns ähneln. Allerdings macht es einen Unterschied, wenn man dies als Urlauber mitbekommt oder sich langfristig in einem fremden Land aufhält, das zur Heimat wird.

Als ich vor einem Jahr nach Deutschland kam, hatte ich mehr Fragen als Antworten: Wo sucht man nach einer Unterkunft? Wie schließt man einen Vertrag für einen Internetzugang ab? Bei welcher Bank soll ich ein Konto eröffnen? Kurz gesagt, musste ich hier noch einmal von vorne anfangen, so als ob ich gerade wieder auf dem Weg bin, erwachsen zu werden. Davon abgesehen, dass dieses Mal Sprachbarrieren erschwerend hinzukamen, da ich kein Wort Deutsch sprechen konnte.

„Ich hatte viel Glück“

Ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, wieso die Geschäfte in Deutschland an Sonntagen geschlossen haben. Warum ich einen Termin beim Arzt vereinbaren muss, wenn ich doch jetzt Beschwerden habe. Ganz zu schweigen von der Bedeutung der Briefe: In der Ukraine schicken wir uns keine Post mehr, da nahezu alles in elektronischer Form funktioniert.

Ich muss allerdings an dieser Stelle betonen, dass ich in diesem Jahr viel Glück hatte und große Hilfsbereitschaft erleben durfte. Bereits am ersten Tag nach unserer Flucht wurde für uns ein Haus in Insheim gefunden. Dessen Eigentürmer halfen uns mit den Dokumenten und der Registrierung, außerdem versorgten sie uns die erste Zeit mit Essen und Kleidung. Ich bin ihnen dafür unendlich dankbar. Landsleute, die ebenfalls nach Kriegsbeginn geflohen sind, mussten dagegen alles selbst organisieren: sich eine Unterkunft besorgen, ihre Kinder in einer Bildungseinrichtung unterbringen und den passenden Arzt finden. Auch deshalb haben sich mit der Zeit viele Ukrainer zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu helfen.

Gruppe tauscht sich in sozialen Netzwerken aus

So wurde in den sozialen Netzwerken eine Gruppe gegründet. Sie nennt sich „Ukrainians in Landau“, übersetzt Ukrainer in Landau. Mittlerweile sind dort 350 Personen aktiv. Es ist wie ein Schwarzes Brett: Wer etwas braucht oder anbieten kann, meldet sich einfach. „Ich suche ein Kinderbett“, „Ich habe eine Mikrowelle abzugeben“, „Kennt jemand einen Kinderzahnarzt in Landau?“, „Was tun, wenn das Kindergeld nicht reicht?“, „Mädels, wo kann ich eine Maniküre zu einem guten Preis bekommen?“. In dieser Gruppe werden alle möglichen Informationen, Kontakte und Adressen ausgetauscht, ebenso Neuigkeiten.

Alla Ruban beispielsweise, eine fünffache Familienmutter, hat auf diesem Weg einen Übersetzer gefunden. Sie lebt in Bad Bergzabern und benötigte Hilfe beim Ausfüllen von Dokumenten, welche sie im Jobcenter einreichen wollte. Leonida Ternova dagegen hat einen neuen Herd gefunden, nachdem ihr bisheriges Gerät kaputt gegangen war, sie aber kein Geld für eine Neuanschaffung aufbringen konnte. Deshalb hat sie in der Gruppe eine Anzeige aufgegeben, die zum gewünschten Erfolg führte. „Ich bin sehr dankbar für diese Gruppe und genauso unseren deutschen Nachbarn. Ukrainer und Deutsche helfen sich gegenseitig, wo sie können.“ Ihr Herd sei ihr direkt nach Hause geliefert worden. Er funktioniere gut. „Auf ihm zu kochen, ist ein Vergnügen“, erzählt Ternova, die von Zhytomyr geflohen ist, zusammen mit ihrem Sohn, ihrer Schwiegertochter, dem vierjährigen Enkel und ihrem Neffen. Sie leben in Klingenmünster.

Ein Netzwerk nur für Frauen

Zusätzlich zu der Online-Gruppe gibt es auch einen Frauen-Club im Internet. Dort geht es mehr um Schönheit, Shopping und Kinder. Olga Alieva, die aus Chernihiv stammt und in Bad Bergzabern lebt, hat sie gegründet. Sie kam mit ihren beiden Kindern und ihrem Hund nach Deutschland. Ihr Ehemann blieb in der Ukraine, weil er in der Armee ist. Damit sie selbst und andere Frauen sich in der neuen Heimat nicht alleine fühlen, hat sie dieses Frauen-Netzwerk gegründet. Und das erste Kennenlerntreffen hat bereits in Landau stattgefunden.

„Der Krieg hat den meisten von uns den Boden unter den Füßen weggezogen, wir wurden über die ganze Welt verstreut, weit weg von zu Hause und Freunden. Vor diesem Hintergrund ist sehr wichtig für uns, sich zusammenzuschließen und den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Insbesondere in einem fremden Land, in einer solch schwierigen Zeit für uns.“

Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Paul.

Leonida Ternova an ihrem neuen Küchenherd, den sie dank eines Aufrufs in der ukrainischen Facebook-Gruppe gefunden hat.
Leonida Ternova an ihrem neuen Küchenherd, den sie dank eines Aufrufs in der ukrainischen Facebook-Gruppe gefunden hat.
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