Landau
Landauer hilft mit dem THW nach der Explosionskatastrophe in Beirut
Als Michael Spellmeyer in den Nachrichten von der Explosion in Beirut erfuhr, hatte er schon eine Ahnung, dass sein Handy bald klingeln würde. Der Landauer ist seit 21 Jahren Mitglied und ehrenamtlicher Helfer beim Technischen Hilfswerk (THW). Er hat schon einige Auslandseinsätze absolviert, zum Beispiel bei der Ebola-Epidemie in Westafrika oder 2011 nach dem Erdbeben in Japan.
Bei all seiner Erfahrung sind Hilfsmissionen wie in Beirut trotzdem alles andere als alltäglich für den 37-Jährigen – zum Glück. Auch in der Heimat ist Spellmeyer mit dem Landauer Ortsverband des THW bei Unfällen, Bränden und Unwettern im Einsatz. So kam er am Dienstag vergangener Woche gerade von einem Großbrand in Waldfischbach-Burgalben nach Hause, als ihn das Signal zum Einsatz im rund 4000 Kilometer entfernten Beirut erreichte. Für solche Fälle steht im Schlafzimmer immer ein gepackter Koffer bereit.
Mit 16 Tonnen Gepäck nach Beirut
Die Einsatzkräfte der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (Seeba) sammeln sich im Einsatzzentrum in Rüsselsheim, berichtet Spellmeyer. Angefordert wurden die Helfer über einen EU-Mechanismus. „Die Mitglieder des Teams kommen aus ganz Deutschland, durch meine kurze Anreise war ich einer der ersten vor Ort.“ Sofort hat Spellmeyer mit seinen Kollegen angefangen, Ausstattung und Gerätschaften transportbereit zu machen.
Mit 16 Tonnen Material, vier Rettungshunden und 50 Einsatzkräften flog das Team gegen 1 Uhr in der Nacht vom Frankfurter Flughafen los: mit einem herkömmlichen Linienflugzeug, gemeinsam mit anderen Passagieren. Das Einsatzteam hat den Abflug um einige Stunden verzögert, denn das Gepäck der anderen Passagiere musste wieder ausgeladen werden, um Platz für die THW-Ausrüstung zu schaffen. Normalerweise würde dies bei Touristen und Geschäftsreisenden für Frust sorgen. Diesmal gab es Applaus für die ehrenamtlichen Helfer, erzählt Spellmeyer.
Unter glühender Sonne auf dem Rollfeld
Nach einem vierstündigen Flug ging die eigentliche Arbeit los: als Logistiker ist es die Aufgabe des Landauers, das Einsatzmaterial durch den Zoll und an den Ort des Geschehens zu bringen. „Zwölf Stunden auf dem Rollfeld unter der glühenden Sonne hat es gedauert, bis die fünf Lkw beladen waren. Währenddessen waren unsere Erkundungsteams schon unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen“, sagt Spellmeyer.
Nachdem er den Flughafen verlassen konnte, hat der Landauer noch dabei geholfen, das Camp aufzubauen. Bei 35 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit ist zum Beispiel eine funktionierende Felddusche wahrlich kein Luxus, sondern wichtig für die Einsatzfähigkeit der Helfer.
Spürhunde schlagen nicht an
Der Notruf hat das THW ins Herz der Katastrophe geführt, ganz nah an den Ausgangspunkt der Explosion im Hafen. Fünf Tage durchstreifte das Team die Trümmer mit Spürhunden, um nach Überlebenden zu suchen. Gefunden hat es niemanden – weder lebendig, noch tot. „Es war Glück im Unglück, dass das Gebiet wegen des Brandes schon vorher evakuiert wurde, sonst würde es noch viel mehr Opfer zu beklagen geben“, sagt Spellmeyer.
Welche Eindrücke werden ihm von dem Einsatz in Erinnerung bleiben? „Ich bin viel in der Stadt herumgekommen. Der Grad und die Tragweite der Zerstörung war außerordentlich“, erzählt Spellmeyer. Kraft für solche schweren Missionen zieht er aus der Dankbarkeit der Zivilbevölkerung. „Jeder, den ich getroffen habe, war extrem glücklich, dass wir da waren, um zu helfen. Diese Wertschätzung und die Dankbarkeit ist es, was uns bei der Arbeit Antrieb gibt.“
Rest der Woche in Quarantäne
In der Nacht auf Dienstag kam Spellmeyer nach einer Woche über Frankfurt und Rüsselsheim wieder zurück nach Landau. Weil der Libanon ein Corona-Risikogebiet ist, mussten die Helfer bereits am Flughafen einen Abstrich machen lassen. Beim Einsatz selbst haben alle Mund-Nasen-Schutz getragen und so gut wie möglich Abstand gehalten. Den Rest der Woche muss Spellmeyer dennoch zur Sicherheit in häuslicher Quarantäne verbringen.