Landau
Hans-Peter Briegel kredenzt Schampus und plaudert über Fußball
Nein, Hans-Peter Briegel ist nicht nach Landau gekommen, um mit einer riesigen Champagner-Flasche das Ausscheiden der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar zu feiern. Beim Treffen mit Adriano Casella ging es um den 13. Charity-Abend des gleichnamigen Landauer Restaurants am Kleinen Platz.
Am 22. Dezember öffnet Briegel als Schirmherr der Aktion bei Casella eine Sechs-Liter-Champagner-Flasche. Wer am Abend eines von 60 Gläsern dieser Flasche trinken möchte, kann sich im Vorfeld für 20 Euro einen Gutschein dafür im Restaurant Casella sichern. Etwa die Hälfte der Gläser sind noch verfügbar, berichtet Casella. Der Erlös von 1200 Euro wird dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Südpfalz in Landau gespendet. „In der Vergangenheit hatten wir Oberbürgermeister Thomas Hirsch oder Sven Ottke als Schirmherrn. Wir dachten, Hans-Peter Briegel passt in diesem Jahr ganz gut zur WM“, sagt Casella. Auch Briegel, der in Sondernheim lebt, war in der Vergangenheit schon Schirmherr der Aktion. Die FCK-Legende sei ein oft gesehener Gast bei Casella und kenne den Restaurantbesitzer schon lang, wie dieser erzählt. Casella hat es nicht gefallen, „dass solche Veranstaltungen während Corona ausfallen mussten, denn wir machen den Charity-Abend immer noch gerne.“
„DFB sollte neue Strukturen schaffen“
Auch Briegel ist gerne dabei. Der Europameister von 1980 hat sich auch nicht lumpen lassen, zum obligatorischen Foto nach Landau zu kommen. Auch wenn er vielleicht lieber zu Hause vor dem Fernseher gesessen wäre. Denn zeitgleich spielte Marokko gegen Spanien im Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Katar. Eben jenes Achtelfinale, das eigentlich die Deutschen hätten bestreiten sollen. Wären sie nicht in der Gruppenphase ausgeschieden. „Ich schaue mir, wenn es zeitlich geht, alle Spiele an. Ich habe selbst an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen, warum soll ich mir die WM als Fußballer also nicht anschauen?“, meint der 67-Jährige.
Seine Enttäuschung über das Abschneiden der Deutschen war groß. Gänzlich überrascht war er nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Japan aber nicht. „Wenn man bei drei Spielen das erste verliert, ist das schwierig. Dass Deutschland das zweite Mal in Folge in der Vorrunde ausgeschieden ist, ist natürlich umso bitterer“, findet er. Hinzu komme die „vergeigte“ EM im vergangenen Jahr. „Wir hinken in den letzten vier Jahren ein bisschen hinterher. Das muss der DFB ändern. Es sollten auf jeden Fall neue Strukturen geschaffen werden, und es braucht den ein oder anderen neuen Impuls.“
Zwei Mal Vize-Weltmeister
Den ersten Schritt hat nun DFB-Direktor Oliver Bierhoff mit seinem Rücktritt früher getan als gedacht. Auch Briegel war überrascht: „Ich weiß nicht, was die Gründe waren, aber es hängt wohl mit dem Misserfolg der Mannschaft zusammen. Ich gehe aber trotzdem davon aus, dass der Trainer Hansi Flick bleibt.“
Der in Kaiserslautern geborene Briegel spielte von 1974 bis 1984 beim 1. FC Kaiserslautern, ehe ihn seine Vereinskarriere in die italienische Serie A führte. Für Deutschland stand die „Walz aus der Pfalz“ 72 Mal auf dem Platz, wurde 1980 Europameister und sowohl 1982 als auch 1986 Vize-Weltmeister. Nach seiner Karriere war er als Trainer tätig und coacht heute die Lotto-Elf, eine Fußballmannschaft, die ehemalige Fußballer und Prominente für Benefizspiele vereint.