Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Flüchtlingsschicksale: Leben in der neuen Sammelunterkunft

 Haris Ahmes aus Pakistan ist in einem Vierbett-Zimmer untergebracht.
Haris Ahmes aus Pakistan ist in einem Vierbett-Zimmer untergebracht.

Die Stadt Landau arbeitet mit Hochdruck daran, die Flüchtlingsunterkunft im PVA-Gebäude bewohnbar zu machen. Die ersten Flüchtlinge haben bereits in den Büroräumen der Druckerei Unterschlupf gefunden. Vieles wirkt noch provisorisch. Die Bewohner leiden mehr unter ihren Schicksalen.

Besonders stolz ist Sozialamtsleiter Jan Marco Scherer auf die neue Küche. Noch ist der Raum zwar völlig leer, aber schon bald werden die Menschen in der neuen Landauer Flüchtlingsunterkunft im alten PVA-Gebäude hier ihr Essen bekommen. „Sie hätten mal sehen sollen, wie es hier noch vor Kurzem ausgesehen hat“, sagt Scherer der RHEINPFALZ bei einem Rundgang durch die Räume.

In nur drei Wochen habe das Gebäudemanagement hier Boden, Wände und Decken verkleidet, Anschlüsse und Rohre verlegt. Die Küchengeräte sollen bald da sein, stehen teilweise auch schon bereit. Wie berichtet, hatte das Veterinäramt den Zustand der Küche beanstandet. Um Kosten zu sparen, hatten Sozialamt und Gebäudemanagement (GML) beschlossen, den Aus- und Umbau selbst zu organisieren.

Lager wird Gemeinschaftsraum

Noch gehen die im PVA-Haus untergebrachten Menschen im ehemaligen Hotel Kurpfalz essen, das vor dem PVA-Gebäude als einzige Sammelunterkunft diente. Auch die neue Flüchtlingsunterkunft ist nur eine Zwischenlösung bis Ende des Jahres. Für die Zeit danach prüft die Stadt zurzeit ehemalige Kasernengebäude in der Cornichonstraße und der Fanny-Becht-Straße auf ihre Eignung.

Vor dem Küchenraum befindet sich eine riesige Lagerhalle, aus der ein Gemeinschaftsraum gemacht werden soll. Es wäre Platz genug für ein Basketballfeld, die Halle wird durch eine Trennwand halbiert. Auch hier steht noch alles leer, die Möbel sollen aber bald kommen. Der Bereich wurde tiefengereinigt – „Schauen Sie mal, wie viel heller der Boden hier ist als auf der anderen Hälfte“, sagt Scherer. „Wir wussten vorher gar nicht, dass er eigentlich gelb ist.“

Wie ein freundlicher Ort zum Verweilen wirkt die Halle noch nicht. Die Stadt hat angedacht, den Raum zusammen mit den Bewohnern zu streichen und zu gestalten. Das sei eine gute Beschäftigung und stärke die Bindung zu ihrem Wohnort.

Büros wurden Mehrbettzimmer

Auch die Wohnräume sind noch recht spartanisch ausgestattet: Ein paar Etagenbetten und Stühle, mehr gibt es noch nicht. Auch hier ist weiteres Mobiliar im Anmarsch. Heimelig wird es in den ehemaligen Büroräumen wohl nicht werden. Das ist in einer Sammelunterkunft aber auch nicht der Anspruch. In 60 Zimmern können zwischen 150 und 170 Menschen Platz finden. Derzeit sind es 16, sechs sind für die nächste Woche angekündigt. Angesichts des stetigen Flüchtlingsstroms werden sich die anderen Zimmer vermutlich bald füllen. Dabei kommen gerade keine ukrainischen Flüchtlinge mehr in die Stadt, weil das Land bereits überproportional viele aufgenommen hat. Aktuell wohnen hier unter anderem junge Männer aus Pakistan und Syrien.

Harris Ahmed gehört einer muslimischen Minderheit ein. Der 24-Jährige sagt, er sei in seiner Heimat in Pakistan verfolgt, auch zweimal körperlich angegriffen worden. Seit Anfang Februar lebt er im PVA-Gebäude. In Deutschland gefalle es ihm „sehr gut, man ist sehr hilfreich“. Sein Ziel ist es, Deutsch zu lernen und dann hier eine Ausbildung zu machen.

Durch Explosion verletzt

Sein Nachbar Abid Almhemed musste vor der Gewalt in Syrien fliehen. Er trägt eine große Narbe an seinem Arm. Als in seiner Stadt im Süden des Landes Kämpfe ausgebrochen waren, wurde er in seinem Heim durch eine Explosion verletzt, war mehrere Wochen im Krankenhaus. „Ich suche eine gute Zukunft für meine Familie, ein besseres Leben. In Syrien ist alles schlecht.“ In Deutschland wisse man, was Humanität bedeutet. Die Regierung in Syrien wisse das nicht. Der 31-Jährige hat aber große Sorgen, weil Frau und Kinder in der Türkei feststecken, wo sie nun wegen des Erdbebens auf der Straße ausharren müssen. Almhemed muss weiter auf seinen Aufenthaltstitel warten. Nachdem er vom Schicksal seiner Familie berichtet hat, wird es ihm zu viel, er bricht das Gespräch ab.

 Abid Almhemes aus Alraqqa in Syrien sorgt sich im Gespräch mit Michael Schwab (rechts) um seine Familie.
Abid Almhemes aus Alraqqa in Syrien sorgt sich im Gespräch mit Michael Schwab (rechts) um seine Familie.
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