Landau RHEINPFALZ Plus Artikel THW im Erdbebengebiet mit großer Dankbarkeit empfangen

Die Landauer im Camp Kirikhan (von links): Michael Spellmeyer, Christoph Weber und Andreas Knöpfler.
Die Landauer im Camp Kirikhan (von links): Michael Spellmeyer, Christoph Weber und Andreas Knöpfler.

Die drei Männer des Landauer THW sind wohlbehalten zurück zu Hause. Ihr Einsatz nach dem schweren Erdbeben in der Türkei war kräftezehrend. Die Bilder von verzweifelten Menschen und zerstörten Städten bleiben haften.

Michael Spellmeyer, Christoph Weber und Andreas Knöpfler sind Logistikexperten beim Technischen Hilfswerk (THW), Ortsgruppe Landau. Ihr Einsatz im Katastrophengebiet währte fünf Tage. Neun Tage waren sie unterwegs. Die Chance, dass Menschen unter Trümmern liegend überleben, beschränkt sich auf rund 100 Stunden. „In dieser Zeit geht es darum, alles zu geben“, sagt Michael Spellmeyer. „Search und rescue – suchen und retten“ lautete der Auftrag.

Das Camp der Einsatzkräfte von THW und ISAR in Kirikhan. Zum Team des THW gehörten 50 Seeba-Kräfte und vier Hunde.
Das Camp der Einsatzkräfte von THW und ISAR in Kirikhan. Zum Team des THW gehörten 50 Seeba-Kräfte und vier Hunde.

Für den 40-jährigen Entwicklungstechniker war dies der sechste Auslandseinsatz. Die Kollegen bei der Daimler Truck AG seien schon so konditioniert, dass sie ihn gleich angesprochen hätten, er werde doch jetzt in der Türkei gebraucht, erzählt Spellmeyer. „Kollegen, Freunde und Familie sind krisenerprobt.“ Der Chef gab grünes Licht. So war es auch bei den beiden anderen THWlern. Der 44-jährige Knöpfler ist Vermessungsingenieur bei der Stadt Heidelberg. Weber, 27 Jahre alt, arbeitet als Entwicklungstechniker bei APL in Landau.

Zwei Männer gehen am Dienstag durch Trümmer in der Innenstadt von Kirikhan.
Zwei Männer gehen am Dienstag durch Trümmer in der Innenstadt von Kirikhan.

Handgriffe müssen sitzen

Die drei Männer waren gut vorbereitet. Als Mitglieder der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (Seeba) des THW sind sie für solche Ereignisse ausgebildet. Zuletzt gab es Ende 2022 eine Übung in Portugal. „Die hat mir sehr geholfen. Aber solche Bilder zu sehen, das kann man nicht üben“, sagt Christoph Weber. Es sind nur Andeutungen wie diese, die zeigen, dass die Eindrücke in der überwiegend zerstörten Stadt Kirikhan in der Provinz Hatay im Süden der Türkei die Logistikexperten nicht kalt gelassen haben. Ansonsten zeigen sie nicht viele Emotionen. Elend und Leid mit dem Handy festzuhalten ist auch nicht ihrs. Sie hatten einen klaren Auftrag. Als Teil eines Zahnrads, das nur im Team funktioniert, wie Spellmeyer betont. „Die Handgriffe müssen sitzen.“

Das THW war an der Rettung einer Frau durch ISAR Germany, ISAR Turkey und BRH beteiligt. Am 10. Februar konnten sie die Frau übe
Das THW war an der Rettung einer Frau durch ISAR Germany, ISAR Turkey und BRH beteiligt. Am 10. Februar konnten sie die Frau über 100 Stunden nach dem Erdbeben bergen. Dafür hatten sie über 50 Stunden gearbeitet. Laut der THW-Mitarbeiter aus Landau starb die Frau später im Krankenhaus.

Der 40-Jährige war Manager des Camps, das dem THW gemeinsam mit der privaten Hilfsorganisation ISAR (International Search-and-Rescue) als Basis diente und Platz für 100 Rettungskräfte hatte. Die Logistiker haben dafür gesorgt, dass die erschöpften Bergungskräfte sich waschen, ernähren, wenige Stunden im beheizten Zelt schlafen konnten. In den Nächten fiel das Thermometer auf minus zehn Grad. Knöpfler berichtet von Eiskristallen auf der Zahnbürste. 16 Tonnen Material hatten sie selbst am Flughafen in Gaziantep abgeladen und den Transport über beschädigte und zerstörte Straßen 160 Kilometer nach Kirikhan organisiert. „Je weiter wir in den Süden kamen, umso schlimmer wurde es“, erzählt Weber. Und überall auf den Straßen waren Menschen. Am Mittwochmittag waren die Helfer des THW in Kirikhan. Sie legten sofort los.

Mit Rettungshunden wurde nach Überlebenden gesucht.
Mit Rettungshunden wurde nach Überlebenden gesucht.

Mucksmäuschenstill

Die Stadt zählte 119.000 Einwohner. Viele lebten in acht- bis zehnstöckigen Gebäuden. Die Landauer berichten von chaotischen Zuständen. „Es gab nur eine Feuerwehr.“ Viele freiwillige Helfer seien auf den Trümmerbergen unterwegs gewesen und hätten nach Überlebenden gesucht. Für die Profis ist das hinderlich. Sie mussten aufpassen, dass das Team nicht zerrissen wurde, denn überall werde um Hilfe gerufen. Mit Hunden und Geophonen war das THW auf der Suche nach Überlebenden. „Wir wurden respektiert. Wenn wir Ruhe brauchten, um zu hören, ob da noch jemand ist, war es mucksmäuschenstill“, sagt Spellmeyer. Sie hätten an mehreren Stellen gesucht, die Aussagen, wo Überlebende zu finden seien, seien zuweilen sehr widersprüchlich gewesen.

Haya steht vor einem Zelt in Kirikhan, in dem sie mit ihrer Familie notdürftig untergekommen ist.
Haya steht vor einem Zelt in Kirikhan, in dem sie mit ihrer Familie notdürftig untergekommen ist.

Dem Team sei es gelungen, eine 88-Jährige zu befreien. An einer anderen Aktion war es beteiligt. Die Frau, die in einer 50-stündigen Aktion geborgen wurde, starb allerdings im Krankenhaus.

Schon in Köln beschenkt

Spellmeyer, Knöpfler und Weber erzählen von der großen Dankbarkeit, die ihnen immer wieder zuteil wurde. Fremde Leute hätten sie umarmt, an einem Tag seien ihnen türkische Spezialitäten ins Camp gebracht worden. Sogar in Köln, vor dem sich verzögernden Abflug ins Erdbebengebiet, seien sie von einem türkischen Gastronomen mit Speisen beschenkt worden.

Einsatzbesprechung des THW im Camp Kirikhan.
Einsatzbesprechung des THW im Camp Kirikhan.

Die Retter haben das Land verlassen. Das Camp haben sie an ISAR Turkey übergeben. Die Aufgaben sind nun andere. Das Ausmaß der Zerstörung ist unermesslich. 80 Prozent der Häuser in Kirikhan müssen wohl abgerissen werden, meint der Vermessungsingenieur Knöpfler. Bei einem Haus seien sie ebenerdig ins zweite Obergeschoss gelaufen. Der Bau sei inklusive Tiefgarage abgesackt und gekippt. Häuser, die noch stehen, seien so beschädigt, dass sie auch abgerissen werden müssten.

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