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Montag, 11. September 2017 Drucken

Landau

Landau macht mit bei Refill-Projekt

Interview: Durst löschen, Geld sparen, nachhaltig leben: Statt Wasser unterwegs in Plastikflaschen zu kaufen, einfach Leitungswasser in Geschäften abfüllen – und das kostenlos. Darum geht’s bei „Refill“. Aufkleber an der Ladentür zeigen, wer mitmacht. Sascha Hunsicker holt das Projekt nach Landau. Diese Woche soll es losgehen.

Wasser oder Cola. Herr Hunsicker, was trinken Sie lieber?

Ganz klar Wasser. Ich trinke nur Leitungswasser. Es ist günstig und verbraucht die wenigsten Kalorien, sowohl bei der Herstellung als auch beim Transport.

 

Für Landau haben Sie das Projekt „Refill“ initiiert. Was steckt dahinter?

Bei „Refill“ geht es darum, dass man mit einer Wasserflasche in Cafés und Geschäfte gehen kann, um sich diese kostenfrei mit Leitungswasser füllen zu lassen. Über das Projekt bin ich in einem „Greenpeace“-Magazin gestolpert. Und dann dachte ich gleich: Das wäre doch was für Landau. Bei der Deutschland-Verantwortlichen von „Refill“ habe ich mich dann beworben. Und jetzt startet das Projekt in Landau. 2015 war es übrigens in Bristol, in England, ins Leben gerufen worden. 2017 ging’s dann in Hamburg los. Und seitdem gibt’s in Deutschland etwa 40 bis 50 Städte, die mitmachen.

 

Ich gehe also in einen Laden und sage „Guten Tag, ein Gratis-Wasser, bitte“?

Genau. An einem Aufkleber an der Tür erkennt man, dass der Laden mitmacht. Man muss sich auch nicht genieren, wenn man reingeht und sagt: „Ich hätte gerne meine Wasserflasche aufgefüllt.“ Die Leute machen das. Und sie machen das gerne.

 

Hat man da aber nicht das Gefühl, auch etwas kaufen zu müssen?

Wenn man in einem Geschäft etwas kostenlos bekommt, hat man immer das Gefühl, dass man was kaufen sollte. Aber dadurch, dass man durch den Aufkleber signalisiert bekommt, dass man Gratis-Wasser bekommt, muss man kein schlechtes Gewissen haben, wenn man nichts kauft.

 

Welche Läden machen denn mit?

Bis jetzt fünf Geschäfte: die Kugel in der Kugelgartenstraße, das Café Ich bin so frey in der Marktstraße, das Haus des Sehens am Obertorplatz, Weltherz in der Theaterstraße und der Laden Unverpackt in der Kronstraße. Ich habe auch noch 30 weitere Läden und Cafés angeschrieben und gefragt, ob sie nicht auch mitmachen möchten. Das Projekt kann starten, sobald die blauen Aufkleber da sind.

 

Wie haben die Ladeninhaber auf Ihre Anfrage reagiert?

Sehr wohlwollend. Die haben gleich gesagt: Da sind wir dabei. Sie haben auch gesagt, dass sie Kollegen ansprechen werden. Die machen also noch Werbung für das Projekt.

 

Und gab’s auch eine Absage?

Bis jetzt mal noch nicht. Es kann aber sein, dass einige Geschäftsinhaber auf meine Mail einfach nicht antworten werden.

 

Sollen alle Geschäfte mitmachen?

Nein, das wäre ja Wahnsinn. In Landau gibt es ja auf jeden Fall fünf Teilnehmer. Und das ist im Vergleich mit anderen deutschen „Refill“-Städten schon mal sehr gut.

 

Wie kommt das Projekt in anderen Städten an?

Es wird sehr gut angenommen. Die Verantwortlichen für jede Stadt tauschen sich über soziale Netzwerke aus. Und da ist jeder begeistert von der Resonanz.

 

Sag nee zu PET: Was ist so schlimm an Wasser aus Plastikflaschen?

Pro Tag werden in Deutschland 40 Millionen Wasserflaschen gekauft. Klar: Da ist sehr viel Energie notwendig, für die Herstellung der Flaschen, für den Transport, für die Entsorgung. Und diese Energie brauche ich nicht, wenn ich eine Flasche immer wieder verwende. Durch das „Refill“-Projekt werden natürlich nicht alle 40 Millionen Plastikflaschen wegfallen, sondern nur ein kleiner Bruchteil. Aber es trägt dazu bei, Müll zu vermeiden.

 

In Landau gibt es ja den Laden „Unverpackt“, der ebenfalls mitmacht und in dem plastikfrei eingekauft werden kann. Und Tüten findet man fast nirgendwo mehr. Ist es ein Trend, nachhaltig und umweltbewusst zu leben?

Ich denke schon, dass es ein Trend ist. Deswegen gibt es auch immer mehr Städte, die bei „Refill“ mitmachen wollen. Um Müll zu vermeiden und zu zeigen: Ich brauche kein Mineralwasser, ich kann auch Leitungswasser trinken. Viele kommen gar nicht auf die Idee. Deutsches Leitungswasser ist gesund, schmeckt gut, ist günstig. Man kann damit sogar eine Weinschorle mischen.

 

Wie gut ist eigentlich das Wasser aus Landauer Leitungen?

Ich bin mal noch nicht krank geworden. Das Leitungswasser ist zwar kalkhaltig, aber mir schmeckt’s. Ich kaufe schon seit gut drei Jahren kein Sprudelwasser mehr. Und meine Familie trinkt auch Wasser aus der Leitung. Und wenn ich Gäste habe, bekommen die auch nur Leitungswasser. Geschimpft hat noch niemand.

 

Sie sind Lehrer. Nehmen Sie sich jeden Tag Wasser mit zur Arbeit?

Ich trinke jeden Tag Wasser aus der Schulküche.

 

Und was trinken die Schüler so?

Meist gesundheitsschädliche Softdrinks wie Cola und Apfelsaftschorle, also Getränke mit viel Zucker.

 

Ist „Refill“ auch im Unterricht Thema?

Als Lehrer darf ich keine Werbung machen, aber ich kann ansprechen, dass es das Projekt gibt. Die Schüler können es ja dann selbst bewerten.

 

 

Zur Person

Sascha Hunsicker ist 40 Jahre alt. Der Landauer unterrichtet an der Konrad-Adenauer-Realschule plus in Erdkunde, Mathe und Informatik. Er hat zwei Kinder. Und die trinken ebenfalls gerne Leitungswasser.

 

Internet

www.refill-deutschland.de/landau | Interview: Jan Peter Kern

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