Handball
HSG Landau/Land gewinnt „Endspiel“ gegen Kandel
29:48 Minuten gespielt: Per Siebenmeter trifft Sven Anhaus zum 13:19 für den TSV Kandel. Die verbleidenden Sekunden nutzt die HSG Landau/Land, um Spielertrainer Lukas Gerstle in Position zu bringen, der mit dem Pausenpfiff in einem Kraftakt auf 20:13 erhöht. „Das war extrem wichtig, weil es uns noch mal zusätzlich gepusht hat“, sagte Gerstle und verwies auf die gute Stimmung anschließend in der Kabine.
Die Szene war symptomatisch für das ganze Spiel: Egal, was die Gäste versuchten, allen voran Gerstle hatte die passende Antwort. Die HSG Landau/Land gewann vor 190 Zuschauern in Albersweiler gegen den TSV Kandel mit 36:31, überholte ihn in der Tabelle und kann von Rang zehn der Handball-Pfalzliga nicht mehr verdrängt werden.
Gleiche Taktik
Beide Mannschaften bedienten sich des gleichen taktischen Mittels: den Haupttorschützen des Gegners durch kurze Deckung aus dem Spiel nehmen. Während der Kandeler Christoph Kunz von Philipp Käflein weitgehend abgemeldet wurde, schaffte Lukas Gerstle es, sich mehrmals zu lösen und seine Mitspieler einzusetzen, die von der Kandeler Abwehr oft nur per Foul zu stoppen waren. In der ersten Hälfte konnte Gerstle vier Siebenmeter verwandeln. Kandel bekam in der Abwehr keinen Zugriff, Landaus rechte Angriffsseite mit Elliot Igbinedion im Rückraum und Lukas Müller gefiel durch überlegtes Nutzen der vorhandenen Freiräume und Variabilität in den Würfen. Zusammen erzielten sie neun Treffer in den ersten 30 Minuten.
Thomas: „Haben uns in Querpässen verloren“
Kandels Trainer Christian Thomas wusste wohl nicht so recht, wo er bei der Pausenansprache ansetzen sollte: „Wir haben die erste Halbzeit total verschlafen, uns in Querpässen verloren ohne Druck auf die Abwehr auszuüben.“ Taktische Änderungen jedoch seien sekundär gewesen: „Wir mussten erst mal den Kampf annehmen. Ohne diesen war unser Ziel, das Spiel nicht zu verlieren, unmöglich.“
Nach der Halbzeit vorerst das gleiche Bild: Lukas Gerstle traf. Kandels Torhüter Tim Schwinghammer und Jonas Dettbarn wechselten mehrmals, standen ohne Unterstützung ihrer Abwehr oft auf verlorenem Posten. Christoph Kunz fand weiterhin nicht ins Spiel. Überraschend kam das für den Linkshänder, der zum TV Offenbach in die Oberliga wechselt, nicht: „Das war schon öfter so. Wir haben im Training schon versucht uns darauf vorzubereiten.“
Igbinedion erzielt seinen neunten Treffer
Für ihn sprang allen voran Sören Söllner im linken Rückraum in die Bresche, der sechs seiner acht Tore in der zweiten Hälfte erzielte. Da erinnerten sich die Kandeler an die Worte ihres Trainers und witterten allmählich Morgenluft: In der 37. Minute verkürzte Bastian Bernhard auf 19:23. Mehrmals kam Kandel bis auf vier Tore heran, „Defense!-Defense!“-Rufe der Kandeler Anhänger sollten die Abwehrarbeit unterstützen. Lukas Gerstle und Elliot Igbinedion zeigten sich davon unbeeindruckt. Beim Stand von 31:27 (54.) nahm Gerstle eine Auszeit und beruhigte seine Spieler, die zunehmend fahrig agierten: „Statt die Angriffe geduldig auszuspielen und auf den freien Mann zu warten, haben wir mehrmals überhastet abgeschlossen.“ Spannung kam beim 32:29 noch mal auf, ein ganz erfahrener Mann machte diese zunichte: Markus Badinger kam für die letzten Minuten und machte mit dem 33. Tor den Sack zu. Dem starken Elliot Igbinedion war es vorbehalten, mit seinem neunten Treffer das 36:31 herzustellen.
14 Paraden von Philipp Trögler
Christoph Kunz machte für die Niederlage der Gäste neben fehlendem Willen hauptsächlich die schwache Wurfquote verantwortlich. Philipp Trögler im Landauer Tor kam auf starke 14 Paraden. Lukas Gerstle, er warf 10/4 Tore, war sehr zufrieden: „Abstiegskampf ist Kampf, den haben wir von Beginn an angenommen. Damit konnten wir auch manch Unsicherheit ausmerzen, die natürlich der Brisanz des Spiels geschuldet war.“ Die Doppelbelastung als Spielertrainer machte sich in der angekratzten Stimme bemerkbar: „Klar, man kann da nie ruhig sein. Neben dem Coaching versuche ich die Jungs immer zu pushen und mitzureißen.“
Beim Saisonausklang stehen traditionell Verabschiedungen an. Im letzten Spiel seiner Laufbahn traf Lukas Müller sechsmal von rechts. „Eigentlich wollte ich vor drei Jahren schon aufhören, habe es aber immer wieder verschoben. Obwohl es mit den Jungs eine wirklich tolle Zeit war, wusste ich vor der Saison, dass es wirklich mein letztes Jahr ist“, sagte der 34-jährige Controller aus Landau. Er wird zukünftig das Trainerteam der ersten Frauenmannschaft ergänzen.
Für die HSG Landau/Land ist die Runde damit auf Rang zehn beendet. Einen Platz dahinter bleibt der TSV Kandel, dessen letztes Spiel gegen den TV Wörth keine Relevanz für die Tabelle mehr hat.