Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Dauerbaustelle Fort: Weiteres Stück Minengang saniert

Gut zu erkennen: Der Minengang hat sich verformt. Die aus der Wand ragenden Röhrchen wurden für Injektionen zur Stabilisierung b
Gut zu erkennen: Der Minengang hat sich verformt. Die aus der Wand ragenden Röhrchen wurden für Injektionen zur Stabilisierung benötigt.

Der französische Festungsbaumeister Vauban hat Landau ein beeindruckendes Werk hinterlassen. Aber auch eine Altlast finanzieller Art. Die Stadt kann immer nur kleine Abschnitte sanieren. Da hat sogar die Generaldirektion Kulturelles Erbe Mitleid.

Die Landauer Festung ist nicht weg – sie ist nur oberflächlich geschleift worden. Die größten zusammenhängenden Teile sind im Fort erhalten, und dort hat die Stadt in den vergangenen Jahren mehr als 1,1 Millionen Euro in Erhalt und Nutzbarmachung gesteckt. Jetzt ist wieder ein Stück Minengang hergerichtet worden. Der neuen Leiterin der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), Heike Otto, hat es gefallen.

Das Bewusstsein für die Bedeutung und Einzigartigkeit der Festung sei größer geworden, räumte Oberbürgermeister Thomas Hirsch ein. Dazu dürften der Festungsbauverein, der die Lunette 41 im Savoyenpark restauriert, ebenso beigetragen haben wie die Ausgrabung – und anschließende weitgehende Zerstörung – von Werk 38 im Jahr 2014 im Wohnpark am Ebenberg, das einer Neubebauung weichen musste. Das hatte zu erheblicher Kritik geführt. Der Festungsbauverein hatte Unterschriften gesammelt und gefordert, die komplette Festung unter Schutz zu stellen. Mit Erfolg: In der Folge war die GDKE dieser Forderung gefolgt. Ottos Vorgänger Thomas Metz hatte allerdings seinerzeit auch gesagt, dass ihm die „Zweitschrift“ von Werk 38 ausreiche, also die Dokumentation der Funde. Das Original hatte er für verzichtbar erklärt.

Stadt hat rund 1,1 Millionen Euro investiert

Nach Angaben der Stadt erstrecken sich bis zu 16 Kilometer unterirdische Gänge unter dem Stadtgebiet. Immer wieder tauchen Teile bei Baumaßnahmen auf, wie zuletzt die Spitze von Werk 100 in der Paul-von-Denis-Straße. Die Teile im Fort werden seit einigen Jahren Schritt für Schritt saniert. Im jüngsten Bauabschnitt war unter anderem der Minengang M4 an der Reihe, der stellenweise eingestürzt war. Um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen und den Gang künftig auch wieder für Führungen begehbar zu machen, wurde der unterirdische Tunnel von der Fachfirma Zedler Baugesellschaft aus Ober-Försheim wiederaufgebaut und instandgesetzt. Das Unternehmen hatte erst kürzlich die Mauer eines Vorwerks im Ostpark saniert.

„In den vergangenen Jahren, ganz besonders mit der Unterschutzstellung der Festung als Gesamtanlage im Jahr 2017, haben wir nicht nur unsere Liebe zu diesem besonderen Stück Stadtgeschichte wieder neu entdeckt, sondern sind auch bereit, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Hirsch. „Ob der Festungsrundweg Route Vauban, zahlreiche Stadtführungen, das Engagement unseres Festungsbauvereins oder auch die rund 1,1 Millionen Euro, die wir als Stadt in den vergangenen Jahren in den Unterhalt der Festung investiert haben: Wir arbeiten aktiv daran, uns den Titel Festungsstadt zu verdienen und freuen uns sehr, dass wir dabei von der GDKE mit Rat und finanziellen Mitteln so tatkräftig unterstützt werden“, so der Stadtchef.

Warum die Arbeiten so teuer sind

Die Gesamtkosten des ersten Bauabschnitts, der die Sanierung der ersten 40 Meter des Minengangs umfasst, belaufen sich auf rund 440.000 Euro; die GDKE unterstützt die Maßnahme mit 73.400 Euro. Otto bedauerte, dass aufgrund der beschränkten finanziellen Möglichkeiten der GDKE nicht mehr möglich gewesen sei.

Die Arbeiten sind deshalb so teuer, weil die komplette Festung ganz überwiegend aus Erdwällen besteht. Das verdeutlichten Landaus Denkmalpfleger Jörg Seitz und Imre Erdelji, der bei der Stadtverwaltung unter anderem für technische Bauwerke zuständig ist: Die gemauerten Anteile sind zwar spektakulär, aber machen nur wenig des gesamten Bauvolumens aus. Hinter den etliche Meter hohen Sandsteinmauern des Forts auf der einen Seite des Grabens und auch hinter den Mauern der Vorwerke auf der anderen verlaufen enge Minengänge, die aus gemauerten Ziegelgewölben bestehen. Doch anders als die starken Mauern hatten diese keine oder nur unzureichende Fundamente. Mit dem Ergebnis, dass der Druck der Erdmassen und des Bewuchses von oben die Gänge verformt und teils zum Einsturz gebracht hat.

THW hatte Minengänge freigelegt

Solche Bereiche wurden jetzt von den Zedler-Mitarbeitern von oben freigelegt, wofür große Erdmassen bewegt werden mussten. In den eingestürzten Bereichen wurde das Gewölbe mithilfe eines Lehrgerüsts mit wiederverwendbaren alten oder mit neuen Ziegeln rekonstruiert. In den nicht eingestürzten Bereichen wurden beschädigte Gewölbeabschnitte neu verfugt und Hohlräume im Injektionsverfahren verfüllt.

Das Fort war zum Festungsjubiläum 1988 (der Bau hatte 1688 begonnen) von übermäßigem Bewuchs befreit worden, und das THW hatte einige Minengänge freigelegt, die anschließend bei Führungen begangen werden konnten. Laut Seitz ist damals klargeworden, dass erheblicher Sanierungebedarf bestand, der aber unmöglich in einem Aufwasch behoben werden konnte. Damals waren Stadt und Land (dem der Fort-Teil mit der Uni gehört) übereingekommen, in Abschnitten zu sanieren. Landau investiere seitdem 80.000 bis 150.000 Euro jährlich, so Seitz.

Nicht selbstverständlich, Geschichte so zu schätzen

„Wir freuen uns, dass wir die Festung Stück für Stück weiter sichtbar und touristisch nutzbar machen können, um sie so wieder mehr in den Köpfen der Menschen zu verankern“, betonte er. „Ein kurzes Stück des jetzt sanierten Minengangs konnte bis 2015 schon für Führungen genutzt werden – dank der Sanierung ist das künftig auch wieder möglich, und zwar auf einer noch deutlich längeren Strecke.“ Nach dem zweiten Sanierungsabschnitt, der in den kommenden zwei Jahren fertiggestellt werden soll, können dann insgesamt 80 Meter des Minengangs werden.

Otto, die seit wenigen Monaten an der Spitze der GDKE steht, zeigte sich bei ihrem ersten offiziellen Besuch in Landau beeindruckt. Es sei nicht selbstverständlich, dass eine Stadt ihre Denkmäler so wertschätze. Sie sagte die weitere Unterstützung bei der Pflege und dem Unterhalt der Festungswerke zu.

Hinter den Mauern beiderseits des Grabens verlaufen Minengänge. Wenn sie einstürzen, müssen sie von oben aufgegraben und saniert
Hinter den Mauern beiderseits des Grabens verlaufen Minengänge. Wenn sie einstürzen, müssen sie von oben aufgegraben und saniert werden.
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